Das Spiel mit dem Wind

Durchs Wasser gleiten und sich den Wind um die Nase wehen lassen: So entspannend kann Segeln auf der Mosel sein. Was bei den Profis ganz leicht aussieht, ist für Anfänger eine echte Herausforderung. TV-Reporterin Christa Weber hat sich an Bord gewagt und gelernt, dass es vor allem auf die Zusammenarbeit mit den Elementen ankommt.

Trier. Klick, klick, die Schnallen sind zu, die Rettungsweste sitzt. "Damit gehen Sie garantiert nicht unter. Auch nicht, wenn Sie ohnmächtig werden", erklärt Patricia Erbeldinger. Die Vorsitzende der Segelabteilung beim Post-Sportverein Trier will mich heute zum Segeln mit auf die Mosel nehmen. Noch stehen wir am Steg im Trie-rer Yachthafen direkt hinter dem Schloss Monaise, wo die Segler ihr Revier haben. Die Rettungsweste in leuchtendem Orange macht mich leicht nervös. Mir fällt ein, dass Erbeldinger mir schon am Telefon geraten hatte, vorsichtshalber Ersatzkleidung mitzubringen. Egal, ist jetzt eh zu spät für einen Rückzieher.Neben dem Steg wartet schon unser Boot, ein sogenannter Polyvalk (niederländisch für Falke). 6,65 Meter lang, fünf Meter hoch, ein sportliches Segelboot. Die Mosel um uns herum bildet eine dunkle, glatte Oberfläche. Die Fähnchen am Steg hängen schlaff herunter. "Im Moment haben wir sehr wenig Wind", sagt Erbeldinger, "aber das kann sich schnell ändern." Ach, wenig ist für den Anfang gar nicht so schlimm. Sport im Sommer Die Reportage

Vorsicht, Piraten! Die 14-jährige Sophie Schauer hat mit ihrem Boot allerdings nur Gutes im Sinn.TV-Foto: Christa Weber.

Zum Glück ist der Falke breiter als ich befürchtet hatte, etwa zwei Meter. Trotzdem habe ich weiche Knie, als ich an Bord steige. Und dann schwankt das Boot plötzlich auch noch heftig, weil ein Motorboot vorbeirauscht. Reflexartig greife ich nach einem Seil neben mir. Was ich Seil nenne, heißt bei den Seglern Fall. An dem roten Strick soll ich jetzt ziehen, um das kleine Vorsegel zu hissen - dafür wirft mir Erbeldinger Handschuhe zu. Bevor wir ablegen, muss ich noch Fachbegriffe lernen. Von denen wimmelt es nur so in der Seglersprache. "Am Anfang ist es wie eine Fremdsprache", sagt Erbeldinger und lacht. Aber bei zwei Seglern an Bord sei es wichtig, die Kommandos des anderen zu verstehen. Dann deutet sie auf die dicke Querstange unten am Großsegel:"Das ist der Baum, darauf müssen Sie besonders aufpassen." Ach ja, das ist das Ding, das den Leuten im Film immer gegen den Kopf donnert.Jetzt kann\'s losgehen, Patricia stößt uns vom Steg ab und schon gleiten wir dahin. "Diesen Moment liebe ich", schwärmt sie. "Wenn der Wind in die Segel greift." Tatsächlich macht der wohl gerade Pause. "Segeln ist ein Spiel mit dem Wind, wir müssen auf ihn reagieren", sagt Erbeldinger gelassen. Bei Flaute müsse man eben etwas warten. Als blutige Anfängerin habe ich an Bord erst mal eine überschaubare Aufgabe. Ich hocke in der Bootsmitte und bewege das Vorsegel nach rechts oder links, indem ich an den Tauen (Schoten) neben mir ziehe. Erbeldinger achtet auf alles andere: bedient die Pinne (das Steuer), behält die Windrichtung im Auge, kontrolliert das Großsegel. Nebenbei achtet sie auf Bäume am Ufer, die den Wind abschirmen könnten. Und auf die Frachter. "Die Berufsschiffe sind eine Herausforderung", sagt Erbeldinger. "Ansonsten haben wir tolle Bedingungen, fast wie auf dem See." Das Segelrevier reicht über 4,5 Kilometer von der Trierer Staustufe bis zur Konzer Eisenbahnbrücke. Es gibt keine Flachstellen, die Segler können die Breite des Flusses nutzen. Still und friedlich ist es um uns herum, während wir lansgam durchs Wasser gleiten. "Nach dem Segeln bin ich total entspannt", sagt Erbeldinger. "Hier draußen klingelt kein Handy, man schaltet völlig ab." Seit 25 Jahren segelt sie bereits. Sie mag auch den sportlichen Wettkampf, zum Beispiel bei den Regatten, die von den Seglern organisiert werden (siehe Hintergrund). "Wenn man sich halb aus dem Boot lehnt, um in Fahrt zu kommen, das gibt richtige Bauchmuskeln", verrät sie. Und nicht nur das - Segler haben auch ein gutes Auge für ihre Umgebung. "Gleich kommt eine ordentliche Böe, das sehe ich schon", ruft Patricia mir zu. Woran sie das erkennt? "Das Wasser kräuselt sich", erklärt sie und zeigt auf eine Stelle zehn Meter vor uns. Und tatsächlich - ein paar Sekunden später fährt der Wind in die Segel. Jetzt darf ich die Pinne übernehmen. Rechts lenken heißt nach links fahren, das ist ungewohnt. Mein Blick geht immer wieder nach oben zum Verklicker. Das ist ein rotes Fähnchen auf dem Mast, das anzeigt, woher der Wind kommt. "Optimal ist, wenn er leicht schräg von der Seite in die Segel bläst", erklärt die Expertin. Nach ein paar Minuten hab ich den Dreh raus. Allerdings stelle ich das Boot mehrmals "in den Wind", also exakt in die Richtung, aus der der Wind kommt. Dann bleibt das Boot einfach stehen. Nach etwa einer Stunde steuern wir wieder den Yachthafen an. Dort wartet noch eine Herausforderung auf mich. "Wenn ich ‚jetzt\' sage, nehmen Sie die Vorleine, springen auf den Steg und machen uns fest", ruft Erbeldinger. Na gut - dann fall ich eben doch noch ins Wasser. Aber alles geht gut, und nachdem wir die Segel eingeholt und alles fest vertaut haben, verlasse ich den Hafen mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht - und in trockenen Klamotten. Die Segelabteilung des Post-Sportvereins Trier (PST) hat rund 300 Mitglieder. Liegeplatz der Vereinsboote ist der Yachthafen am Moselufer neben Schloss Monaise. Das Revier reicht von der Trierer Staustufe bis zur Konzer Eisenbahnbrücke. Saison ist von April bis Oktober. Jedes Jahr absolvieren etwa 50 Teilnehmer beim PST die Ausbildung für den Sportbootführerschein Binnen, der zum Fahren von Motor- und Segelbooten auf Flüssen und Seen berechtigt. Bei einer Motorleistung ab 5 PS ist der Schein Pflicht, Segelboote ohne Motor kann man in Deutschland auch ohne amtlichen Führerschein fahren (wenn sie nicht gewerblich oder für Ausbildungszwecke genutzt werden). Wer ein Boot mieten will, muss jedoch üblicherweise einen Führerschein vorlegen. Die Kurse in Kooperation mit dem Hochschulsport an Universität und Fachhochschule starten im Mai (fünf Doppelstunden Theorie, 15 Praxiseinheiten). Kosten: Rund 330 Euro, für Studenten ermäßigt. Mindestalter: 16 Jahre. Training für Kinder und Jugendliche ab sieben Jahren wird jeden Samstagnachmittag angeboten. Weitere Infos unter www.yachthafen-trier.deSegelmöglichkeiten: Neben der Segelabteilung des PST haben der Wassersportclub Konz 1960 und die Segelabteilung des Ruder Clubs Traben-Trarbach 1881 ( www.wsc-konz.de, www.rctt.de) ihr Revier auf der Mosel. Wer lieber auf dem See segelt, kann dies beispielsweise auf dem Bostalsee (Saarland). Regatten in der Region: Himmelfahrtsregatta des PST mit Porta Nigra Sailing Marathon, Schlosspokal und Mosel-Monas-Cup; Saar-Mosel-Regatta des Wassersportclubs Konz (17./18.September 2011)

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