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Der Traum vom nächsten Märchen

Der Traum vom nächsten Märchen

Außenseiter gegen Millionentruppe: Mittelfeldspieler Jakob Dallevedove (25, aus Wiltingen) tritt am Dienstag mit dem luxemburgischen Meister CS Fola Esch in der Champions-League-Qualifikation gegen Dinamo Zagreb an.

Trier/Esch. Fußball-Märchen können kitschig klingen. Dieses etwa: Es war einmal … der älteste Club des Landes, fünf Meistertitel auf dem Briefkopf, der letzte datiert etwa aus der mittleren Kreidezeit. Ausgerechnet im Spiel beim großen Stadtrivalen, dem Rekordmeister, feiert der Verein den sechsten Titel - mit einem 5:1-Sieg. Es folgt ein Triumphzug, eine Woche Nonstop-Party mit Tausenden Fans, eine wahre Endorphin-Parade …
Vergessen Sie den letzten Satz, das war der Märchenteil, aber der Rest stimmt. Ende Mai feierte Altmeister CS Fola Esch nach dem 5:1 bei Jeunesse den ersten Meistertitel nach 83 Jahren. Mittendrin: der Wiltinger Jakob Dallevedove, Stammspieler bei Fola, früher bei Eintracht Trier.
Premiere in der Königsklasse


"Das war schon eine tolle Erfahrung", erinnert sich der 25-Jährige, der beim Club in seine vierte Saison geht. Schon, weil Fola zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in der Champions-League-Qualifikation antreten wird. "In der Europa-League-Qualifikation habe ich schon gespielt. Da sind wir gegen den schwedischen Verein Elfsborg ausgeschieden", erzählt Dallevedove. Nun lockt die Königsklasse - auch wenn die Qualifikation für die luxemburgischen Amateure kaum zu packen sein dürfte. "Vor der Auslosung hatte der Trainer angekündigt, dass wir die Runde überstehen müssen. Mit Dinamo Zagreb haben wir aber einen der schwersten Gegner erwischt", sagt "Dalle". Am Dienstag steht das Hinspiel an. In Differdingen (19.30 Uhr), weil das Heimstadion in Esch nicht die Uefa-Anforderungen erfüllt. Eine Woche später geht es in die kroatische Hauptstadt.
Einst mit Neuer im Team


Da gibt\'s eine Mini-Schnittmenge: Dinamo-Sportdirektor Zoran Mamic und Dallevedove waren 2004/05 gemeinsam bei der Eintracht. Dallevedove schoss die Trierer mit einem entscheidenden Tor in die A-Junioren-Bundesliga. Mamic war allerdings wenige Wochen zuvor mit den Profis aus der zweiten Liga abgestiegen. Dallevedove wechselte 2006 zu Schalke 04 II. Dort kam er zwar zu keinem "offiziellen" Profi-Einsatz; der folgte später bei einem Intermezzo beim Zweitligisten Ingolstadt. Er weiß aber, wie es bei den Topclubs wie Schalke läuft. "Ich habe einige Wochen mit der ersten Mannschaft trainiert. Manuel Neuer stand auch ein paar Mal bei uns in der U23 im Tor."
Wie Schalke einen Meistertitel nach einem entscheidenden Sieg in Dortmund feiern würde? Das kann man sich in etwa ausmalen. In Esch geht es sehr viel betulicher zu. Eine große Fanszene hat Fola weiterhin nicht. So vergleichen manche den Verein mit einer luxemburgischen Version von Hoffenheim. Das mag am Sponsor liegen oder an der Tatsache, dass der lange in der zweiten Liga verschollene Verein seit einigen Jahren vergleichsweise viel Geld in die Hand nimmt. Die Rot-Weißen haben mit Jeff Strasser (früher FCK und Mönchengladbach) den prominentesten Trainer der Liga. "Das sind doch nur Neider", sagt Alessandro Alunni. Fola habe schließlich Tradition, als ältester Club Luxemburgs. Der Luxemburger U21-Nationalspieler ist Teamkollege von Dallevedove - und künftig auch Wahl-Trierer: als BWL-Student. Dallevedove peilt ein Fernstudium an. Denn trainiert wird nur abends - so müssen die meisten Spieler für den Kroatien-Trip Urlaub einreichen. Schon von daher wäre ein Weiterkommen märchenhaft. Aber vielleicht ist nach dem Märchen ja auch vor dem Märchen.

Extra

CS Fola Esch: Jakob Dallevedove ist der einzige Deutsche im Kader des luxemburgischen Meisters CS Fola. Mit Alen Milak und Tom Schnell stehen dort zwei weitere frühere Eintracht-Trier-Spieler unter Vertrag. In der Champions-League-Qualifikation trifft Fola auf Dinamo Zagreb. Im vergangenen Jahr sorgten die Düdelinger Amateure für Furore, als sie RB Salzburg aus der Königsklasse warfen. AF