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"Das beste Erlebnis, das ich jemals hatte!"

"Das beste Erlebnis, das ich jemals hatte!"

Zu Besuch bei den Eifel-Mosel Bären: Nachwuchshoffnungen und Trainer der Bitburger gewähren einen Einblick in ihren ungewöhnlichen Eishockey-Alltag. Ein früherer DEL-Profi im Bitburger Team erinnert sich zudem an sein größtes Erlebnis gegen Köln.

Bitburg. Die Tür zur Eishockeyhalle öffnet sich. Man hört die ersten Pucks einschlagen. Einige Eltern haben es sich auf den Tribünen bequem gemacht. Andere sitzen im Kabinentrakt bei Kaffee und Kuchen. Auf der Eisfläche tummeln sich die Nachwuchswuchshoffnungen des Vereins. Die Spieler der Herrenmannschaft treffen nach und nach ein. Es ist Donnerstagabend, der TV-Reporter ist zu Besuch bei den Eifel-Mosel Bären in Bitburg. Schon auf den ersten Blick bemerkt man, ed geht um mehr als nur Puck, Stock und Helm. Seit 1982 ist die Eissporthalle Bitburg das Zuhause einer eingeschworenen Gemeinschaft. Mit viel Herzblut wurde hier bereits Großes geschafft. Eishockey wird hier am Leben gehalten. Trotz aller Widrigkeiten.
Roman Widung ist mittlerweile Nachwuchstrainer, er hat mit dem Verein alles mitgemacht. "Als die Halle gebaut wurde, habe ich meinen Eltern direkt gesagt: Ich spiele jetzt Eishockey!" Diese Entschlossenheit vermittelt er nun der Knabenmannschaft, den Zehn- bis Zwölfjährigen.
Bereits im Alter von sechs Jahren beginnt für die Jüngsten die Laufschule. Die ersten Runden drehen, übersetzen und bremsen: die Grundlagen sind entscheidend. Stocktechnik und Spieltaktik sind die nächsten Schritte im Lehrplan. Leihausrüstungen dienen zum Reinschnuppern, der Verein ermöglicht den Eltern damit, die Ausrüstung Schritt für Schritt anzuschaffen.
Als Spieler stand Widung, inzwischen 48 Jahre alt, während der großen Zeit des ESV Bitburg in der 2. Eishockey-Liga - damals die dritthöchste Spielklasse - auf dem Eis, die finanziellen Schwierigkeiten im Anschluss inklusive. Er weiß, welche Opfer von den Mitgliedern erbracht wurden - aber auch, welche Begeisterung der Sport entfachen kann.Ein Ex-Profi und der Nachwuchs


Die Zweitligazeit liegt über 20 Jahre zurück. Im altehrwürdigen Eisstadion erscheint einem der Weg zum Profi fast unmöglich, für Cedric Fritzen und Anika Brecht ist er jedoch das Fernziel. 2009 begann der heute 14 Jahre alte Cedric in Bitburg mit der Laufschule, anschließend Knabenmannschaft, Training mit den Herren - er ist ein Paradebeispiel für die Nachwuchsförderung im Verein. Ohne die Einheiten in der ersten Mannschaft würde seine Entwicklung bereits stagnieren, daher folgte vor der Saison der nächste Schritt. Nach einem Jugendspiel kam ein Scout aus Neuwied auf ihn zu. Dank einer Förderlizenz kann Cedric seit dieser Saison neben den Einsätzen in Bitburg auch für die U16 von Neuwied auflaufen. Das bringt ihm weitere Spielpraxis mit Gleichaltrigen, frisst aber auch Zeit: allein drei Stunden pro Woche reine Fahrzeit.
Anika Brecht ist dagegen beim EV Bitburg das einzige Mädchen, daher spielt sie seit zwei Jahren zusätzlich bei den "Kurpfalz Girlies" in Mannheim. Mit ihrer Mutter fährt sie stundenlang zu Turnieren, teilweise auch ins Ausland. Der nächste logische Karriereschritt für die beiden Nachwuchshoffnungen wäre ein Sportinternat. Ein Gedanke, den auch Cedric im Kopf hat. Das würde aber bedeuten: große Entfernung zu Freunden und Familie, ein totaler Neubeginn.

Ein großer Schritt, den Bären-Spieler Daniel Petry damals gegangen ist. In Bitburg lernte der Torwart die Grundlagen. Über das Sommer-Eishockey-Camp von Ex-Nationaltorhüter Helmut de Raaf in Bad Tölz wechselte er mit 16 Jahren ins Sportinternat Rosenheim. Nun ging es schnell: Nachwuchs-Bundesliga, dann Junioren-Bundesliga in Füssen, Entdeckung durch einem Scout der Düsseldorfer EG, ein Vertrag für die Junioren der DEG - und nur eine Woche nach dem Wechsel folgte eine Einladung zum Trainingslager der Profis, ein glatter Durchmarsch. "Der Halbfinalsieg zu Hause gegen Köln, im letzten und endscheidenden Spiel, das war das beste Erlebnis das ich jemals hatte!", sagt er mit strahlenden Augen. Als würde er immer noch im Düsseldorfer ISS Dome stehen. Derbys der DEG gegen Köln bedeuten 13 400 Fans, Liveübertragung im Fernsehen, eine kochende Arena. Seit vier Monaten spielt Petry wieder in Bitburg. Er ist 32, im besten Profialter. "Leider habe ich mich damals gegen Eishockey entschieden", resümiert er. Damals, nach drei Jahren DEL, hatte er die Entscheidung für den elterlichen Betrieb getroffen. Er machte sein Abitur, schloss eine Ausbildung ab, studierte.
Beim Heimspiel gegen den Tabellenführer der Hessenliga aus Kassel steht Petry als Feldspieler auf dem Eis, vor 149 Zuschauern und einem mit der Mannschaft befreundeten Fotografen. Die Eifel-Mosel Bären gewinnen hochverdient mit 5:1. Nach dem Spiel steht Petry verschwitzt und mit breiten Grinsen neben der Tribüne. Das gleiche Strahlen in den Augen. Vielleicht so wie damals gegen Köln.
Mit einem kühlen "Bitburger" sitzen die Bären nach dem Sieg aufgeheizt zusammen in der Kabine. "Der Spaß steht bei uns an erster Stelle, wenn wir den haben, kommt der Erfolg von ganz allein." Das sagt Spielertrainer Michal Janega, ehemaliger Zweitligaspieler im Eishockeyland Tschechien. Sein Team lebt diese Aussage, nur so lassen sich die weiten Auswärtsfahrten aushalten, von denen sie um drei Uhr nachts in der Heimat völlig kaputt ankommen und mancher morgens um sieben wieder zur Arbeit muss. Der Verein lebt von seinen Spielern, dies gilt bei den Eifel-Mosel Bären wortwörtlich. Mit 200 Euro Vereinsbeitrag jährlich legen sie den Grundstein einer jeden Saison selbst, Fahrtkosten und Material zahlen die Spieler ebenfalls aus eigener Tasche. In Rheinland-Pfalz waren die Bitburger Serienmeister, sie hatten keine Herausforderungen mehr. Im höheren Niveau der Hessenliga "macht Verlieren auch mal Spaß", sagt Lukas Golumbeck. Er hat während seines Studiums in Trier in der Juniorenbundesliga gespielt, für Dortmund. Dreimal die Woche fuhr er die über 500 Kilometer, entschied sich nach einem weiteren Jahr bei Unna in der Oberliga aber ebenfalls gegen den Weg als Profi.Eine Gruppe von Freunden


Diese "Gruppe von Freunden", wie sie Janega bezeichnet, hält zusammen, trotz aller Widrigkeiten. Die Hessenliga hat nur fünf Mannschaften, zwölf Spieltage kommen so zusammen. Die Bären würden gerne öfter spielen, beim Aufstieg in die Regionalliga West wären es allerdings direkt knapp 50 pro Saison, "der dritte Schritt vor dem Zweiten" wie es Golumbeck bezeichnet. Hinzu kommt die Altersstruktur. Viele Spieler sind Mitte 30, haben Familie. Nachwuchs ist die Hoffnung und Problemzone zugleich.
Ihr actionreicher, schneller und körperbetonter Sport fordert große Aufopferung, fördert aber den Zusammenhalt im Team. Viele Eishockeyvereine und -hallen schlossen in den letzten Jahren ihre Pforten - nicht nur in Trier. In der Eifel kämpft man weiterhin um die Leidenschaft. Bisher mit Erfolg.