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Das Beste in der letzten Schulwoche

Trier. 880 Kilometer, mehr als 7000 Höhenmeter, nach neun Tagen sind die mehr als 300 meist jugendlichen Radfahrer der 16. Fairplay-Tour in Trier angekommen. Geografische und Lernziele wurden erreicht. Holger Teusch

Trier. Am 17. Juli durchlebte Marc Griese gleich mehrere Schreckmomente: Der 13-Jährige brach sich den linken Arm. Das ist schon schlimm genug. Noch schlimmer: Konnte er jetzt nicht mehr an der Fairplay-Tour teilnehmen? "Das wäre sehr traurig gewesen", sagt der Schüler der Integrierten Gesamtschule (IGS) Trier. "Ich weiß gar nicht, wie lange wir uns darauf vorbereitet haben."
Etwa zehn lange Trainingsfahrten zwischen 50 und 80 Kilometer Länge hatte die IGS-Fairplay-Tour-Gruppe unternommen. Sollte das alles für ihn umsonst gewesen sein?
Nein! Schon vor dem Start der Solidaritäts-Fahrradtour wurde einer der Grundsätze in die Tat umgesetzt: gegenseitige Hilfe. Für Marc Griese wurde ein Tandemfahrer gefunden. "Das war das erste Mal, dass ich Tandem gefahren bin", erzählt der Schüler. Aber das sei das Schöne an der Fairplay-Tour: Einer hilft dem anderen. Und unter rund 300 Jugendlichen und ihren Betreuern entstehen in der Woche, in der man gemeinsam durch Rheinland-Pfalz, Belgien, Luxemburg, Frankreich und das Saarland radelt, neue Freundschaften, ergänzt Maximilian Schwarz. Für den ebenfalls 13-Jährigen aus Trier war seine dritte Tour-Teilnahme die leichteste. "Vielleicht hat man besser trainiert und natürlich ist man ja auch älter", überlegt er.
"Es kann Schülern nichts Besseres passieren, als in der letzten Schulwoche die Fairplay-Tour mitzufahren", behauptet Herbert Ehlen. Ansonsten passiere an den Schulen in dieser Woche oft ja nicht mehr viel, sagt der 63 Jahre alte Lehrer der Jünkerather Graf-Salentin-Schule, der die Fairplay-Tour seit 1999 zusammen mit dem Geschäftsführer der Trierer Sportakademie, Klaus Klaeren, initiiert und leitet.
Während der neun anstrengenden Tage lerne man viel über soziales Verhalten: "Unsere drei Ziele sind: Die Schüler sollen lernen, sich vernünftig zu verhalten, leistungsbereit zu sein und helfen, da wo Hilfe nötig ist." Jeden Abend werde über die zurückliegende Etappe, über das, was gut gelaufen ist, aber auch über Regelverletzungen gesprochen. "Ich setze diese Reflexionen immer für eine Viertelstunde an. Aber da die Kinder mit solchem Feuereifer dabei, sind, wird meist eine Dreiviertelstunde daraus", erzählt Ehlen.
Mit einer solch großen Gruppe über eine solche Distanz zu radeln, sei eine tolle Gemeinschaftsleistung, sagte Triers Sportdezernentin Angelika Birk und ergänzt: "Durch mehrere Länder zu fahren, ist gelebte Völkerverständigung." Und dazu kommt, fast nebenbei, die Spendensammlung für Schulprojekte im rheinland-pfälzischen Partnerland Ruanda (die Summe steht noch nicht fest). Trotz großer Schwüle, einem Regentag, "es war eine runde Woche", sagt Ehlen. Das Grundgerüst für die Fairplay-Tour 2015 stehe bereits. "Wir sind auf jeden Fall wieder dabei", haben sich Maximilian Schwarz und Marc Griese fest vorgenommen.