Der Aufguss ist die Attraktion

Der Aufguss ist die Attraktion

Der Gang in die Sauna ist für viele Wellness-Freunde ein Inbegriff von Entspannung. Die Grundregeln beherrscht dabei fast jeder, aber auch bei den verschiedenen Aufgüssen gibt es einige Dinge zu beachten.

Wenn es draußen stürmisch, kalt und nass ist, tut eine warme Sauna besonders gut. Allerdings gibt es so viele unterschiedliche Saunatypen und Aufgüsse von Latschenkiefer über Salz und Honig bis hin zum Limetten-Ingweraufguss, dass der Laie schnell den Überblick verlieren kann. Aufgüsse erfahren immer größere Beliebtheit. Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Saunabundes zeigt, dass 20 Prozent der Saunagäste nur wegen des zeremoniell betriebenen Aufgusses eine Sauna besuchen. Somit ist der Aufguss heute für viele Saunagänger zu einem festen Bestandteil geworden.
Zusätzlicher Hitzereiz



Doch wie funktioniert eigentlich ein Aufguss und was bewirkt er? "Der physikalische Grundsatz lautet: Verdunstung kühlt, Niederschlag wärmt", erklärt Hans-Jürgen Gensow vom Deutschen Saunabund. Durch den Aufguss entsteht im Vergleich zur normalen Sauna ein zusätzlicher Hitzereiz. "Bei jedem Saunagang wird zuerst geschwitzt, bis es schließlich zu dem zeremoniell betriebenen Höhepunkt des Aufgusses kommt. Der Saunameister gibt mit einer Holzkelle portionsweise ein Gemisch aus Wasser und einem bestimmten Duftkonzentrat über die heißen Steine. Dazu verstärkt er die Wirkung durch Wirbeln mit einem Handtuch", erklärt Saunaexperte Gensow.
Im Wesentlichen gibt es fünf Aufgusskategorien: Aromatisierte Aufgüsse mit und ohne Eis sowie Aufgüsse mit Honig-, Salz- oder Birkenanwendung. Während beim aromatisierten Aufguss Aromen der Minze erfrischen und Frucht und Sandelholz beleben, können Lavendelaromen eine beruhigende Wirkung auf den Körper haben. Bei einem Eisaufguss wird das Aufgusswasser mit Eis oder Schnee gemischt. Hierdurch wird ein verstärkter Dampfeffekt erzeugt, der gut für die Haut ist. Das Highlight bei Salz- und Honigaufgüssen ist der zusätzliche Peelingeffekt bei Salz und der Reinigungseffekt bei Honig, der durch das Auftragen auf die Haut entsteht. Bei Birkenanwendungen geht es darum, die Blutzirkulation und den Schweißeffekt zu steigern. Dieser Effekt wird durch das Schlagen mit Birkenbüscheln, sogenannten Weniks, auf die Haut erreicht. Seltener sind beispielsweise Hopfenaufgüsse. "Diese Aufgüsse sind eher Eventaufgüsse, bei denen es hauptsächlich um den Spaß geht, doch der Effekt bleibt der gleiche", meint Reinhold Becking vom Erlebnisbad Calypso in Saarbrücken.
Laut der Umfrage des Deutschen Saunabundes wünschen sich zwar rund 80 Prozent der Gäste interessante Duftzusätze, aber die beliebtesten ätherischen Ölzusätze bleiben Eukalyptus und fruchtige Aromen in origineller Mischung. Auch Ingwer hat den Weg von der Küche in das Heißluftbad gefunden. Die Wahl des Aromas richtet sich meist nach mehreren Faktoren. Zum einen spielt die Hitze der Sauna eine große Rolle. "In mittelheißen Saunen sind blumig-süße Düfte beliebt, und in den klassisch-heißen Schwitzstuben eher holzige bis erfrischende Düfte wie Latschenkiefer und Minze", erklärt Julia Klante vom Saunaparadies Erding. Zum anderen richtet sich die Wahl auch nach dem Saunagang.
"Im Laufe eines Saunatages sollte man mit einem belebenden Duft beginnen und gegen Ende einen beruhigenden Duft wählen", weiß Klante. Dabei ist aber ein Aufguss wegen der enormen Hitze nichts für jedermann. Vor allem Duftallergiker sollten vorsichtig bei der Anwendung von Aromen sein. Grundsätzlich gelten für das Saunieren mit Aufgüssen die gleichen Regeln wie beim klassischen Gang in die Sauna.
Zu der weitläufigen Meinung, es sei unpassend während eines Aufgusses die Sauna zu verlassen, da damit die gewünschte Hitze entweicht, äußert sich der Deutsche Saunabund ganz klar: "Jeder Saunabesucher sollte die Sauna jederzeit verlassen, wenn es ihm unangenehm wird, das ist die oberste Regel", betont Gensow.
Wie ein Herbstspaziergang



Generell sind Saunaaufgüsse ungefährlich. "Letztendlich werden in der Sauna nur die Stoffe freigesetzt, die man beim Herbstspaziergang durch einen dichten Tannenwald einatmet oder die bei der Wasserdampfinhalation mit Kamillenblüten Entzündungen lindern sollen", erklärt Dr. Martin Braun, Fachapotheker für Pharmazeutische Technologie in Karlsruhe.
Vor allem wenn man über ein Jahr nicht mehr in der Sauna war, sollte man wegen der erhöhten Temperatur vorsichtig sein. Die Saunaexpertin Julia Klante empfiehlt: "Zunächst einmal in eine mittelwarme Sauna gehen und dann auf niedrigster Stufe mit einem Aufguss beginnen. Wichtig dabei ist, dass man immer auf sein persönliches Empfinden achtet."