Das Ländchen fiebert mit seinen Brüdern

Das Ländchen fiebert mit seinen Brüdern

Nach zwei zweiten Plätzen beim größten Radrennen der Welt soll in diesem Jahr der große Wurf gelingen: Mit dem eigens auf seine Bedürfnisse zusammengestellten Rennstall Leopard-Trek will der Luxemburger Radprofi Andy Schleck in die Fußstapfen seines unvergessenen Landsmannes Charly Gaul treten.

Nourmoutier. Der Auftritt am Dienstag in der luxemburgischen Hauptstadt ließ erahnen, mit welchen Emotionen und Erwartungen ein ganzes Land die am Samstag beginnende Frankreich-Rundfahrt begleiten wird. An die 1000 Radsport-Anhänger waren auf den Knuedler gekommen, als der neue luxemburgische Rennstall seine Tour-Equipe vorstellte und gleichzeitig die avisierten Ziele preisgab: Er oder sein Bruder Frank, sagte der Vorjahreszweite Andy bestimmt, müssten in diesem Jahr das gelbe Trikot holen: "Lieber einer ganz oben als wir zwei auf dem zweiten und dritten Platz."
Schleck-Brüder kontra Contador


Wie das gehen soll, machte sein älterer Bruder Frank, der schon auf dem berühmtesten Tour-Gipfel in Alpe d\'Huez als Etappensieger triumphiert hatte, deutlich: "Es geht nicht nur darum, den Topfavoriten Albert Contador zu schlagen. Wir müssen unseren Stil durchziehen und die Konkurrenz durch Attacken mürbe machen."
Es scheint, als sei die sogenannte große Schleife auf das Duell des immer noch unter Doping-Verdacht stehenden Spaniers gegen das Brüderpaar aus dem Ländchen reduziert. Nur Contador galten auch die Fragen bei der Pressekonferenz der Equipe vor dem Start auf der Passage du Gois, die nur bei Ebbe zu befahren ist. Zum Bruderduell in den Pyrenäen oder Alpen aber werde es auf keinen Fall kommen. Das sei so "wie bei den Klitschkos", meinte Frank, der die Rundfahrt im vergangenen Jahr verletzungsbedingt vorzeitig beenden musste: "Andy und ich sind Brüder und Freunde. Wir würden nie gegeneinander fahren." Im günstigsten Fall, so Frank, der zweimal Gesamtfünfter bei der Tour war, sei man auf den entscheidenden Passagen im Hochgebirge zu zweit gegen die Konkurrenz:
Ein "absoluter Traum", sei es, wenn "mein Bruder und ich in Paris gemeinsam auf den beiden ersten Plätzen des Podiums stehen würden". Das aber wolle er nicht vollmundig ankündigen, bevor der erste Meter gefahren sei. Doch bei aller Anstrengung und der Bündelung aller Kräfte auf das große Ziel Gesamtsieg bei der Tour de France 2011 muss der junge Rennstall immer noch ein Stück Trauerarbeit bewältigen.
Im Mai war der belgische Radprofi Wouter Weylandt aus dem Leopard-Trek-Team beim Giro d\'Italia tödlich verunglückt. Das Team war danach aus der Rundfahrt ausgestiegen. Gesagt hat es niemand zwei Tage vor dem Start zur Frankreich-Rundfahrt, gedacht haben aber mögen es viele: Sie werden auch für ihn strampeln auf den knapp dreieinhalbtausend Kilometern in den nächsten drei Wochen.Das Team Leopard-Trek wurde im Januar dieses Jahres offiziell vorgestellt, nachdem es zunächst unter dem Namen Luxembourg Pro Cycling Project bekannt war. Namensgeber des Teams ist die Radsportfirma Leopard S. A. des luxemburgischen Mäzens und Immobilienmaklers Flavio Becca. Der Radsport-Weltverband, die UCI, stufte das neue Team sofort so ein, dass eine Lizenz für die höchste Profiklasse kein Problem war. Der weltgrößte Radhersteller Trek, ein US-amerikanisches Unternehmen, fungiert als zweiter Hauptsponsor und Namensgeber. Mit Mercedes-Benz als Fahrzeugsponsor gehört auch ein deutsches Unternehmen zum Unterstützer-Poolder luxemburger. jüb