Bergab auf dem Weg nach oben

Trier/Wasserliesch · Der Weg nach oben ist brutal - aber nach unten geht\'s lockerleicht? Das mag im Radsport meistens stimmen. Beim Downhill ist das Gegenteil der Fall. Daniel Ludwig aus Wasserliesch hat die vielleicht schwerste Berg-Abfahrt hinter sich gebracht - beim Weltcup im italienischen Alpen-Ort Val di Sole.

Trier/Wasserliesch. Das Adrenalin feuert, jeder Muskel ist in Alarmbereitschaft, volle Konzentration auf dem Weg nach unten. Schließlich kann hier jeder Fehler höllisch weh tun. Daniel Ludwig kennt sich mit dem Temporitt nach unten aus. Seit vier Jahren konzentriert sich der 19-Jährige aus Wasserliesch (Kreis Trier-Saarburg) aufs Downhill, eine Disziplin auf dem Mountain-Bike (siehe Hintergrund). In drei Wochen startet er bei den Deutschen Meisterschaften in Bad Wildbad. "Da will ich unter die ersten Fünf", kündigt er an. Die Strecke im Schwarzwald gilt zwar als eine der anspruchsvollsten in Deutschland. Aber im Vergleich zu Daniel Ludwigs aktuellen Erfahrungen dürfte sie fast entspannt werden, die DM. Die Alpen-Erfahrungen schwingen beim angehenden Fahrrad-Mechaniker noch nach, der Trip zum Weltcup ins italienische Val di Sole. "Das war eine tolle Erfahrung. Die komplette Welt-Elite am Start. Und die Strecke ist die vielleicht härteste der Welt", sagt Ludwig, der für das Team Cube Young Guns fährt. Ins Finale schaffte er es nicht. Auch, weil ihn ein Felsblock ausgebremst hatte. "Aber ich habe sehr viel gelernt. Und die internationale Konkurrenz ist sehr stark." Daniel Ludwig ist Mitglied im Trierer Verein Fahrvergnügen, der vor einigen Jahren eine rund ein Kilometer lange Downhill-Strecke im Weißhauswald errichtete. "Bei Daniel hat man schnell gesehen, dass er ein sehr großes Talent ist", sagt Sebastian Glatt, Gründungs- und Vorstandsmitglied des Vereins. Der 29-Jährige kennt sich in der Szene bestens aus. Nach seinem Maschinenbau-Studium machte er sich in Trier mit einer Rad-Werkstatt selbstständig, die sich nur auf Dämpfung und Federgabeln spezialisiert hat. Das sind wesentliche Komponenten bei den Profi-Downhill-Rädern. Die können schnell 5000 Euro und mehr kosten. Aber für die Straße sind sie wegen des hohen Gewichts und fehlender kleiner Gänge alles andere als komfortabel. Perfekte Kontrolle übers Rad, höchste Konzentration und Koordination, Kraft, um die Stöße wegzustecken - das braucht man auf dem steinigen Weg nach unten. Und Respekt vor der Strecke. Aber auf keinen Fall Angst, kein Verkrampfen, sonst wird es gefährlich. "Man muss sich die Strecke beim Abgehen ganz genau einprägen", sagt Ludwig. "Aber das Wichtigste ist, dass man Spaß beim Fahren hat - mit breitem Grinsen vom Start bis zum Ziel." Doch wer sich mit Tempo 60 oder 70 auf den Weg nach unten macht, lebt schon gefährlich, oder? Daniel Ludwig hat sich noch nie ernsthaft verletzt. "Ich habe mir mal den kleinen Finger verstaucht", sagt er. Glatt verdankt seine grüne Manschette an der linken Hand (Kahnbeinbruch) aber einem Sturz. "Das war das erste Mal", sagt er: "Beim Fußball passiert sicher mehr."Infos im Internet: www.fahrvergnü;gen.net Extra

Downhill: So schnell wie möglich auf dem Mountain-Bike den Berg runterkommen, über natürliche Hindernisse, Stock und Stein - darauf kommt es beim Downhill an: Dabei werden schon mal Geschwindigkeiten von 70 km/h und mehr gemessen. Neben ausgesprochen hoher Konzentration sind körperliche Fitness und Kraft ein Muss für ambitionierte Fahrer. Die Downhill-Räder sind schwerer und besser gefedert als Standard-Mountain-Bikes, haben auch keine "leichten" Gänge und sind dadurch wenig geeignet für den Alltag. "Downhill" ist im Englischen auch die Bezeichnung für die Abfahrt im Ski alpin. Zudem ist Downhill auch eine Skateboard-Disziplin. AF

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