| 21:29 Uhr

Spochtipedia: Radrennsport
Sightseeing im Sattel – aber am Anschlag (Video)

Max Valtey mit seinem Rennrad zu Hause in Saarburg.
Max Valtey mit seinem Rennrad zu Hause in Saarburg. FOTO: Mirko Blahak / TV
Saarburg. Max Valtey (23) ist Radrennfahrer beim RV Schwalbe Trier. Er bezeichnet sich als ambitionierter Amateur. Auch auf diesem Niveau ist der Trainingsaufwand enorm. Von Mirko Blahak
Mirko Blahak

Stars im Sport sind Zugpferde für den Nachwuchs. Bei Max Valtey aus Saarburg war das nicht anders. Als Kind verbrachte er mit der Familie öfters den Sommerurlaub in den französischen Alpen. Da bot es sich an, auch mal bei einer Tour-de-France-Etappe am Streckenrand zu stehen. Valtey, damals zehn Jahre alt, war infiziert. Radfahren war ohnehin schon sein Hobby, jetzt sollte es aber richtiges Rennradfahren werden.

„Ich habe früher auch Fußball gespielt. Aber der Radrennsport hat mich mehr fasziniert. Wenn’s beim Fußball 5:0 steht, ist die Sache gelaufen. Im Radsport kann immer alles passieren“, sagt Valtey, der zunächst im RSC Obermosel-Wincheringen und bei Hans May – einer Ikone im regionalen Radsport – trainierte.

In seinem ersten Wettkampf wurde Valtey Sechster, nicht viel später gab’s den ersten Sieg. „Das war eine Bestätigung für das Training. So nahm alles seinen Lauf“, sagt Valtey, der 2014 südwestdeutscher Vizemeister auf der Straße und Achter bei der deutschen Bergmeisterschaft wurde.

Aktuell fährt der 23-Jährige für den RV Schwalbe Trier, er bezeichnet sich als  „ambitionierten Amateurfahrer“. Auch auf diesem Level ist das Trainingspensum enorm. Von November bis Januar werden die Grundlagen geschaffen – bei langen Einheiten im Sattel zwischen dreieinhalb und sechs Stunden. Hinzu kommen Athletik- und Krafteinheiten – sowie zur Abwechslung Läufe. Auf dem Rad fährt Valtey Richtung Wittlich, Luxemburg, Frankreich: „Vor der Haustür gibt es viele Möglichkeiten im Flachen und im Hügeligen. So bekomme ich auch viel von der Region zu sehen.“ Sightseeing im Sattel – aber am Anschlag.

Max Valtey in Aktion.
Max Valtey in Aktion. FOTO: Holger's Radsport-Fotos / TV

Zwischen Januar und Anfang März wird spezifisch trainiert – in Intervallen bei höherem Puls und in einem höheren Watt-Bereich. Dann beginnen die Rennen. Während der Saison sieht ein typische Woche bei Valtey so aus: Nach einem Rennen am Sonntag (Länge zwischen 60 und 200 Kilometern) ist montags ein bisschen aktive Erholung angesagt. Dienstags wird zwei bis drei Stunden auf dem Rad trainiert, mittwochs wird die Intensität deutlich angezogen (im Sattel verbringt er dann im Schnitt 110 bis 120 Kilometer). Donnerstags wird auch gefahren, vier bis fünf Stunden lang, aber nicht mit so hoher Intensität wie tags zuvor. Freitag ist komplett frei, ehe samstags mit Blick auf das nächste Rennen der Körper wieder in Schwung gebracht wird.

Gastbeitrag: Der Eifeler Radrennfahrer Johannes Fröhlinger über seine Anfänge als Profi, Entbehrungen und eine verpasste Abi-Fahrt

Für Valtey ist der Radsport auch eine Kopfsache: „Wenn das Wetter schlecht ist, muss man sich motivieren, trotzdem zu trainieren. Und im Rennen braucht man die Bereitschaft, sich zu quälen.“ Dazu zählt auch, sich an Ernährungs- und Trinkregeln zu halten.  „Im Schnitt sollte man alle 45 Minuten eine 0,6-Liter-Flasche geleert haben. Bei großer Hitze natürlich noch mehr“, sagt Valtey. Bei Nahrungsergänzungsmitteln besteht die Gefahr, in Konflikt mit den Anti-Doping-Regeln zu kommen. „Die meisten Hersteller haben ein Siegel, dass ihre Produkte mit der Kölner Liste, auf der Nahrungsergänzungsmittel auf Dopingsubstanzen getestet wurden, kompatibel sind“, sagt Valtey. Zudem nutzt er eine App der Anti-Doping-Agentur, die anzeigt, ob ein Wirkstoff in einem Medikament erlaubt ist. Rat holt sich der Saarburger zudem bei einem Arzt.

Auch Valtey unterliegt Doping-Kontrollen – und das nicht nur bei Siegen: „2014 wurde ich mal bei einer Rundfahrt in Katar ausgelost, obwohl ich nur 30. geworden war.“

Dass der Profiradsport in puncto Doping nicht aus den Schlagzeilen kommt, ist für Valtey enttäuschend. Doch das tangiert ihn nicht weiter: „Ich betreibe den Sport, weil er mir Spaß macht.“ Die Aussicht auf Reichtum treibt ihn jedenfalls nicht an. Es gibt Preisgelder, hoch sind sie aber bei den Rennen, bei denen der 23-Jährige startet, nicht. „Mein erstes Preisgeld betrug 150 Euro“, erinnert sich Valtey, dessen aktuelles Rennrad rund 2500 Euro gekostet hat.