Bayers bitterste Pille

Wie soll Leverkusen im Abstiegskampf bestehen? Die Beteiligten liefern keine Antworten.

Leverkusen (dpa) Dem erfolglosesten Trainer der Vereinshistorie wird der Abstiegskampf anvertraut. Stattdessen drohen nun den Spielern von Bayer Leverkusen Konsequenzen. Sportchef Rudi Völler sprach nach dem 1:4 (0:3)-Debakel gegen Schalke 04 trotz eines Fan-Aufstands Tayfun Korkut eine Jobgarantie bis zum Saisonende aus. Dafür kündigte der Weltmeister von 1990 an, nun "die Spieler herauszufiltern, die diesem Druck gewachsen sind".
"Nach der Saison wird es eine knallharte Analyse geben, dann werden die Ärmel hochgekrempelt und es geht weiter", sagte der 57-Jährige dem Kölner Stadt-Anzeiger. Dann müsse man sich der Kritik stellen: "Auch ich selbst. Die Kritik werde ich akzeptieren, die muss ich akzeptieren." An einen Abstieg glaubt Völler nicht: "Ich bin zunächst einmal fest überzeugt davon, dass wir drin bleiben."
Als die Fans nach dem bisherigen Tiefpunkt der "verfluchten Saison" (Völler) bis um Mitternacht die Ausfahrt belagerten und auf eine Aussprache drängten, entspannten ausgerechnet Stefan Kießling, Lars Bender und Ömer Toprak die Situation. Doch im Kampf gegen den Sturz in die 2. Liga werden sie kaum vorangehen können: Kießling ist wegen körperlicher Beschwerden längst nicht bei 100 Prozent, Bender fehlt seit Wochen, Toprak erlitt gegen Schalke einen Bänderteilanriss im linken Sprunggelenk.
Also müssen andere Verantwortung übernehmen. Doch wer? Der von Bayern München umworbene Julian Brandt ist mit fataler Körpersprache seit Wochen eher ein Sinnbild des Absturzes. Der letztjährige Torjäger Chicharito saß am Freitag 90 Minuten auf der Bank. Und auch die anderen wirken höchst verunsichert, aus der zweiten Reihe drängt sich kaum jemand auf. "Die Mannschaft hat keine Erfahrung im Abstiegskampf", sagte Korkut.
Doch ganz offensichtlich erreicht der 43-Jährige sie auch nicht. Wie die Spieler über den Trainer denken, der in seiner persönlichen Bilanz nun einen Sieg aus den letzten 21 Bundesliga-Spielen stehen hat, lässt ein Interview des gesperrten Hakan Calhanoglu erahnen. Der bezeichnete in der Sport Bild den Rauswurf von Roger Schmidt Anfang März als unverständlich und betonte: "Damals hatten wir fünf Punkte Rückstand auf die Europa-League-Plätze und mit Abstiegskampf noch nichts zu tun."
In welchem Ausmaß Korkut das Problem ist, lässt sich aktuell nicht seriös beantworten. Klar scheint: Er ist auch nicht die Lösung. Wie Bayer den drohenden Abstieg vermeiden will — außer zu hoffen, dass die bisherigen 36 Punkte reichen: Diese Erklärung blieben alle Beteiligten am Ende schuldig.