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Bowling entstand Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika als Variante des Kegelns. Wie’s geht – und wie nicht, zeigt ein Selbstversuch.

Spochtipedia: Bowling : Von 0 auf 113 in 20 Minuten (mit Video)

Bowling entstand Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika als Variante des Kegelns. Wie’s geht – und wie nicht, zeigt ein Selbstversuch.

Am Anfang steht ein fester Händedruck. Für Richard Griesinger ist das mehr als eine Höflichkeitsgeste, um Hallo zu sagen. Er testet damit gleichzeitig, ob ich eher zart oder stark besaitet bin. Ein Indiz, welches Ballgewicht für mich am besten in Frage kommt. Ich bin zu Besuch im Bowling-Center in der Jüdemer Straße in Trier. Letztmals habe ich vor gefühlt 20 Jahren die weißen Pins ins Visier genommen. Ob noch ein bisschen Können vorhanden ist?

Zwei Experten auf dem Gebiet des Bowlings sind Dirk Thörnich und Richard Griesinger (von links). Foto: TV/Mirko Blahak

                              

Bowling - so klappt’s mit dem Anlauf

Griesinger ist ein Ur-Trierer, 59 Jahre alt. Für den lizenzierten Trainer ist Bowling die „Kunst, die Bahn und sich zu beherrschen“. Ein Präzisionssport, bei dem es darum geht, mit einem durchaus schweren Ball die in rund 19 Meter Entfernung stehenden zehn Pins mit möglichst nur einem Wurf abzuräumen.

Bei meinen zehn Würfen kamen 113 Punkte zusammen, das Bild zeigt die Anzeigetafel vor meinem letzten Wurf. Foto: TV/Mirko Blahak

Ich darf mein Unwesen auf der äußersten Bahn treiben. Da störe ich am wenigsten. An diesem Abend ist Spieltag der sogenannten Trier-Liga – organisiert vom Bowlingverein (BV) Trier und dem Bowling-Center. Dreier-Teams spielen zwischen September und April gegeneinander, um den Stadtmeister zu ermitteln.

17 aktive und 13 inaktive Mitglieder zählt der 1982 gegründete BV Trier. „In der Region hat das Kegeln eine größere Tradition“, sagt BV-Gründungsmitglied Griesinger, der mit kurzer Unterbrechung dem Verein seit Beginn vorsteht. Wer Bowling ambitioniert betreiben will, müsse tiefer in die Tasche greifen als beim Kegeln. Bowlingschuhe für Einsteiger kosten 50 bis 60 Euro, für Fortgeschrittene würden 220 bis 250 Euro anfallen. Die Preise für Bälle lägen im Schnitt zwischen 100 und 270 Euro. Griesinger: „Freizeit- und Hobbyspieler an einen Verein zu binden, ist schwierig. Dabei ist Bowling aus meiner Sicht genauso interessant wie Kegeln.“

Für den Bowling-Sport gibt es spezielle Schuhe mit Gleit- und Bremssohlen. Foto: TV/Mirko Blahak

Schau‘n mer mal! Zunächst geht’s also ums richtige Schuhwerk. Denn mit Straßenschuhen hat man auf der Bowlingbahn nichts verloren. Stattdessen gibt es Bowlingschuhe.

Für Anfänger haben deren Sohlen keinen besonderen Schnickschnack. Bei Fortgeschrittenen sieht das schon anders aus. Da gibt’s einen Gleitschuh für den einen Fuß – mit einer entsprechend glatten Sohle – und einen Bremsschuh für den anderen Fuß, der geriffeltes Material drunter hat.

Ein Bowlingball besteht aus mehreren Komponenten. Foto: TV/Mirko Blahak

Die Schuhe sind gewechselt. Es kann losgehen. Aber wie? Zunächst muss der richtige Anlauf ermittelt werden, um mit Schwung den Ball auf die Bahn loszulassen.

Um den für sich passenden Anlauf zu ermitteln, rät Griesinger, von einer Markierung am Bahnanfang viereinhalb normale Schritte zurück zu gehen. Dann gilt’s, die Mitte der Bahn unter die Füße zu nehmen. Auch hierfür dienen Markierungen als Anhaltspunkt. Anfänger sollten den vordersten der in einem Dreieck angeordneten Pins anvisieren. Entscheidend ist ein runder Bewegungsablauf. „Das ist Gewöhnungssache“, sagt Griesinger.

Video: So funktioniert beim Bowling der Anlauf

Die Auswahl an Bällen ist groß – nicht nur in puncto Farben, sondern auch Gewicht.

Griesinger rät mir zu einem Sechs-Kilo-Ball. Der Handschlag hat gezeigt, dass ich kein Kraftprotz bin. Der Mittel- und der Ringfinger verschwinden in den eng nebeneinander liegenden Löchern, der Daumen wandert ins darunter liegende Loch. Für schwerwiegendere Verletzungen ist Bowling nicht bekannt. Griesinger: „Ich habe es noch nicht erlebt, dass Finger in den Bällen stecken geblieben sind.“

Die Bälle wiegen zwischen knapp drei und gut sieben Kilo. Ihr Durchmesser: rund 22 Zentimeter. Weniger das Gewicht als die Größe schrecke Ungeübte anfangs ab, sagt Dirk Thörnich. Der 46-Jährige betreibt im Bowling Center Bitburg einen Laden für Bowling-Bedarf und spielt für den BSV Koblenz in der Landesoberliga. Ein Ball besteht aus drei Komponenten: der Schale, einem Kern und Füllmaterial. Es gibt zwei Arten: die sogenannten Strike­bälle schießen in einem Bogen über die Bahn. Durch die Kurve entstehen eine andere Energie und ein anderer Auftreffwinkel, was die Wahrscheinlichkeit,  alle zehn Pins abzuräumen – also einen Strike zu erzielen – deutlich erhöht.  Die sogenannten Sparebälle laufen im Gegensatz dazu geradeaus. Sie dienen in der Regel dazu, mit einem zweiten Wurf verbliebene Pins abzuräumen. Gelingt das, spricht man von einem Spare.

Wer nicht mit Bällen eines Bowling-Centers spielen will, kann sich sein persönliches Spielgerät im Fachhandel herstellen lassen. Dazu wird die Hand abgemessen, damit die Löcher auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt gefräst werden können. Darüber hinaus sind Kundenwünschen fast keine Grenzen gesetzt – etwa in puncto Design. Es gibt laut Thörnich sogar Bälle in verschiedenen Geruchsrichtungen.

Manfred Clemens aus Trier wurde 1982 deutscher Bowling-Meister. Hier erzählt er, wie sich der Sport verändert hat.

Ich spiele an diesem Abend mit Sparebällen. Rechts, links, rechts links – während der Schritte pendelt der Ball nach hinten und wieder nach vorne. Mein Premieren-Wurf ist gut, der zweite auch. „Willy, hol schon mal einen Mitgliedsantrag“, ruft Griesinger. Ich fasse das mal als Lob auf. Doch dann beginnt das Nachdenken. Wie geht’s noch besser? Ein Fehler. Die Verkrampfung steigt, die Anlaufbewegung wird unrunder. Die Zahl gefallener Pins beim neunten und zehnten Wurf – bescheiden. Doch die Bahn und ich werden wieder Freunde.

Die Bahn – sie ist außer vor den Pins geölt, zu ihrem eigenen Schutz. Früher wurden die Bahnen laut Griesinger aus Holz gefertigt, heute sind sie aus Kunststoff.

Nach rund 20 Minuten und zehn Durchgängen à zwei Würfen stehen bei mir 113 Punkte zu Buche. Vier Spares waren dabei. „Die Ausbeute ist sehr gut für jemand, der sich mit Bowling vertraut macht“, analysiert Griesinger. 113 Punkte - nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut.

Wer im Bowling etwas erreichen will, sollte 200 Punkte und mehr erzielen. In der zweiten Bundesliga zum Beispiel brauche man laut Griesinger mit Durchschnittswerten unter 210 nicht antanzen.

Ein Strike war mir übrigens nicht vergönnt.

Ihn zu schaffen sei keineswegs Profis vorbehalten, sagt Griesinger. „Wie schnell es einem gelingt, bewusst einen Strike zu spielen, hängt natürlich vom Talent ab. Aber mit ein bisschen Training klappt das. Wer einmal pro Woche auf die Bowling-Bahn geht, kann nach einem Monat locker einen Strike erzielen.“