Der harte Job der Deutschen bei der Tour

Der harte Job der Deutschen bei der Tour

Zehn deutsche Starter nehmen am Samstag auf der Passage du Gois bei Nourmoutier am Atlantik die 98. Tour de France in Angriff. Nicht dabei unter den insgesamt 198 Profis aus 22 Teams ist in diesem Jahr der Eifeler Johannes Fröhlinger. Er bestreitet für seinen neuen Arbeitgeber Skil-Shimano ab Sonntag die Österreich-Rundfahrt.

Trier. Johannes Fröhlinger (27) wird in diesem Jahr statt über Tourmalet und Galibier, über die österreichischen Bergriesen fahren. Sein Arbeitgeber Skil-Shimano, zu dem neben dem gebürtigen Eifeler mit Roger Kluge ein weiterer renommierter deutscher Radprofi gehört, befindet sich nicht unter den 22 Mannschaften, die ab dem kommenden Wochenende auf die "Große Schleife" gehen, die am 24. Juli traditionsgemäß in Paris endet.
Die Generalprobe für die 63. Österreich-Rundfahrt, die am 3. Juli in Dornbirn gestartet wird, beendete Fröhlinger am Sonntag bei den Deutschen Straßenmeisterschaften in Neuwied als 42. unter 81 gestarteten Fahrern.
Neben den automatisch startberechtigten 18 Elite-Rennställen, den sogenannten ProTeams, luden die Veranstalter der Frankreich-Rundfahrt die vier französischen Teams Cofidis, FDJ (Francaises des Jeux) Saur-Sojasun und Europcar ein. Auch das Team Geox mit dem Tour-Sieger des Jahres 2008, Carlos Sastre, wird nicht am Start sein.
Der gebürtige Gerolsteiner Fröhlinger, der in Seiwerath in der Eifel aufgewachsen ist und seit einigen Jahren in Freiburg im Breisgau lebt, wechselte im vergangenen Jahr vom aufgelösten deutschen Team Milram zu Skil-Shimano. Der 27-Jährige gilt als Berg- und Etappenspezialist.
Die deutschen Radprofis werden in Frankreich aller Voraussicht nach vorwiegend Helferdienste zu absolvieren haben. Der Danilo Hondo wird bei Lampre-ISD in erster Linie "Lokomotive" für Sprintstar Alessandro Petacchi spielen.
Der 37-Jährige ehemalige Gerolsteiner Profi hat aber auch eigene Ambitionen. "Wenn es das Terrain und die Rennsituation zulassen, werde ich es aber auch einmal auf eigene Rechnung probieren. Ein Tour-Etappensieg ist noch immer ein Traum von mir", sagte Hondo.
Und Tony Martin, dem als einer der wenigen deutschen Pedaleure eine Platzierung im vorderen Gesamtklassement zugetraut wird, plagen derzeit Existenzängste. Sein prominent besetztes Team HTC Highroad um Teamchef Bob Stapleton ist auf der Suche nach einem neuen Hauptsponsor. Der Vertrag mit dem Mobiltelefonhersteller HTC läuft am Ende des Jahres aus. Martin und das Team stehen damit vor einer ungewissen Zukunft.
Die deutschen Starter bei der Tour de France 2011, die am Samstag beginnt:
Marcus Burghardt (BMC Racing Team), Tony Martin (HTC Highroad), André Greipel, Sebastian Lang, Marcel Sieberg (alle Omega Pharma-Lotto), Gerald Ciolek (Quick-Step), Grischa Niermann (Rabobank), Andreas Klöden (RadioShack) Christian Knees (Team Sky), Danilo Hondo (Lampre-ISD)
Danilo Hondo fährt noch zweigleisig: In erster Linie ist er als verlässlicher "Chauffeur" für Alessandro Petacchi in hektischen Schlusssprints ein anerkannter Radprofi. Er versucht sich aber auch als Teamchef in spe. Seit Monaten rührt der in Italien Beschäftigte die Werbetrommel für eine zukünftige deutsche Elite-Mannschaft und führt nach eigenen Worten intensive Gespräche "mit Vertretern der Wirtschaft und der Sportpolitik". Das große Ziel des wortgewaltigen 37-Jährigen: Ein einheimisches Team, dem er auf die Beine helfen will, soll den deutschen Radsport wieder in der Eliteliga vertreten. Der diesjährige Tiefpunkt bei der Tour - zum ersten Mal seit 1992 ist keine deutsche Mannschaft am Start - soll bald überwunden sein. Nicht zuletzt wegen der besonders in deutschen Medien kritischen Betrachtung des Doping-Themas streckte Milram als letztes hiesiges ProTour-Team nach der vergangenen Saison die Waffen. Die Ankündigungen des NetApp-Teams im Vorjahr vor dem Tourstart in Rotterdam, 2012 in die WorldTour-Liga aufrücken zu wollen, wurden gerade relativiert und vorerst auf 2013 verschoben. dpa