Äthiopischer Doppelsieg und fliegende Ohren

Äthiopischer Doppelsieg und fliegende Ohren

Äthiopischer Doppelsieg beim 22. Trierer Silvesterlauf: Almensh Belete und Mosinet Girmet gewannen die Topläufe in Triers "guter Stube" vor rund 10 000 Fans. Aber auch einige Deutsche und "local heroes" wurden bejubelt.

Trier. Almensh Belete war schnell, verdammt schnell. Erst distanzierte die Äthiopierin im Sparkassen-Elite-Lauf der Frauen die deutschen "jungen Wilden" klar über fünf Kilometer, dann hatte sie es so eilig, ins Athletenhotel zu kommen, dass sie bei der Siegerehrung fehlte. So standen nur zwei Deutsche auf dem Podium: Die 1500-Meter-Meisterin Corinna Harrer, die in 16:04 Minuten neun Sekunden hinter Belete ins Ziel kam, sowie Diana Sujew, die das Zwillingsduell gegen ihre Schwester Elina (Achte) genauso gewann wie die Fünftplatzierte Anna Hahner gegen ihre Schwester Lisa (Siebte). "Nein, wir führen keine Strichliste, wer wen schlägt", sagte Anna nach dem "verdammt schnellen" Lauf: "Nach Rang zwei im Vorjahr wollten wir beide aufs Podest, aber das haben wir verpasst. Also haben wir auch schon ein Ziel für den Silvesterlauf 2012."
"Gigantische Zuschauer"


Rundum zufrieden war hingegen Yvonne Jungblut. Auf Rang 16 wurde die Spiridon-Hochwald-Läuferin, die an Silvester immer für die Sparkasse Trier startet, in 18:25 Minuten beste Teilnehmerin aus dem Bezirk Trier, einen Rang, aber 13 Sekunden vor Judith Olinger (PST Trier) und eine weitere Sekunde vor Tina Marxen (LG Vulkaneifel). "Judith war die ganze Zeit hinter mir, aber irgendwann habe ich gemerkt, dass der Abstand größer wurde", sagte Jungblut. Wie alle Teilnehmer lobte sie nicht nur die "tollen Bedingungen", sondern auch das "gigantische Publikum. Für die Fans hat es sich gelohnt, dass ich mich speziell vorbereitet hatte."
Diesem Lob schloss sich auch Mark Kowalinski an. "Ein genialer Jahresabschluss. Damit hatte ich nach der verkorksten Saison nicht gerechnet." An der Seite seines PST-Vereinskameraden Florian Neuschwander jagte "Kowa" durch das Feld beim Bitburger-Lauf der Asse über acht Kilometer. Umso erstaunlicher, denn "Flo" wollte eigentlich erst gar nicht starten - weil er nach einem Ultralauf zu platt war. "Wir haben uns beide motiviert, drei Runden vor Schluss habe ich mich dann absetzen können", sagte Kowalinski, der nach acht Kilometern in 24:30 Minuten als 20. ins Ziel stürmte, frenetisch gefeiert von seinen Fans. Acht Sekunden später war dann auch für Neuschwander sein letzter Lauftag des Jahres als 22. in einem sehr schnellen Feld vorbei.
Da hatten die Sieger die Zielzone schon verlassen - mit einer Ausnahme: Arne Gabius. Noch lange musste der ausgepumpte Tübinger Interviews geben. Denn bis Kilometer sieben lag der erste deutsche Sieg im Asse-Lauf seit 1996 in der Luft. Doch dann kam der fünffache deutsche Meister über 5000 Meter zur Erkenntnis, dass "die Jungs da verdammt schnell laufen können".
Die "Jungs da" waren vier Äthiopier, die am Ende den Sieg unter sich ausmachten. Die Nase vorne im Konfettiregen auf dem Trierer Hauptmarkt hatte schließlich die Startnummer 1: Beim ersten Start überhaupt in Trier gewann Mosinet Girmet in 22:36 Minuten im Schlussspurt vor seinen Landsleuten Bane Tola (22:38,6), Yigrem Demelash (22:38,8) und Taya Damte Kuashu (22:42). Bester Nicht-Äthiopier und einziger Europäer unter den ersten Acht war der Vorjahreszweite Gabius, der auch Minuten nach dem Zieleinlauf noch schwärmte: "Die Zuschauer sind einfach gigantisch. Immer wieder haben sie meinen Namen gerufen, das war Extra-Motivation, um an den Afrikanern dranzubleiben. Manchmal habe ich gedacht, mir fliegen die Ohren weg."
Und viele, die den Stars zujubelten, schnürten später selbst die Laufschuhe beim Lotto-Volkslauf der Frauen oder Natus-Volkslauf der Männer. Den Männer-Lauf über acht Kilometer gewann Yassir Laqrachli (LG Eintracht Frankfurt) in 27:08 Minuten, schnellster regionaler Starter war der Trierer Kanu-Nationalfahrer Peter Schumacher in 28:32. Bei den Frauen (fünf Kilometer) ging der Sieg an Silvie Müller vom ASC Darmstadt.
Das Wetter hielt, die fast 1500 Läufer und rund 10 000 Fans hatten Spaß, daher fiel das Fazit des Veranstalters auch positiv aus: "Heute hat alles gepasst", sagte Silvesterlauf-Chef Norbert Feder.

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