1. Sport
  2. Sportmix
  3. Regional

42 Kilometer mit sieben Mandarinen

42 Kilometer mit sieben Mandarinen

Frauen, die in islamisch geprägten Ländern Sport treiben? Alwine Staudt aus Thalfang hatte kein Problem, im gewohnten Laufdress den Marathon im marokkanischen Marrakesch zu bestreiten. Die 56-Jährige schwärmt von der Gastfreundschaft.

Marrakesch/Thalfang. Ob sie mit Kopftuch laufen musste? Alwine Staudt lacht: "Nein, ich hatte ganz normal eine kurze Hose und ein T-Shirt an. Aber ich war froh, dass ich Mütze und Sonnenbrille auf hatte." Nicht irgendwelche religiöse Kleidungsvorschriften in dem nordafrikanischen Land, in dem der Islam Staatsreligion ist, sondern wie überall auf der Welt bestimmte das Wetter, was Alwine Staudt beim Marathon in Marrakesch anzog.
"Beim Start um acht Uhr waren es sieben Grad. Im Laufe des Tages wurden es 25", erzählt die 56-Jährige aus Thalfang. Die Wärme war nach den Trainingswochen im winterlichen Hunsrück ungewohnt. Aber trotzdem beendete Staudt ihr 16. Rennen über 42,195 Kilometer in 4:03:49 Stunden problemlos.
Überrascht wurde sie aber von der spärlichen Art der Verpflegung. "Links und rechts standen 20 Leute mit Mandarinen und Wasserflaschen", erzählt Alwine Staudt von freundlichen Helfern, die alle fünf Kilometer eine Erfrischung reichten. Doch außer Obst und purem Wasser gab es nichts. "Das habe ich nach 20, 25 Kilometern schon gemerkt." Sieben Mandarinen habe sie gegessen, hätte sich aber einen Energieriegel oder Ähnliches gewünscht. Aber in Afrika seien die Läufer es wohl nicht anders gewohnt. Auch wenn sie im gewohnten Sportdress laufen konnte, als Frau gehörte Alwine Staudt beim Marrakesch-Marathon zur Minderheit.
Nur 50 der rund 1000 Teilnehmer über 42,195 Kilometer waren weiblich. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Frauenanteil etwa bei einem Drittel. Vorteil: "Ich habe ganz viel Applaus bekommen." Von der Gastfreundschaft der Marokkaner ist Alwine Staudt begeistert. Die Reise nach Nordafrika war zwar geplant, aber darauf, Marathon zu laufen, brachte sie erst der in Deutschland lebende Marokkaner Brahim Chalgoum. Beim Trierer Silvesterlauf habe sie ihm von ihren Reiseplänen berichtet. "Brahim hat mich zum Marathon inspiriert", sagt Alwine Staudt. Vier Wochen spezielles Training mit zwei langen Läufen mussten reichten. Über seinen in Marrakesch lebenden Bruder stellte der ehemalige Spitzenläufer sicher, dass die Thalfangerin trotz kurzfristiger Anreise noch an ihre Startnummer kam. teu