"Der Sport darf nicht für politische Zwecke missbraucht werden"

"Der Sport darf nicht für politische Zwecke missbraucht werden"

Hinfahren oder wegbleiben? - Über Sinn und Unsinn eines möglichen Boykotts der Paralympischen Winterspiele hat TV-Redakteur Rolf Seydewitz mit dem Sportbischof der Bischofskonferenz, dem Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters, gesprochen.

Vor dem Hintergrund der Situation auf der Krim mehren sich die Stimmen, die einen Boykott der Paralympischen Spiele fordern. Was ist Ihre Meinung?Peters: Ein Boykott macht nur Sinn, wenn sich eine große Mehrheit dazu durchringen kann. Ich beobachte, dass viele Regierungsvertreter der an den Spielen teilnehmenden Nationen deutlich gemacht haben, nicht nach Sotschi zu fahren. Hoffen wir, dass sich die Situation auf der Krim nicht zuspitzt. Wenn Putin vernünftig bleibt, wäre das umso schöner. Aber zunächst hat bei den Spielen der Sport seinen Raum. Dass das aber kein unpolitisches Geschehen bleibt, ist jedem klar, der sieht, mit welchem Hype die Spiele betrieben werden. Ich gönne aber den Aktiven den Spaß an den Spielen. Sind Sie nicht der Ansicht, dass Putin den Sport instrumentalisiert?Peters: Sport ist schon ein Ereignis, das immer noch große Menschenmassen anzuziehen vermag. Aber der Sport darf nicht dazu missbraucht werden, zu politischen Zwecken herhalten zu müssen; das war bisweilen im Umfeld von Sotschi schon der Fall. Inwieweit können Sie die Athleten verstehen, die nicht gerade froh darüber sind, dass nun erneut die Politik und nicht das Sportliche im Vordergrund steht?Peters: Die gerade zu Ende gegangenen Winterspiele haben ja gezeigt, dass die Wettkämpfe auf großes Interesse gestoßen sind. Die hohen Einschaltquoten haben mich überrascht. Dass die politischen Rahmenbedingungen mitgelaufen sind wie eine tickende Uhr, ist selbstverständlich. Auch für die Paralympics gilt: Jetzt sollte das Augenmerk vor allem auf den sportlichen Wettkampf gelegt werden. Und bei der dann anstehenden Nachlese muss auch noch einmal kritisch über die politischen Rahmenbedingungen der Spiele diskutiert werden. sey

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