Tour de France: Freie Fahrt für die Superreichen?

Radsport : Freie Fahrt für die Superreichen?

Was der Franzose David Lappartient als UCI-Präsident vor zwei Jahren schon einführen wollte, steht jetzt wieder im Raum: eine Obergrenze für die WorldTour-Teams.

Eigene Duschen, eine komplett eingerichtete Küche, eigene  komfortable Sitze, ein großer Bildschirm für Video-Analysen und ganz hinten eingebaute  Duschen und Liegeplätze zum Relaxen. Eine halbe Million Euro kostet so eine mobile Komfortzone für die dreieinhalb anstrengendsten Wochen im Jahr eines Radprofis.

So wie im Tour-Bus von Team Sunweb sieht es in  den rollenden Behausungen der Equipen bei dieser Frankreich-Rundfahrt  in der Regel aus. Komfortabel und viel Pomp. Und doch gibt es große Unterschiede im finanziellen Gefüge der 22 Mannschaften, die am 6. Juli in Brüssel aufgebrochen sind. So viel, dass mal wieder die Rede davon ist, eine „Deckelung“ der Budgets, also eine finanzielle Obergröße, für alle einzuführen.

Befürworter und Gegner halten sich die Waage. Jeweils aus verständlichen Gründen. Der Weltradsport-Verband, die UCI, verfolgt das selbst initiierte Projekt derzeit aus der Distanz. Und auch bei Tour-Direktor Christian Prudhomme oder Veranstalter  Amaury Sports Organisation (A.S.O.)  lässt man sich alle Optionen offen.

Die meisten Teams haben es gar nicht gerne, wenn man um ihre rollenden Trutzburgen herumschnüffelt. Das war schon zu  Lance-Armstrong-Zeiten so, als US Postal seine abgedunkelten Luxus-Herbergen von eigener Security bewachen ließ. Das war auch bei Team Sky, das die Tour in den vergangenen Jahren mit Wiggins, Froome und Thomas dominierte, nicht anders. Kein Wunder, dass auch beim Nachfolger-Team Ineos ein freundliches, aber bestimmtes „No“ ertönt, wenn man sich die rollende Nobel-Herberge näher ansehen möchte.

Als der Franzose David Lappartient vor zwei Jahren zum neuen UCI-Präsidenten gewählt wurde, sprach er sich für eine Budget-Obergrenze bei WorldTour Teams aus.  Weniger um die Gehälter, eher um die Gesamtbudgetierung ginge es ihm, sagte der neue Mann an der Spitze des Welt-Radsportverbandes damals.

Mehr  Chancengleichheit innerhalb der ersten Liga des Radsports sei das Ziel. Zwar dürfe man  den Fahrern so viel zahlen, wie man will,  habe dann aber umso  weniger Kapital für das weitere Equipment.

Im vergangenen Jahr betrug  laut UCI das Gesamtbudget der WorldTour-Teams im Schnitt etwa 18 Millionen Euro. Schon damals soll aber Team Sky über mehr als 34 Millionen Euro Budget verfügt haben.

Tour Racing Limited, die Betreibergesellschaft des Sky-Rennstalls von David Brailsford, hatte im Jahr 2016 eine Summe von rund 35 Millionen Pfund (etwa 35 Millionen Euro) angegeben. Brailsford hat auch in diesem Jahr inmitten des riesigen Ineos-Fuhrparks ein eigenes Zuhause.

Da die Alimentierung einer Radsport-Equipe etwas anders läuft als etwa im Profi-Fußball, sind auch die Meinungen über eine eventuelle Obergrenze bei den Teamchefs gespalten. Während Ineos sich dank eines Groß-Investors finanziell nach oben absetzen kann, und das kasachische Team Astana den eigenen Staatsapparat hinter sich weiß, findet man dort keine Freunde eines solchen Ansinnens.

Bei den übrigen Mannschaften, die sich aus einer Summe von Gönnern und Sponsoren erfinden, sieht das anders aus. Und die A.S.O: und mit ihr Tour-Direktor Christian Prudhomme? Der Veranstalter verteilt pro  Jahr knapp  zweieinhalb Millionen  Euro an Preisgeldern, steckt aber Profite von über 40 Millionen Euro ein. Kein Wunder, dass die Teams da mehr vom Kuchen abhaben möchten.

Setzt man dann noch die kolportierten Summen in Form von Ablöse und Gehältern der Herren Ronaldo, Messi oder Neymar dagegen, macht sich der Radsport fast schon wieder bescheiden aus.

Aber Fußball ist halt alle Tage und Tour de France  nur einmal für drei Wochen im Jahr. Und Monsieur Prudhomme darf halt nur 20 Mal aus seinem stolzen aufgemotzten Skoda sein Fähnlein für den „scharfen Start“ schwenken.

Für – frei nach einem Lundberg-Bestseller – die Reichen und die Superreichen. Und die lassen sich nun mal nicht gerne deckeln.

Nicht nur im Radsport.

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