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Ping-Pong auf Gummimatten - Kritik an EM in Ostrau

Ostrau (dpa). Ein instabiler Hallenboden, grelles Licht, keine Setzlisten, falsche Kontrollgeräte, Riesenhalle mit 18 Tischen, wenig Fans - die Organisatoren der Tischtennis-EM in Ostrau beziehen ordentlich Prügel. Von Peter Hübner, dpa

Ein Jahr nach dem umjubelten Zelluloidball-Fest in Stuttgart ist von EM-Stimmung in der tschechischen Industriestadt nichts zu spüren. „Ich kann die Kritik unserer Trainer und Spieler gut verstehen. Die Abkehr von Center Court-Konzept ist ein klarer Schritt zurück“, urteilte Dirk Schimmelpfennig, Sportdirektor des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB).

„Die Boden- und Lichtverhältnisse sind nicht so, wie sie sein sollen“, sagte Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf. „Katastrophale Bedingungen für alle“, schimpfte Damen-Coach Jörg Bitzigeio. Der Hallenboden in der CEZ-Arena - 2004 Schauplatz der Eishockey-WM - ist mit Gummimatten ausgelegt. Zwischen den Platten bilden sich Rillen, die auch auf dem roten Gerflor-Boden, auf dem die Profis seit Jahren spielen, noch zu spüren sind. „Der Boden ist schlecht und uneben. Das ist ein Manko“, erläuterte Nationalspieler Dimitrij Ovtcharov.

„Die Schlägerkontrolle wird nicht mit dem vorgeschriebenen Gerät durchgeführt“, kritisierte DTTB-Präsident Thomas Weikert. Der Weltverband ITTF hat seit einem Jahr das sogenannte „Mini-RAE“ eingeführt. Das Gerät misst die Anteile giftiger Stoffe in den Klebemitteln, mit denen die Spieler ihre Beläge auf dem Schlägerholz befestigen. Es ist wesentlich genauer als die alte „ENEZ-Box“, die zwar auch Frischkleber nachweist, sich aber als fehleranfällig erwiesen hat. In Ostrau wird dennoch das ENEZ-Gerät benutzt.

„Die Europäische Tischtennis-Union ETTU und der tschechische Verband haben das Mini-RAE nicht angeschafft“, sagte Schimmelpfennig. „Die Bundesliga hat drei der neuen Geräte.“ Dem DTTB ist der Kurs der ETTU-Führung unter dem italienischen Präsidenten Stefano Bosi seit langem ein Dorn im Auge. Die ETTU vergibt ihre Titelkämpfe gerne nach Osteuropa (Belgrad 2007, St. Petersburg/2008, Ostrau/2010, Danzig/2011). Das sind preiswerte Lösungen, die bei vielen Verbänden gut ankommen, auch wenn der Charakter der EM-Turniere mehr einer Ping-Pong-Bezirksmeisterschaft als einem großen Event ähnelt.

Der zehnfache Europameister Timo Boll stimmte in das allgemeine Jammern nicht ein. Er hat schon Schlimmeres erlebt. „Die Halle ist ganz in Ordnung, auch unser 4-Sterne-Hotel direkt daneben ist gut. Auf dem Boden schlafen müssen wir jedenfalls nicht wie zuletzt bei der WM in Moskau“, erklärte der Top-Favorit. Er hat sich mit den Bedingungen arrangiert und will auch auf unebenen Boden seine Titelsammlung vergrößern.