Phelps im Fokus - Revanche gegen Biedermann?

Phelps im Fokus - Revanche gegen Biedermann?

Mehr als zwei Dutzend TV-Kameras, noch mehr Fotoapparate - bereits vor dem ersten WM-Startsprung der Beckenschwimmer in Shanghai wurde allen einmal mehr die Ausnahmestellung von Michael Phelps vor Augen geführt.

Vier reichlich dekorierte US-Teamkollegen sprachen in Shanghai eine halbe Stunde vor dem Schwimm-Superstar zusammen in einer Pressekonferenz - aber ein bisschen wirkte dies wie das Aufwärmprogramm für die folgende Fragerunde mit dem 14-maligen Olympiasieger.

„Ich bin in einer viel besseren Form als letztes Jahr. Das wird eine herausfordernde Woche“, betonte der 26-jährige Phelps zwei Tage vor seinem ersten Einzelstart am Montag. 22 Weltmeistertitel hat er auf dem Konto, in China können es bis zu sieben mehr werden. Viele fragen sich, ob er wie einst wieder den Nimbus der Unbesiegbarkeit erreichen kann.

Der Siegeshunger ist jedenfalls bei Phelps zurück. Und das nach einem Jahr, in dem er arge Motivationsprobleme hatte, das Training schleifen ließ. „Golf ist nicht wirklich gut für die 200 Meter Schmetterling, das können wir sicher sagen“, sagte Trainer Bob Bowman mit einem Lächeln. Phelps schaute seinen Coach am Samstag nach dieser Aussage in den Katakomben des Schwimm-Stadions an und pflichtete bei: Vor allem nicht, wenn man nicht gut golfe.

Der Amerikaner wirkte locker und gelöst. Er ist gereift und fühlt sich selbst „stärker und größer“. Phelps scheint aus den schwächeren Tagen seiner Erfolgslaufbahn - wenn man bei einem Athleten wie ihm überhaupt von solchen sprechen darf - gelernt zu haben. Aber er bereut nichts. „Wenn ich meine Karriere wiederholen würde, würde ich nichts anders machen“, sagte der Multi-Millionär. „Ich liebe jeden Moment meiner Karriere.“

Auch wenn Letzteres offenbar nicht ganz stimmt. Denn seine Final-Niederlage 2009 in Rom über 200 Meter Freistil gegen Paul Biedermann hat er nicht vergessen. „Ich hasse es zu verlieren, und er hat mir eine wirklich bittere Niederlage zugefügt“, erinnerte der Amerikaner an den Verlust von Weltrekord und Titel. In Shanghai will er zurückschlagen. „Er ist der amtierende Weltmeister. Es wird eines der härtesten Rennen“, sagte Phelps. Auf Nachfrage räumte er auch gleich mit einer Mär auf. Mit dem schrägen Gerücht, dass er ein Foto von Biedermann in seinem Spind hängen habe. Da muss auch Phelps lachen: Er habe nicht mal einen Spind.