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Der SV Eintracht Trier und sein schlimmster 5:0-Sieg aller Zeiten

Der SV Eintracht Trier und sein schlimmster 5:0-Sieg aller Zeiten

Ein Tor, das zum Aufstieg oder zum Klassenerhalt fehlt? Das ist Eintracht Trier nicht fremd. Vor exakt 25 Jahren profitierte der starke FSV Salmrohr am letzten Oberliga-Spieltag von einem 5:0-Sieg (!) der Trierer und einem Wormser Rückzug. Die Geschichte eines kuriosen Spieltags.

Trier/Salmrohr. Ein 5:0 kann brutal sein. Meistens gilt das für das Verliererteam. 16. Mai 1986, kurz vor halb neun abends: Eintracht Trier hat das letzte Saisonspiel in der Oberliga Südwest hinter sich gebracht. Ein locker-leichter Fünferpack gegen Absteiger Eisbachtal. Aber allmählich macht sich Unbehagen im Moselstadion breit. Reicht das, um Platz zwei zu halten, der zumindest die Qualifikation für die Amateur-Meisterschaft bedeutet? Reichen die fünf Tore von Harald Kohr (2), Achim Wilbois, Frank Müller und Lidio Alves-Silva? Der FSV Salmrohr liegt im Windschatten. Punktgleich. Und beim Torverhältnis nur um einen Treffer schlechter. Erst eine Woche zuvor hat die Eintracht den Rivalen aus dem Salmtal überholt.
Handys, Blitztabelle, Konferenzschaltung - diese Begriffe sind 1986 noch nicht erfunden. Aber irgendwann dringt die Kunde aus Saarbrücken-Dudweiler, wo Salmrohr gespielt hat: Der FSV gewinnt - 6:0! Kapitän Klaus Toppmöller hat kurz vor Schluss einen Elfmeter verwandelt. Damit ziehen die Salmtaler bei gleichem Tor- und Punktverhältnis dank mehr Toren vorbei - Salmrohr: 78:31, Trier: 77:30. Wenige Wochen später landet der FSV als kleinste Gemeinde aller Zeiten in der zweiten Liga.
Das war am letzten Spieltag aber noch kein Thema, sagt Herbert Herres, damals beim FSV, und ab dem Sommer U19-Trainer bei Eintracht Trier. "Für uns ging es in Dudweiler nur um Platz zwei. Erster war ja Worms mit einem Punkt Vorsprung. Die haben ihr Heimspiel wie erwartet gewonnen. Erst am Tag nach dem Spiel haben wir gehört, dass die Wormatia nicht an der Aufstiegsrunde zur zweiten Bundesliga teilnehmen würde." Keine allzu besondere Partie also, findet Herres. Obwohl die Statistik etwas anderes sagt: Herres wurde eingewechselt (20.), schoss das 5:0 (71.) und wurde wieder ausgewechselt (82.). Seine Erklärung: "Mittags hatte ich noch mit der Polizei-Auswahl in der Pfalz gespielt." Durch den Rückzug von Worms schafften es die damals wie heute von Robert Jung trainierten Salmrohrer in die Zweitliga-Qualifikation - und ließen als Außenseiter vom Dorf überraschend Kickers Offenbach, Ulm und 1860 München hinter sich. "Wir hatten absolut keinen Druck", sagt Herres. "Das hat wohl den Unterschied gemacht."
Salmrohr, Trier und Worms waren damals absolut gleichauf, im ständigen Duell um Platz zwei im Land hinter Kaiserslautern. Der FSV und die Eintracht setzten praktisch ausschließlich auf Spieler aus der Region. Die Aufstellungen lesen sich wie eine "Best of"-Ausgabe des regionalen Fußballs - Roth-Lebenstedt, Brinsa, Lüders, Klodt, Jochem, Regneri, Dahler, Dubois, Wilbois, Leiendecker, Kohr, Müller & Co. (alle Eintracht Trier) und Edgar Schmitt, Toppmöller, Herres, Wahlen, Kartz, Weyland oder Schömann in Salmrohr. Der FSV blieb nur ein Jahr in der zweiten Liga. Trier wurde 1987 Oberliga-Meister, scheiterte aber knapp in der Aufstiegs-Relegation.