Der richtige Schwung

Das Jahr 1900: Krocket ist olympische Disziplin, während ein anderer recht neuer Rasensport aus England in Deutschland verächtlich als "Fußlümmelei" bezeichnet wird. Der Stellenwert von Krocket und Fußball hat sich seitdem verändert. Der in der Eifel wohnende Engländer John Swabey will den Präzisionssport Krocket in der Region etablieren. Dazu hat er in Gransdorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm) einen Verein gegründet.

Trier/Bitburg. Dem guten, alten Holzhammer haben sie übel mitgespielt - zumindest in der deutschen Sprache. Wenn er mal wieder zuschlägt, heißt das: es geht besonders grobschlächtig zur Sache, plump, primitiv. Die Cindy aus Marzahn unter den Werkzeugen.
Der Sport, bei dem ein Holzhammer eine schlagende Rolle spielt, hat mit derlei Dumpfheit nichts zu tun. Für den deutschen Verband ist Krocket schlicht "the queen of games", das sagt die Infobroschüre. Wie das königliche Spiel aussieht, will der Engländer und Wahl-Eifeler John Swabey dem TV-Reporter live zeigen. Er ist deutscher Nationalspieler und war vor einigen Wochen bei der Team-Weltmeisterschaft im Golf-Krocket für Deutschland im Einsatz.
Allerdings muss er improvisieren. "Es gibt keinen richtigen Krocketplatz in der Nähe", sagt Swabey bei der Terminabsprache am Telefon. "Der nächste ist in Höhr-Grenzhausen. Ich schlage vor, wir gehen auf den Golfplatz." Der ist zwar naturgemäß nicht so flach wie ein Krocketplatz sein müsste. Aber dafür ist der Rasen des Putting Greens in Wißmannsdorf perfekt. Swabey, der seit gut einem Jahr in Gransdorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm) wohnt, hat sich zum Treffen einen Vereinskollegen mitgebracht, Andelko Bozanovic. Der verblüfft den Reporter auf dem Weg vom Parkplatz zum Putting Green gleich mit seiner ersten Aussage. "Ich habe noch nie Krocket gespielt!" Und was macht er im von Swabey neu in der Südeifel gegründeten Krocket-Verein? "Ich spiele Gateball." Der japanische Volkssport basiert auf Krocket, ist aber nicht so wählerisch, was die Platzbedingungen betrifft. "Gateball können wir auch in der Halle spielen." Auch die Regeln, die Platzmaße, das Material seien ein bisschen anders.
John Swabey baut schon mal die sechs Bügel auf, durch die die farbigen Bälle geschlagen werden müssen. Ziemlich schnell nach seinem Umzug von Belgien in die Eifel hat Swabey einen Sportverein gegründet, "Süd-Eifel Krocket und Gateball". Er stellt den Sport an Schulen vor, richtet europaweit Turniere aus, spielt in der deutschen Nationalmannschaft. Aber Krocket bleibt ein Nischensport. "Es gibt nur etwa 50 im Verein aktive Krocket-Spieler in Deutschland", sagt der gebürtige Südengländer, der die einstige olympische Sportart vor 40 Jahren als junger Mann in Birmingham kennen- und lieben gelernt hat.
Ein Dutzend Mitglieder hat der Club, Tendenz steigend. Aber Swabey ist weiterhin der einzige, der Krocket spielt. Alle anderen setzen auf Gateball. So war Andelko gerade auf einem internationalen Turnier in Frankreich. Der Reiz sei nicht nur der internationale Vergleich, der sportliche Wettbewerb, sagt er: Man lerne so viele interessante Menschen kennen.
Aber was macht Krocket aus? Präzision sei wichtig, eine gute Hand-Auge-Koordination, sagt Swabey, der die Variante "Golf-Krocket" spielt. Dort werden die Bälle abwechselnd gestoßen. Anders als bei der älteren Disziplin "Association Crocket". Viel Kraft braucht man nicht, nur viel Gefühl - und auch Taktik: Schließlich kann man dem Gegner mit Geschick eine gute Ausgangsposition verbauen. Ein Holzhammer wird zwar traditionell verwendet, "Mallet" genannt. Swabey setzt aber lieber auf einen modernen Schläger aus Karbon und Fiberglas.
Bei der Team-WM in Bath spielte Swabey in der zweiten Division mit drei Kollegen in der deutschen Nationalmannschaft. "Wir wurden Vierter unter acht Mannschaften", erzählt Swabey. Weltmeister wurde Neuseeland.
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Extra

Krocket zählt zu den strategisch und technisch anspruchsvollen Rasensportarten. Benötigt werden Geschick, Konzentration und Ballgefühl. Der Sport, der 1851 in Großbritannien entwickelt wurde, ist für alle Altersklassen geeignet. Gateball: Die Sportart basiert auf Krocket. Sie wurde 1947 in Japan konzipiert, wo das Spiel schnell zum Volkssport wurde - rund sechs Millionen Japaner spielen Gateball. Vor allem als Seniorensport ist Gateball beliebt, weil der Sport fit hält, aber körperlich nicht allzu anstrengend ist. red