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Tour de France: Der König der Königsetappen aus Erden an der Mosel

Radsport : Tour de France: Der König der Königsetappen kommt aus Erden an der Mosel

Herbert Weber aus Erden ist wieder mit seinem Wohnmobil „on Tour“ — mit fast 78 Jahren.

Wenn es bei der Tour de France rauf auf die höchsten Gipfel und runter in die waghalsigsten Abfahrten geht, dann spricht man im Allgemeinen von Königsetappen. Das sind diejenigen Tagesabschnitte, auf denen sich die Top-Favoriten duellieren, bei denen oft auch die (vor)entscheidenden Sekunden im Kampf um den Gesamtsieg der dreiwöchigen Rundfahrt herausgefahren werden. Die Namen der Riesen, die dabei bei Gluthitze bezwungen werden müssen, sind in Stein gemeißelt. Zehntausende stehen dann an den Aufstiegen, spüren – Aug‘ in Aug‘ – den heißen Atem der Radfahrer, die sich hinaufquälen.

Am Donnerstag, wenn in Frankreich der „quatorze juillet“ (14. Juli), der Nationalfeiertag, festlich zelebriert wird, ist das Ziel oben in L’Alpe d’Huez. Gemeinsam mit Galibier, Mont Ventoux und Tourmalet so etwas wie das „Quartett der Superlative“ der Tour. Dieses Panorama und das Spektakel an „la fête nationale“ lässt sich Herbert Weber aus Erden an der Mosel nicht entgehen. Seit vielen Jahren ist der Mann, der einst zu Hause einen Radsportclub gegründet hatte, der mittlerweile nur noch aus ihm selbst besteht, mit seinem rollenden Eigenheim unterwegs.

Das Fahrzeug mit dem WIL-Kennzeichen und der großflächigen Aufschrift „Herbert on Tour“ gehört inzwischen fast schon zum Inventar der Frankreich-Rundfahrt. Der auf dem Chassis aufgetragene Verlauf der Mosel, die Strecke der Tour-Etappen und der Hinweis auf den guten Wein zu Hause in seinem Heimatort machen Herberts Automobil zu etwas ganz Besonderem. Etwas mit Alleinstellungsmerkmal.

Seit vergangener Woche ist er wieder unterwegs und die Geschichte, die er uns via WhatsApp geschickt hat, ist schier unglaublich. „Hallo, wo bist Du mittlerweile? Viele Grüße von Kurve 20.“ Nr. 20, das ist die vorletzte von 21 Kehren auf der steilen „Rampe“ von Bourg d‘Oisans rauf nach „Huez“, wie die Einheimischen den Gipfel kurzerhand nennen. Und dann erzählt er: „Rolf und sein Sohn Luke und Jan aus Freiburg, die ich schon seit Jahren kenne, sind auch hier. Die Stimmung ist prima.“

Dafür, dass die gute Stimmung auch abends unter dem herrlichen Zeltdach aus Sternen, wenn sich die Sonne hinter den Gipfeln der „haute savoie“ verabschiedet, nicht leidet, hat der Radsport-Freund von der Mosel vorgesorgt. „Für heute Abend hab ich ein paar Flaschen in einem Gebirgsbach kaltgestellt“, verrät er uns. Um dann hinzuzufügen: „Ich fühle mich hier auch als Weinbotschafter von der Mosel.“ Und natürlich als Botschafter seiner Heimatgemeinde Erden.

Und wie vertreibt man sich die Zeit so, wenn man schon drei Tage vorher oben kurz vor dem Ziel steht, um einen möglichst guten Platz zu haben, wenn die Fahrer und der gesamte Tour-Tross kommen? In die Sonne legen und den Tag genießen? Bewahre! Zur elften Etappe, also zum 2643 Meter hohen Col Du Galibier, ist er mit dem Fahrrad gefahren. Von Kurve 20 aus. Und so ganz nebenbei hat er auch noch erzählt: „Heute bin ich noch mal mit dem Rad rauf nach Huez“ gefahren.“ „Noch mal?“ „Ja, noch mal“. Also mehr als einmal. Na gut.

Ende Juli will er wieder mit seinem Tourmobil zu Hause sein. Vorher geht es noch runter an die Ardèche bis nach Carcassonne. Und zum Schluss noch vier Tage nach Chémery. Zu seinen Freunden aus der Erdener Partnergemeinde. „Urlaub machen“ nennt er das. Zu Hause angekommen, wird das Wohnmobil inspiziert und schon mal instand gesetzt für nächstes Jahr.

Bevor es soweit ist, darf der „König der Königsetappen“ erst mal auf seinen Geburtstag anstoßen. Im August wird er 78. Und ganz bestimmt wird er auch wieder nach Huez fahren. Noch mal. Und noch mal …

(jüb)