Die Deutschland-Rallye steht auf der Kippe

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Vieles deutet darauf hin, dass der Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft an der Mosel nun zum letzten Mal ausgetragen wird.

Seit 2002 hat die ADAC-Rallye- Deutschland den Status eines Laufs zur Rallye-Weltmeisterschaft. Vom 22. bis 25. August wird der deutsche WM-Lauf auch nach dem Wegzug der Veranstaltung aus Trier ins Saarland zum großen Teil auf Wertungsprüfungen an der Mosel ausgetragen. Doch in der kommenden Woche könnte die letzte „Deutschland“ mit WM-Status über die Bühne gehen.

Das Lieblingskind von ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk steht mächtig auf der Kippe – weil sich die Promoter der World-Rally-Championship  (WRC) und des  Weltautomobilsport-Verbands FIA seit Monaten nicht über den Kalender für das kommende Jahr einigen können. Fest steht bisher nur: Die WRC soll in Zukunft noch globaler  aufgestellt sein. Nachdem Chile bereits neu hinzukam, werden  – aus zweierlei Gründen – Kenia und Japan das Angebot 2020 bereichern. Gleichzeitig soll es bei der Anzahl von 14 WM-Läufen bleiben.

Demzufolge ergeben sich zwei Streichkandidaten. Die von Fahrern und Teams beiderseits geschmähte „Korsika“ hat für das kommende Jahr bereits einen Rückzieher gemacht. Danach soll der französische Lauf wieder auf dem Festland ausgetragen werden. Wohl und Wehe der „Deutschland“ hängt nun von der Reaktion aus der Türkei ab. Sollte der Premieren-Lauf  am Bosporus dort Appetit auf weitere WRC-Läufe geweckt haben, dürfte es um die Zukunft der „Deutschland“ schlecht bestellt sein. Noch aber haben sich die Türken (offiziell) nicht geäußert. Mit einer Entscheidung wird in jedem Fall noch vor dem Start der nationalen Wettkämpfe Ende des Monats gerechnet.

Der Lauf in Kenia („Safari-Rallye“)  lässt sich mit grandiosen Bildern  von   Kilimandscharo und  Massai top vermarkten. Mit neuen, bisher noch nicht akquirierten, Partnern. An Japan führt kein Weg mehr vorbei, seit  der Rennsport-begeisterte Toyota-Chef Akio Toyoda auf einen WRC-Lauf vor der Haustür drängt. FIA-Präsident Jean Todt hat die Idee eines Rotationsprinzips wieder aufleben lassen. Danach soll jeder Lauf zweimal in zehn Jahren aussetzen.  Die  ADAC-Zentrale in München lässt kurz vor dem Lauf im eigenen Land nichts verlauten. Dort gibt man sich zuversichtlich, dass die Rallye-WM weiter auf deutschem Boden Station machen wird. Im Fahrerlager ist das Thema „Deutschland“ ein zweischneidiges Schwert. Die meisten Piloten lieben die Veranstaltung wegen der Vielseitigkeit der Prüfungen, der guten Organisation und ihrer zentralen Lage. Der ostbelgische Hyundai-Werkspilot Thierry Neuville bezeichnet den deutschen WM-Lauf mit Prüfungen nur knapp 100 Kilometer von seiner Heimatstadt St. Vith entfernt „als meine Heimrallye“.

Kritik, egal in welche Richtung, wird es nicht geben. Die Fahrer der Werksteams von Citroen, Hyundai, Ford (M-Sport) und Toyota stehen auf der Honorar-Liste ihrer Hersteller. Dort wird in Absprache mit Promoter und FIA nach rein wirtschaftlichen Aspekten entscheiden. So ist es auch beim Deutschen Meister Marijan Griebel aus Hahnweiler im Hunsrück. Der 30-Jährige nimmt  nach seinem privaten WRC-Einsatz 2018 in diesem Jahr beim deutschen WM Lauf  in der WRC2-Kategorie für Skoda Auto Deutschland in einem krachneuen Fabia R5 evo Platz. Navigiert wird er nicht mehr von seinem langjährigen Trierer Co-Piloten Alexander Rath, sondern von Beifahrer Stefan Kopczyk, mit dem er auch die Rallye-Europameisterschaft  bestreitet. „Durch den Start unter dem Dach von Skoda-Auto-Deutschland ist in diesem Jahr alles noch etwas spezieller“, sagte er dem TV.  Er freue sich vor allem „auf die Duelle mit der Weltspitze um Top-Platzierungen.“

Ein nach eigener Formulierung „gespaltenes Verhältnis“ hat seit dem Wegzug der Rallye 2016 von Trier ins Saarland  Manfred Kronenburg, der als Organisator des „Deutschland“-­Gastspiels in Trier und der Region lange Jahre ganz nah dran war. „Für die Fans und  die Region wäre das Aus als WM-Lauf sowohl sportlich wie wirtschaftlich sehr schade und hätte weitreichende Folgen. Für die Autonation Deutschland wäre es zudem ein Tiefschlag.“ Einer möglichen Rotation steht er skeptisch gegenüber. „Sobald das anfängt zu verwässern, werden die Widerstände größer und die Stimmen dagegen lauter.“ Dass neben den spektakulären Prüfungen an der Mosel und auf der Panzerplatte die Strecken im Saarland kein WRC-Niveau aufweisen, sieht er mit gewisser Genugtuung. „Ohne Mosel-WP‘s geht es nicht. Auch die Power Stage wird ja in diesem Jahr wieder an der Mosel gefahren.“

Dass Promoter und FIA  Live-Bilder aus  Kenia einem Rundkurs im Saarland vorziehen, sieht er mit der ihm eigenen beißenden Ironie: „Den Kilimandscharo kannst du verkaufen, den Schulhof in St. Wendel nicht.“