Der lange Weg zum Großmeister

Bernkastel-Kues · In zwei Jahren will er Schach-Großmeister sein: Der für Trier spielende Lev Yankelevich (17) hat ambitionierte Ziele. In der hochklassig besetzten Schach-Bundesliga hat der Schüler bereits gezeigt, warum er zu den größten Talenten in Deutschland gezählt wird.

 Der Bernkastel-Kueser Lev Yankelevich (17) zählt zu den größten deutschen Schachtalenten. TV-Foto: Andreas Feichtner

Der Bernkastel-Kueser Lev Yankelevich (17) zählt zu den größten deutschen Schachtalenten. TV-Foto: Andreas Feichtner

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Bernkastel-Kues. Keine Pläne? Nix zu tun? Langeweile? Damit kennt sich Lev Yankelevich eher nicht aus. Der Elftklässler am Nikolaus-von-Kues-Gymnasium hätte schon mit Schule und den Hobbys einen gut gefüllten Kalender: Er zockt gerne Basketball, spielt zudem Tischtennis in der ersten Mannschaft beim SV Zeltingen-Rachtig. Aber die Leidenschaft, in der er sich richtig verlieren kann, die ist eine andere. Lev spielt seit zwölf Jahren Schach. Das hatte ihm damals sein Großvater beigebracht, Opa Slava.
Lev kam als kleiner Junge mit seinen Eltern Igor und Olga aus dem russischen Kasan an die Mittelmosel. "Mit sechs oder sieben habe ich dann bei der SG Bernkastel-Kues/Traben-Trarbach angefangen, bei Markus Blesius und Alexander Laux", erinnert er sich. Zehn Jahre später zählt Lev Yankelevich zu den besten Nachwuchsspielern in Deutschland: So hat er kürzlich seine dritte Bundesliga-Saison in Trier hinter sich gebracht - in einer Liga, in der Stars wie Magnus Carlsen oder Anatoli Karpov spielten oder noch spielen. "Ich habe in Trier viel gelernt", sagt Lev Yankelevich, der die Saison beim Fünften der Bundesliga mit einer positiven Bilanz abschloss (3 Siege, 4 Remis, 2 Niederlagen). Zu seinen Trainern gehörte SG-Teamkollege Pawel Jaracz, ein polnischer Großmeister.
Gespielt wird dann übers Internet, via "Skype", kommuniziert überwiegend in Russisch. "Mein Trainer Alexei Skibaev lebt in Kasan. Er schickt mir täglich Aufgaben, die ich lösen muss. " Wie lange er am Brett sitzt? Unterschiedlich. "Ich versuche, jeden Tag zwei Stunden zu trainieren", sagt er.
Die Spiele dauern gern mal vier, fünf Stunden. "Mein längstes Spiel hatte ich vor zwei Jahren bei der Deutschen Meisterschaft. Das dauerte siebeneinhalb Stunden - und endete Remis."
Bei den U18-Meisterschaften in Willingen galt Yankelevich als Titelanwärter. Er verlor zwar keine Partie, musste sich aber mit Platz vier zufriedengeben. Damit verpasste er die direkte Qualifikation für die EM und WM. "Für eine Treppchenplatzierung war\'s ein Remis zu viel", sagt er. Europa- und Weltmeisterschaft sind für ihn aber nicht abgehakt. "Wahrscheinlich werde ich noch einen Antrag stellen. Die Chancen auf eine Teilnahme würden dann sehr gut aussehen, da ich bei der WM mit meiner Elo-Zahl unter den ersten 20 gesetzt wäre."
Vielleicht hat der Schüler dann schon seinen ersten Schachtitel. Bei einem Turnier in den Sommerferien kann er die Norm knacken, die ihm zum "Internationalen Meister" noch fehlt. Lev denkt schon weiter: "Ich wäre gerne in zwei Jahren Großmeister." Beim Berufsziel ist er dagegen noch unentschlossen - reine Schachprofis gibt es weltweit nur wenige. "Ich will auf jeden Fall studieren", kündigt er an. "Aber ich weiß noch nicht genau, was."Extra

Junioren-DM in Willingen: Lev Yankelevich (17, SG Trier) wurde bei den U18-Junioren ohne Niederlage Vierter (3 Siege, 6 Remis). Er stand auf Platz zwei der Setzliste. Auch sein Bruder Michael Yankelevich (U12, SG Bernkastel-Kues) blieb im Sauerland ohne Niederlage - sogar in elf Partien. Mit 5 Siegen und 6 Remis belegte er unter 92 Teilnehmern den sechsten Platz. Ein gute Platzierung erreichte auch Charlotte Sanati (SG Trier, Zweite der Setzliste) bei den Unter-14-Jährigen: Sie verpasste als Vierte knapp das Podium (sechs Siege, kein Remis, drei Niederlagen). Internationaler Meister: Der Titel wird vom Weltschachbund FIDE auf Lebenszeit verliehen, dabei sind mehrere Kriterien zu erfüllen. So muss die Elo-Zahl (Wertungszahl) über 2400 liegen. AF