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Der in Ehrang lebende Manfred Clemens wurde 1982 deutscher Bowling-Meister. Er berichtet, wie sich der Sport verändert hat.

Spochtipedia: Bowling : Mit einer Flasche Sekt fing alles an

Der in Ehrang lebende Manfred Clemens wurde 1982 deutscher Bowling-Meister. Er berichtet, wie sich der Sport verändert hat.

Viele Erinnerungen sind in Stein gemeisselt. Manche aber auch in Kunststoff. Etwa bei Manfred Clemens. Kratz- und Gebrauchsspuren in der schwarzen Oberfläche seines alten Bowlingballs sind Zeugen einer  langen und erfolgreichen Karriere.

Clemens ist der erste und bislang einzige deutsche Bowling-Meister, den die Region Trier  hervorgebracht hat. 1982 war das der Fall. Clemens, der in Ehrang lebt, war damals 43 Jahre alt. „Ich gehörte damit zu den Erfahrenen in der Szene. Der Titel hat mich stolz gemacht. Ich war wer!“, erinnert er sich. Der gebürtige Gau-Algesheimer, der als Ausbildungsleiter der Industrielehrwerkstatt Trier berufsbedingt 1965 an die Mosel gekommen war, spielte für Mainz und Frankfurt in der Bowling-Bundesliga. Mit der Nationalmannschaft wurde er 1981 Team-Europameister – mit damaligem Europarekord.

„Seinerzeit habe ich sieben Tage die Woche trainiert, jeweils ein bis zwei Stunden“, erinnert sich Clemens. Wobei er es nicht übertrieb: „Bei der EM in Frankfurt hat uns unser Trainer morgens um fünf Uhr zum Laufen in den Wald geschickt. Als er mich einmal fragte, ob ich noch könne, sagte ich: ,Ja, aber ich will nicht.‘“

Manfred Clemens (mittlere Reihe, links) mit der deutschen Bowling-Nationalmannschaft bei der EM 1981. Foto: -

Bowlingspieler auf Clemens‘ damaligem Niveau konnten die eine oder andere D-Mark verdienen, ohne jedoch reich zu werden. „Es gab Kilometergeld, Trainingszuschüsse, die Übernahme von Übernachtungskosten und hier und da mal einen Fünfziger“, berichtet Clemens.

Als er nach Trier umgezogen war, begann er zunächst mit Kegeln. „Ich habe mich prima geschlagen. Wir haben als Team sogar um den Aufstieg gespielt. Doch meine Kumpel wollten nicht in eine höhere Klasse. Da bin ich beleidigt gegangen.“ Eines Abends kam er auf dem Weg zum Kino an der Bowlingbahn im Trierer Zentrum vorbei. Er kehrte ein – mit Erfolg: „Gleich am ersten Abend habe ich eine Flasche Sekt gewonnen.“

Was für Golfer das „Hole-in-one“ ist – also das Einlochen mit dem Abschlag, ist für Bowler das perfekte Spiel – also die Maximalausbeute von 300 Punkten aus zehn Durchgängen plus zwei Extrawürfen. Clemens hätte dies rund 20 Mal im Training schaffen können. „Doch ich habe dann immer den letzten Wurf daneben gesetzt. Denn ich wollte das perfekte Spiel in einem Wettkampf schaffen.“ Hat er dann auch – bei einer deutschen Mixed-Meisterschaft in München.

Beim EM-Titel erzielte Clemens im Schnitt 204 Punkte nach zehn Durchgängen. „Heute würde ich mich damit für keine große Meisterschaft mehr qualifizieren. Da braucht man schon einen Schnitt von 220 bis 240“, sagt er.  Bowling habe sich weiterentwickelt: „Es sind viel mehr Tempo und Rotationen mit im Spiel. Die Bälle haben veränderte Schwerpunkte und verbesserte Oberflächen, die das Öl auf der Bahn besser aufnehmen“, sagt Clemens, dessen Stärke die Genauigkeit war.

Seinen eigenen Ball hatte Clemens etwas aus den Augen verloren. Nach längerem Suchen hat er ihn beim TV-Besuch aber auf dem Speicher ausfindig gemacht. Clemens ist keiner, der Dinge von früher auf- und ausstellt. Urkunden und Medaillen aus seiner Bowling-Karriere liegen beim Sohn in Mayen.

Ein- bis zweimal im Jahr geht Clemens heute noch auf die Bowlingbahn – mit seinen Mitstreitern   im Bowling-Club (BC) Trier, dessen Vorsitzender der Ehranger ist. „Wir hatten mal bis zu 90 Mitglieder, jetzt sind es nur noch sieben“, stellt er ernüchtert fest. Bowling habe in der jungen Generation Fans, nicht aber unbedingt auf Vereinsebene. Clemens: „Früher musste es beim Bowling sehr ruhig sein. Heute dagegen ist es gerne schrill und laut.“