Auf dem Rücken des Elsass

Knorrige Apfelbäume und verschlafene Dörfer inmitten einer hügeligen Landschaft - so präsentiert sich das Krumme Elsass. Die Region im nordwestlichen Elsass lädt mit gut ausgebauten Wegen zu entspannten Radtouren ein.

Saargemünd. "S' Krumme Elsass isch e verlorenes Eck - s'uff der Landkarte suche hatt keine Zweck." So schwer verortbar wie die elsässische Schriftstellerin Irène Oury einst schrieb, ist die nordwestliche Elsass-Region, die südlich von Saargemünd beginnt und einen Teil der Nordvogesen umfasst, heute nicht mehr. Seit dem Jahr 2000 wird das Krumme Elsass (Französisch: Alsace Bossue) touristisch erschlossen. Dass sich hinter der Region mit dem sonderbaren Namen ein Ziel für Ökotouristen verbirgt, ist jedoch weitgehend unbekannt.
Vorbei an Streuobstwiesen mit knorrigen Apfelbäumen, idyllischen Dörfern, über schattige Waldwege und entlang der beiden Flüsse Saar und Eichel - mit dem Fahrrad lässt sich das Krumme Elsass optimal erkunden. Das Radwegenetz umfasst insgesamt 236 Kilometer. Allein vom kleinen Yachthafen im Ort Harskirchen starten vier verschiedene Radwege. Die dabei mit 22 Kilometern längste Tour führt über das als Storchendorf bekannte Keskastel nach Schopperten, wo Charles und Lauriane Durant seit zwei Jahren die "Ferme du Vieux Poirier" betreiben. Ihr Biobauernhof mit 90 Schweinen steht symbolisch für die nachhaltige Landwirtschaft, die im Krummen Elsass von zahlreichen Bauern betrieben wird. Zwölf Monate lang und damit doppelt so lange wie in der konventionellen Schweinezucht ziehen die Durants ihre Tiere groß.
Zu Gast auf dem Bauernhof


Zweimal im Monat zeigt Charles Durant in Workshops, wie er das Fleisch direkt vor Ort zu Wurst verarbeitet und erklärt Besuchern das ambitionierte Konzept des Biobauernhofs: Er soll einmal ein Ökosystem bilden, das sich auf das Prinzip der Permakultur stützt. Alles, was auf dem Bauernhof produziert wird, soll also auf nachhaltige Weise wiederverwendet werden. 2000 Obstbäume, bis zu fünf Teiche zur Krebszucht, Bienenstöcke und eine Biosgaszentrale werden in den nächsten Jahren Einzug auf dem Biobauernhof finden. Preisgekrönt ist das Konzept bereits, vergangenes Jahr haben die Durants die Auszeichnung des Bauernhofs der Zukunft erhalten.
Rund elf Kilometer weiter östlich macht sich auch das Natur-Erlebniszentrum "La Grange aux Paysages" das Thema Nachhaltigkeit zu eigen. In der ehemaligen Scheune, in der auch das Fremdenverkehrsamt sitzt, erfahren Besucher, welche Bodenschätze und Tierarten das Krumme Elsass vereint. Darüber hinaus bietet das Zentrum Erlebniswanderungen an.
Weiter südlich streckt sich in 348 Metern Höhe das Wahrzeichen des Krummen Elsass in die Höhe: Der Kirchberg. Die strahlend weiße Kapelle, die auf seinem Rücken thront, stammt aus dem 12. Jahrhundert. Von Mai bis Oktober steht Ausflüglern der Zugang in das katholische Gotteshaus frei - eines der wenigen in der protestantisch geprägten Region.
Der dominierende Protestantismus erklärt auch, warum das Krumme Elsass nach der Französischen Revolution nicht Lothringen zugeordnet wurde. Letzteres war katholisch geprägt, sodass der französische Staat 1793 die Region dem ebenfalls protestantischen Elsass angliederte. Die "Beule" auf dem Rücken des Elsass, das "Alsace Bossue", war geboren.
Wer eine Erklärung für den deutschen Namen der Region sucht, muss sich nur unter die 500 Jahre alte Linde auf der Spitze des Kirchbergs stellen und den Blick schweifen lassen: Hügelig und krumm schnörkelt sich die naturbelassene Landschaft bis hin zu den Nordvogesen.Extra

Der Kirchberg ist das Wahrzeichen des Krummen Elsass. Die Kapelle kann bis Oktober besucht werden. Foto: Yvon Meyer-Otab.

Im Krummen Elsass finden über den Sommer zahlreiche Feste statt. Darunter sind die "Soirées Musiques, Contes et Légendes d'Alsace" vom 28. Juli bis 4. August in Hinsbourg, die "Fête de l'oignon" am 6. und 7. August in Oermingen und das Kneppelfescht am 28. August in Waldhambach. koj tourisme.alsace- bossue.net tourisme-alsace.com

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