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Aufs Treppchen wollen sie alle

Seit Monaten trainieren die Sportler der VFL-Abteilung „Karate für Menschen mit Behinderung“ für die Deutsche Meisterschaft. Mit im Bild die Übungsleiter Jörg Baumgarten und Markus Pieper (vorne von links), DRK-Betreuer Peter Elz (hintere Reihe, Dritte von rechts) und Heilpädagogin Gabi Heindl (Mitte, Zweite von rechts). TV-Foto: Ursula Schmieder
Seit Monaten trainieren die Sportler der VFL-Abteilung „Karate für Menschen mit Behinderung“ für die Deutsche Meisterschaft. Mit im Bild die Übungsleiter Jörg Baumgarten und Markus Pieper (vorne von links), DRK-Betreuer Peter Elz (hintere Reihe, Dritte von rechts) und Heilpädagogin Gabi Heindl (Mitte, Zweite von rechts). TV-Foto: Ursula Schmieder
Traben-Trarbach. Für acht Karateschüler des VfL-Traben-Trarbach dreht sich derzeit alles um den 17. März. An diesem Tag treten sie in Erfurt bei den "Deutschen Meisterschaften für Menschen mit Behinderung" an. Ursula Schmieder

Traben-Trarbach. Motiviert und eisern trainieren sie mehrmals die Woche, die Karate-Wettkampfsportler des VfL-Traben-Trarbach. Was sie anspornt, ist das gemeinsame Ziel, sich bei den "Deutschen Meisterschaften für Menschen mit Behinderung" in Erfurt einen Platz auf dem Siegertreppchen zu sichern. Übungsleiter Jörg Baumgarten rechnet sich reale Chancen für seine Schützlinge aus: "Ich hab\' ein gutes Gefühl", versichert er. Bei den Meisterschaftsteilnehmern selbst macht sich hingegen allmählich Nervosität breit. Die Träger von gelben oder orange/grünen Gürteln seien aufgeregt und fieberten dem Turnier entgegen, weiß Baumgarten.
Dennoch sehen die Sportler dem Termin zuversichtlich entgegen, macht Thomas Mildenberger (33) klar. Schließlich trainierten sie viel, pflichtet Annemarie Becker (51) bei, die zusätzlich zu den zweimaligen wöchentlichen Terminen auch zu Hause einiges tut. Die Stimmung im Team sei gut, freut sie sich auf die gemeinsame Tour: "Hauptsache, ich bin dabei." Das Training bringe schon viel Stress mit sich, räumt Kollegin Nina Fell (22) ein, die auch für weitere Disziplinen wie Halbmarathon trainiert. Umso willkommener sind positive Reaktionen aus dem Umfeld. Verwandte, Freunde und Kollegen hätten anfangs gar nicht glauben wollen, dass er an der DM teilnehme, erzählt Matthias Bernahrndt (29).
Verein fördert Behinderte



Einige Sportler wollen sich daher nicht damit begnügen, dabei zu sein, sondern sehen Erfurt mit konkreten Erwar tungen entgegen. So wollen Tom Schary (23) und Günter Regneri (45) es schon "aufs Treppchen" schaffen. Im Grunde wolle das ja jeder von ihnen, ist Uwe Fuchs (36) überzeugt. Der passionierte Karateschüler hatte Freunde und Bekannte nicht erst überzeugen müssen von seiner DM-Teilnahme: "Sie haben es mir sofort abgekauft und sind stolz auf mich."
Auch Dirk Sommerland (45) trainiert mit konkreten Vorstellungen und vertraut auf die eigene Motivation: "Ich habe mir ein hohes Ziel gesetzt - aber ob ich es erreiche, weiß ich halt nicht." Seine eigentliche Passion hatte der Marathonläufer wegen Knieproblemen aufgeben müssen.
Dass sie dabei sein werden bei der DM, bei der sie dem Grad ihrer Beeinträchtigung entsprechend in drei Klassen antreten, ist dem Traditionsverein VfL Traben-Trarbach zu danken. Der Breitensportverein bietet seinen rund 1000 Mitgliedern nicht nur seit 17 Jahren eine Karategruppe, sondern auch "Karate für Menschen mit Behinderung" (der TV berichtete). In der von Jörg Baumgarten, einem von fünf Schwarzgurt-Trägern des zehnköpfigen Trainerteams, betreuten Gruppe haben sich Menschen mit verschiedensten Beeinträchtigungen zusammen gefunden. Dass die noch junge Gruppe seit Monaten derart ehrgeizig trainiert, erfüllt nicht nur ihn mit Stolz. Auch Peter Elz, Betreuer des DRK-Sozialwerks Bernkastel-Wittlich, das die Karatesportler fährt, und Heilpädagogin Gabi Heindl, wissen, was die DM-Vorbereitung jedem Einzelnen abverlangt.