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Der Bruce Lee von der Mosel

Meister der Fußtritte: Jürgen Britzius zeigt sein Können. Tv-Foto: Christian Altmayer
Meister der Fußtritte: Jürgen Britzius zeigt sein Können. Tv-Foto: Christian Altmayer FOTO: (g_sport
Longen. Von Karate bis Thaiboxen: Jürgen Britzius beherrscht viele Kampfsportarten. Jetzt ist er auch Großmeister im Taekwondo. Es ist ein Titel, den in Deutschland nur sehr wenige tragen dürfen. Christian Altmayer

Longen. Jürgen Britzius starrt auf das Holzbrett. Kurz schließt er die Augen, atmet langsam ein und aus. Dann geht alles ganz schnell: Er stößt einen gellenden Schrei aus. Seine Hand schnellt vor wie ein Geschoss und zerbricht die Holzplatte in zwei Teile. Was der Schweicher Kampfsportler hier vorführt, ist der sogenannte Bruchtest, eine Technik aus dem Taekwondo. Diese koreanische Kampfkunst beherrscht Britzius wie kaum ein Zweiter. Und das hat er seit wenigen Wochen auch schriftlich. Denn er ist jetzt einer der sehr wenigen Kämpfer in Deutschland, die den Titel Großmeister tragen dürfen. Wer diese höchste Stufe im Taekwondo erreichen will, muss den sechsten Dan, eine mehrstündige Prüfung ablegen - dazu gehört das Vorführen von Bewegungsformen und das Schreiben einer Abhandlung über das Taekwondo. Für diesen Test reiste der 47-Jährige nach Koblenz zu seinem alten Meister, dem Koreaner Chung Gee-Hun. Er ist einer der wenigen Kampfsportler in Deutschland, die die Großmeisterprüfung abnehmen dürfen.Begegnet waren sich die beiden Kämpfer schon vor mehr als 20 Jahren. Damals begann Britzius sein Taek wondo-Training in Trier, in der Schule von "Meister Chung", wie der Schweicher ihn nennt. Zuvor hatte er sich nur im Karate geübt. Damit angefangen hatte er ursprünglich, "weil er so sein wollte wie Bruce Lee", erzählt er. "Das sah im Kino immer so eindrucksvoll aus." Doch Karate sei ihm schnell zu langweilig geworden, erzählt der Kampfsportler. "Die stoppen ihre Schläge ab, bevor sie treffen würden!" Bei Chung war das anders. Hier konnte Britzius zum ersten Mal mit vollem Körperkontakt kämpfen. "Er war ein strenger Lehrmeister", sagt Britzius. "Dort wurde trainiert wie in Asien - mit viel Drill." Die Schule in Trier existiert heute nicht mehr, Chung ist nach Koblenz gezogen, um dort sein Wissen weiterzugeben. Und dorthin musste sich jetzt auch Britzius aufmachen, um seine Prüfung abzulegen.Zwölf Jahre hatte er darauf warten müssen. Zwischen jedem Dan musste der Kampfsportler eine Pause einlegen. Es ist eine Regel, die die Koreaner der Kukkiwon, der Welt-Taekwondo-Akademie in Seoul, aufgestellt haben. Der Gedanke dahinter: Wer sich Großmeister nennen will, muss auch ein bestimmtes Maß an Lebenserfahrung mitbringen. Erfahrung hat Britzius inzwischen genügend gesammelt, vor allem im Kampfsport. Er beherrscht nicht nur das Taek wondo, sondern ist auch Meister im Thaiboxen und im Kickboxen. Bei deutschen Meisterschaften schaffte er es nicht selten aufs Podium. Auch seine Frau und seine Tochter teilen seine Leidenschaft, beide betreiben seit Jahren Kampfsport und gewannen schon zahlreiche Titel. Die Pokale und Medaillen von den Turnieren können Besucher der Kampfsportschule Phönix in Longen (Kreis Trier-Saarburg) bestaunen. Hier ist Britzius seit 20 Jahren Trainer, die Schule wird von seiner Frau geleitet. Inzwischen hat das Paar schon einige Schüler zu Kampfsportmeistern ausgebildet. Denn sein Wissen weiterzugeben - das sei jetzt seine "neue Aufgabe", sagt Britzius. "Im Taekwondo habe ich alles erreicht." Als sechs seiner Schützlinge es kürzlich geschafft haben, den ersten Dan abzulegen, habe er sich darüber noch mehr gefreut als über seinen neuen Titel, sagt er. Ein Video davon, wie Britzius mit bloßer Hand Holzbretter durchschlägt, gibt es zu sehen unter: <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund.de/videos" text="www.volksfreund.de/videos" class="more"%>Extra

Der Begriff Taekwondo kommt aus dem Koreanischen. Er setzt sich aus den Wörtern "Tae" für Fuß beziehungsweise Fußtechnik und "Kwon" für Faust oder Schlagtechnik zusammen. Do bedeutet Weg - damit ist die Philosophie, der geistige Weg gemeint. Taekwondo ist die Nationalsportart Koreas, in Deutschland ist sie nicht so weit verbreitet wie beispielsweise Judo oder Karate. Vielen sei sie höchstens aus asiatischen Filmen bekannt, sagt Britzius. Wer im Kino akrobatische Tritte und Sprünge sehe, der sehe häufig Taekwondo-Techniken. Die Fußtechnik spiele bei dieser Kampfkunst die entscheidende Rolle. cha