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Philipp Boy: Könnte „auch mit Platz zwei gut leben“

Philipp Boy: Könnte „auch mit Platz zwei gut leben“

Vor vier Monaten war Philipp Boy der gefeierte Mehrkampf-Europameister von Berlin. Er trat dort in die Fußstapfen seines Vorgängers Fabian Hambüchen, der nach Achillessehnen-Operation damals gerade sein Aufbautraining gestartet hatte.

In Altendiez treffen die beiden deutschen Turn-Stars nun bei der ersten Weltmeisterschaft-Qualifikation am Samstag erstmals seit der WM 2010 in Rotterdam wieder aufeinander. Über seine Freude auf den Wettkampf berichtet der Cottbuser im Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Mit welcher Einstellung gehen Sie in den Wettkampf, bei dem erstmals seit 18 Monaten wieder die „Großen Drei“ - Hambüchen, Nguyen und Boy - gegeneinander antreten?

Boy: „Ich gehe total positiv eingestellt ins Rennen. Ich habe nichts zu verlieren. Aber natürlich will ich unbedingt zu WM.“

Aber die Konkurrenz wird stark sein. Vor allem der deutsche Mehrkampf-Meister Marcel Nguyen hat neue Schwierigkeiten in seine Übungen eingebaut.

Boy: „Wenn ich gut turne und Marcel stärker ist, dann könnte ich auch mit Platz zwei gut leben. Wenn ich aber selber fünf Fehler mache, dann natürlich nicht.„

Fabian Hambüchen wird keinen Mehrkampf turnen, will aber an vier Geräten seine Anwartschaft auf ein WM-Ticket nachweisen. Wie haben Sie aus der Ferne sein Comeback wahrgenommen?

Boy: „Ich freue mich, dass er wieder gesund ist. Er hat in Heidelberg seine schwierige Reck-Übung super durchgeturnt. Wenn er so weitermacht, wird er unserem WM-Team in Tokio sehr helfen können, die Olympia-Tickets zu erkämpfen.“

Sie selber konnten in der Bundesliga vorige Woche nicht für Schlagzeilen sorgen. Waren Sie enttäuscht über ihre Leistung?

Boy: „Nein, denn da spielten viele Dinge eine Rolle. Wir waren sehr unzufrieden mit der Qualität der Geräte und den Referee-Leistungen. Ich wollte auf Sicherheit turnen und ein kleines Check-Up für Altendiez haben. Ich bin leider vom Reck abgestiegen, aber das wirft mich nicht um. Für Altendiez gibt es eine ganz andere Motivation.“

Welche ist dies neben dem WM-Ticket?

Boy: „Ich habe meine Übungen seit der EM etwas verändert. Der Sprung ist noch nicht so stabil. Am Reck habe ich einiges probiert, um meine Final-Übung aufzustocken. Für Altendiez biete ich voraussichtlich einen Ausgangswert von 7,2 an. Den Jägersalto, den Fabian eingebaut hat und damit auf 7,5 kommt, lehne ich kategorisch ab.“

Wie stressig verliefen die ersten Wochen als neuer Europameister?

Boy: „Es gab schon viele Termine. Aber ich habe einfach auch mal Dinge gemacht, für die sonst nie Zeit war.“

Dazu zählen Sie sicher auch Ihren ersten Gleitschirmflug und die Eröffnung von zwei Restaurants der „Sandwich Manufaktur“ in Cottbus und Groß-Gaglow?

Boy: „Ja sicher. Das sind die Sachen, die mir neben dem Turnen auch Spaß machen.“

Nach der Reaktor-Katastrophe von Fukushima hatten Sie Bedenken, bei der Turn-WM in Tokio zu starten. Hat sich Ihre Einstellung geändert?

Boy: „In letzter Zeit war es ja sehr ruhig. Aber ich glaube, die Situation in Japan ist genauso brisant wie vor zwei Monaten. Aber wenn alle Verantwortlichen uns bestätigen, dass wir nicht gefährdet sind, muss man ihnen glauben. Auf jeden Fall werde ich versuchen, dort so wenig wie möglich auf die Straße zu gehen.“