| 09:34 Uhr

Inline-Skaterhockey
Selbst ein Olympia-Held ist aktiv

Falk Elzner.
Falk Elzner. FOTO: privat / TV
Dorsel. Inline-Hockey und Inline-Skaterhockey: Es gibt zwei Varianten des Sports ohne Eisgrundlage. Über die Unterschiede klärt der in der Eifel lebende Ex-Eishockeyprofi Falk Elzner auf. Außerdem überrascht er mit einer Info  aus dem deutschen Ligenbetrieb. Von Mirko Blahak
Mirko Blahak

Falk Elzner ist weit herumgekommen. 13 Vereine stehen in der Vita des ehemaligen Eishockey-Spielers, der es als Profi bis in die zweite Liga geschafft hat. Im Herbst seiner Karriere wechselte der Mann aus Weißwasser den Untergrund. Als Inline-Skaterhockey-Akteur spielte er neun Jahre lang in der Bundesliga, zudem war er in der Inline-Hockey-Nationalmannschaft aktiv. Heute ist er hobbymäßig noch bei den „Lizards“ Bernkastel-Kues aktiv. Im TV-Interview wirft der 43-Jährige, der in der Eifel lebt, einen Blick aufs nationale und internationale Spielgeschehen.

Herr Elzner, wie wurden Sie Inline-Hockey-Nationalspieler?

Elzner: Es gab eine Ausschreibung via Facebook für die Ü-38-Weltmeisterschaft. Es wurden Spieler gesucht. Ich habe mich beworben, bin zum Probetraining gefahren und wurde genommen. Die WM wurde im vergangenen Jahr in Bozen ausgetragen.

Wir haben zunächst gegen Kanada, Frankreich und die Slowakei gespielt. Leider haben wir alle Partien verloren. Mit einem Sieg im abschließenden Spiel gegen Australien haben wir noch den zehnten Platz unter den zwölf Teilnehmerteams belegt. Mitgespielt haben für Deutschland mehrere ehemalige Eishockey-Profis. Weltmeister wurde Tschechien vor den USA und Italien.

Sie waren als Eishockey-Spieler Profi in der zweiten Liga, zwischenzeitlich waren Sie auch mal für den ESC Trier aktiv. Wie sind Sie zum Inline-Hockey gekommen?

Elzner: Als ich 2008/2009 in Braunlage Eishockey gespielt habe, war ein Bekannter Co-Trainer des Inline-Skaterhockey-Teams Highlander Lüdenscheid, das in die erste Liga aufgestiegen war. Der Verein suchte Spieler. So ist der Kontakt entstanden. In Lüdenscheid habe ich dann neun Jahre in der ersten Bundesliga gespielt, davon war ich acht Jahre Kapitän. Aus Altersgründen, und weil ich in die Eifel gezogen bin, habe ich dort dann aufgehört.

Es fallen immer wieder zwei Begriffe: Inline-Hockey und Inline-Skaterhockey. Wo ist der Unterschied?

Elzner: Beim Inline-Hockey wird mit einem Puck und ohne Körperkontakt gespielt. Beim Inline-Skaterhockey wird mit Ball und Vollkontakt gespielt. Es gibt zwei Verbände. Fürs Inline-Hockey, in dem ich bei der WM gespielt habe, ist es die IHD (Inline Hockey Deutschland). Und es gibt die ISHD, die fürs Inline-Skaterhockey zuständig ist. In dieser Variante habe ich in der Bundesliga gespielt. Beide Verbände können nicht so gut miteinander. Da geht es um Geld und Förderung vom Staat.

Wie professionell wird in der Bundesliga gespielt?

Elzner: Es wird immer professioneller. In der ISHD wurde zunächst auf Rollschuhen gespielt. Dann kamen die Inliner, und mit ihnen auch die Eishockey-Spieler. Sie waren zunächst verhasst, weil es hieß, sie würden den Skaterhockey-Sport kaputt machen. Inzwischen überwiegt aber die Überzeugung, dass sie den Sport bereichern. Bei den Crash Eagles Kaarst spielt mit Marcel Noebels einer der deutschen Eishockey-Olympia-Helden mit. Mittlerweile wird in den Ligen auch Geld bezahlt für die Spieler. Es gibt Physiotherapeuten und Ärzte in den Betreuerstäben.

Ist Inline-(Skater-)Hockey eine gute Sommer-Variante für Eishockey-Spieler?

Elzner: Ja, es ist ein gutes Sommertraining, da es vom Eishockey nicht so weit entfernt ist. Die Bewegungen sind die gleichen.

Wir groß sind die Schnittmengen?

Elzner: Sehr groß. Nach dem Eishockey-Coup der Deutschen bei Olympia soll jetzt auch die Zusammenarbeit mit der ISHD gestärkt werden, um die Jugendarbeit zu fördern. Doch es gibt Vorbehalte. Bei einigen Vereinen besteht die Angst, dass man sich gegenseitig den Nachwuchs wegnimmt. Von vielen Vereinen der Deutschen Eishockey-Liga wird es nicht gerne gesehen, wenn die Kinder Inline-Skaterhockey spielen.

Sie waren Abwehr-Recke im Eishockey. Gibt’s beim Inline-(Skater-)Hockey auch Spezialisten für verschiedene Positionen?

Elzner: Ja. Wir hatten in Lüdenscheid einen Tschechen als Stürmer. Es war Wahnsinn, was er mit dem Ball angestellt hat. Ich war mehr der Typ, der aus der Distanz getroffen hat. Es hieß immer: Mensch, hat der einen Laser.

Wie wichtig ist der Hallenboden?

Elzner: Sehr wichtig. Gespielt wird meist in Turnhallen. Die neuen Schläger haben einen sogenannten Flexpunkt. In der Ausholbewegung wird der Schläger vor einem Schuss wie ein Bogen gespannt. Wenn nun ein Boden viel Grip hat, funktioniert das nicht.

Es gibt inzwischen Hallen, die einen richtigen Inline-Court haben.

In Bernkastel-Kues werden Turnbänke zu Banden nebeneinander gestellt. Wie wichtig ist das Bandenspiel?

Elzner: In der ersten Bundesliga haben manche Vereine eine richtige Bande mit Plexiglas um das 50 mal 20 Meter große Spielfeld. In Turnhallen wird von der ISHD vorgeschrieben, dass die Ecken abgerundet sein müssen.

Wo sind weltweit Hochburgen?

Elzner: Inline-Skaterhockey hat in Deutschland und der Schweiz einen hohen Stellenwert. Auch in Dänemark und England. Beim Inline-Hockey ist es Tschechien. Auch in Spanien und Frankreich wird viel Inline-Hockey gespielt – auch in den USA und Kanada.

Wie sieht das Ligensystem in Deutschland aus?

Elzner: Es gibt eine eingleisige erste Bundesliga. Gespielt wird eine einfache Vorrunde, die ersten acht Teams bestreiten Playoffs. Darunter gibt es eine zweite Liga Süd und Nord. Die ersten beiden Mannschaften pro Staffel spielen nach einer einfachen Vorrunde über Kreuz in Halbfinals zwei Aufsteiger aus. Darunter kommen Regionalligen Mitte, Nord, Südwest und West, darunter dann drei Landesligen.

Interview: Mirko Blahak