"Der Sportgroschen ist nicht mehr zeitgemäß"

"Der Sportgroschen ist nicht mehr zeitgemäß"

Die Sportvereine der Region werden sich in Zukunft an veränderte finanzielle Bedingungen im Sportbund Rheinland (SBR) gewöhnen müssen. Die Versammlung des SBR hat beschlossen, den so genannten Sportgroschen abzuschaffen.

Trier. "Der Sportgroschen ist nicht mehr zeitgemäß!" SBR-Präsident Fred Pretz brachte es unter Tagesordnungspunkt neun vor den über 400 Delegierten knapp, aber präzise auf den Punkt.
"Sportgroschen", das klingt nach einer misslungenen Zweckheirat zwischen Turnvater Jahn und "Soli" für den Aufbau Ost. Gestaffelt nach Größe des jeweiligen Vereins, war diese finanzielle Abgabe seit Jahren ein Bestandteil der Beitragsrechnung im Sportbund. Die Kassierer in den Vereinen von Eifel, Mosel, Saar und Hunsrück werden sich also umstellen müssen. Was aber bedeutet der Punkt "Abschaffung des Sportgroschens bei gleichzeitiger Erhöhung der Mitgliedsbeiträge" für die meist ohnehin ziemlich klammen Vereine? Für in Jahrzehnten gewachsene, soziale Strukturen vom Schlage eines SV Nirgendwo und eines TuS Überall, die sich in der strukturschwachen Region gegen den Trend zu Fitness-Studio, Power-Walking, Halfpipe und Free-climbing durchsetzen müssen? Die bisher praktizierte Form der "Vereinsumlage für soziale Sporthilfe", (Sportgroschen) werde mittlerweile vom Sportversicherungsvertrag abgedeckt. Diesen offensichtlichen Anachronismus, so Pretz, wolle man deshalb beenden, und den Sportgroschen in einen Pro-Kopf-bezogenen Mitgliedsbeitrag umwandeln.
Um keine Verluste davon zu tragen, benötige der Sportbund Rheinland nach einer aktuellen Berechnung einen zusätzlichen Mitgliedsbeitrag "über alle Vereine hinweg" von etwa 22 Cent. Das vorgeschlagene - und von der Versammlung auch ohne Diskussionen abgenickte - Prozedere sieht nun vor: Aus organisatorischen Gründen wird im laufenden Jahr noch nichts verändert. Für 2015 und 2016 soll der Mitgliedsbeitrag um 20 Cent von 40 auf 60 angehoben werden. Ab 2017 strebe der SBR einen Mitgliedsbeitrag von 70 Cent pro Mitglied an. jüb
Extra

Eingeführt wurde der Sportgroschen in den 1950er Jahren vom Deutschen Fußballbund (DFB). Er wurde zusätzlich auf jede einzelne Mark einer Eintrittskarte erhoben und an das Sozialwerk des DFB abgeführt. Sein Sinn war es, Familien und Einzelpersonen, die Fußballvereinen angehörten und unverschuldet in wirtschaftliche Not geraten waren, schnell und unbürokratisch helfen zu können. Der Sportgroschen wurde später von anderen Verbänden wie dem Sportbund Rheinland zum gleichen Zweck übernommen. jüb