Die Bachelor-Arbeit vor Augen, Brasilien im Sinn

Die Bachelor-Arbeit vor Augen, Brasilien im Sinn

Für den Trierer Richard Schmidt war es das Sahnehäubchen nach knallharten und ereignisreichen Monaten. Dass er mit den Kollegen des Ruder-Achters zu Deutschlands Sport-Team des Jahres gekürt wurde, war für ihn keine Selbstverständlichkeit. Nun will er sich nicht mehr einem so extremen Druck wie zuletzt aussetzen.

Baden-Baden/Trier. Die Ungewissheit blieb fast bis zum Schluss. Die Zweifel, ob es tatsächlich reicht. Vor wenigen Tagen landete der Ruder-Achter bei der Wahl zu den Sportlern des Jahres in Nordrhein-Westfalen "nur" auf Platz drei - hinter dem Beachvolleyball-Duo Julius Brink/Jonas Reckermann und dem Hockey-Nationalteam der Männer.
Und nun? Bei der Wahl zu Deutschlands Besten, bei der nicht Fans, sondern 1500 Sportjournalisten abgestimmt haben, sprang Rang eins heraus. Mit einem komfortablen 400-Punkte-Vorsprung auf die Beach-Boys. Schmidt und Co. endlich ganz oben. Nach den Plätzen drei, zwei und drei in den Vorjahren. "Das ist schon ein geiler Abschluss. Es ist sehr cool, von Experten auf Platz eins gewählt worden zu sein", jubelte Schmidt im TV-Gespräch nach der Ehrung im Béna zet-Saal des Kurhauses Baden-Baden.
Im gleißenden Scheinwerferlicht präsentierte sich der Ruder-Achter auch äußerlich sichtbar als Einheit. Dunkle Sakkos, dazu die grün-weiße Krawatte in den Farben des Hauptsponsors. Anfangs fand Schmidt die markante Farbkombination nicht so prickelnd. Inzwischen hat sich der Ruderer des RV Treviris Trier mit ihr angefreundet. "Die Krawatten sind zu einem Alleinstellungsmerkmal geworden."
Aus Sicht des 25-Jährigen hat der grandiose, hart erkämpfte Olympiasieg am 1. August auf dem Dorney Lake in Eaton den Ausschlag dafür gegeben, dass das deutsche Ruder-Flaggschiff zum siebten Mal in der inzwischen 66-jährigen Geschichte der Sportlerwahl ganz oben in der Rangliste landete. Für Schmidt war es ein brillantes, aber auch enorm kräftezehrendes Jahr. Eines, in dem er auch gesundheitlich einiges durchmachen musste.
Uni-Klausur vor Weihnachten


Über Weihnachten wird er zu Hause bei der Familie in Trier ein paar Tage durchschnaufen. Doch noch kann er nicht abschalten. Am Mittwoch steht an der Uni Dortmund noch eine Klausur an. Das Thema: Mikroökonomie. Schon gestern Nachmittag, kurz nach der Rückkehr vom glamourösen Abend in Baden-Baden, wollte sich der Student des Wirtschaftsingenieurwesens in seiner Lerngruppe den letzten Schliff für die Prüfung holen.
2013, im Sommer, will er dann seine Bachelor-Arbeit schreiben. "Zunächst muss ich noch ein Praktikum machen, im Februar und März folgen weitere Klausuren."
Parallel wird er weiter rudern. Am Limit, auch wenn er sich nicht mehr so extrem unter Druck setzen will wie in den vorolympischen Monaten. Kurzfristig steht die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Südkorea an. "Da ist es mir egal, ob ich im Zweier, Vierer oder Achter sitze." Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro will er aber auf jeden Fall im Achter seinen Titel verteidigen. Dann wird im Vorfeld das Trainingspensum wieder kräftig steigen. Zurzeit hat er es reduziert. Auf "lediglich" elf bis zwölf Einheiten pro Woche ... bl
Extra

Lilli Schwarzkopf sollte am Sonntag abend noch mehr Überraschungen erleben als ihren dritten Platz bei der Wahl zu Deutschlands "Sportlerinnen des Jahres." Vor versammeltem Publikum machte ihr Georg Gruschinski zu selbst vorgetragenen romantischen Gitarrenklängen und vor seiner Angebeteten kniend einen Heiratsantrag. "Bei einem solchen Antrag konnte ich doch nur Ja sagen", gab Schwarzkopf gerührt zu Protokoll. red