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13 WM-Medaillen als Erleichterung

13 WM-Medaillen als Erleichterung

Olympia in Rio de Janeiro 2016 scheint noch weit weg. Doch für die Ruderer beginnt am Wochenende mit dem Kadertest in Dortmund die Qualifikationsphase. Die Brüder Jost und Matthias Schömann-Finck aus Zeltingen-Rachtig wollen noch einmal beim weltgrößten Sportfest dabei sein.

Zeltingen-Rachtig. Unterschiedlicher hätten die beiden Ruder-Brüder Jost und Matthias Schömann das vergangene Jahr kaum verbringen können. WM-Silber für den einen, schwerer Unfall beim anderen. Jetzt haben beide ein klares Ziel. Die Moselaner sprachen mit Volksfreund-Mitarbeiter Holger Teusch über die vergangenen Monate und Rio 2016.Vizeweltmeistertitel für Jost und der Wiedereinstieg von Matthias nach dem schweren Mountainbike-Unfall. Ist die Bilanz der Schömann-Finck-Brüder so geteilt wie die Erfolge 2014?Jost Schömann-Finck: Naja, meine Bilanz fällt nicht so wirklich positiv aus. Silber bei der WM gewinnt man zwar nicht jeden Tag, aber insgeheim habe ich schon Richtung olympischen Leichtgewichts-Doppelzweier geschielt. Aber Erkrankungen zu äußerst ungünstigen Zeitpunkten kamen in die Quere. Silber im leichten Doppelvierer war dann ein versöhnlicher Abschluss.Matthias Schömann-Finck: Bei mir liegt der Erfolg auf anderer Ebene: Nach dem langwierig verheilenden Beinbruch 2013 wieder ins Boot und ins Leistungstraining einsteigen zu können und dann gleich persönlichen Bestwert auf dem Ergometer fahren und Silber beim Weltcup in Luzern zu gewinnen, das macht einen stark und stolz.Der Zweier Jost und Matthias Schömann-Finck soll sich für den olympischen Leichtgewichts-Vierer empfehlen, aber sie leben und arbeiten 150 Kilometer voneinander entfernt in Mainz und Saarbrücken. Kann das funktionieren?Matthias: Die Distanz ist kein Hindernis: Mit meinem Arbeitgeber, der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, habe ich eine tolle Abmachung: Ich habe nur noch Montag und Dienstag als Präsenztage. Den Rest der Woche kann ich meine Arbeit von wo aus auch immer erledigen.Jost: Von daher ist es gegeben, dass wir viel zusammen trainieren können. Unser Trainer Robert Sens legt aber auch gar nicht so viel Wert darauf, dass wir jede Einheit zusammen rudern. Wir trainieren sehr individuell.Sie sind mit über 30 Jahren die ältesten in der Ruder-Nationalmannschaft. Bedenken?Matthias: Wir sind beide 2014 Bestwert auf dem Ergometer gefahren. Das gilt als Gradmesser für die physische Leistungsfähigkeit. Dazu kommt unser enormer Erfahrungsschatz. Die 13 WM-Medaillen, die wir beide bereits in der gemeinsamen Schatulle liegen haben, sind auch eher eine Erleichterung. Alles, was nun kommt, ist das Sahnehäubchen.Jost: Mit 32 und 35 gehören wir international noch nicht zu den ältesten. Der älteste Medaillen-Gewinner in London im Leichtgewichts-Vierer war 40 Jahre alt!Wie soll das Unternehmen Rio 2016 finanziert werden?Jost: Trotz dreier WM-Goldmedaillen lebe ich von der Hand in den Mund. Mein Arbeitgeber, die Ruderwerkstatt in Wetzlar, hält mir aber insofern den Rücken frei, indem er mir versichert, dass ich nach meiner Karriere eine volle Anstellung in meinem erlernten Beruf als Bootsbauer bekomme.Matthias: Was uns fehlt, sind Sponsoren, mit deren Hilfe wir die Sache noch konsequenter angehen könnten und die eine oder andere Investition beispielsweise ins Material tätigen könnten. teu