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Die "Grande Dame" des deutschen Bobsports will es noch einmal wissen

Die "Grande Dame" des deutschen Bobsports will es noch einmal wissen

Neunmal in Folge hat Bobfahrerin Sandra Kiriasis den Gesamtweltcup gewonnen. Das zehnte Mal blieb ihr im vergangenen Jahr versagt. Kein Grund für die 37-Jährige, das Vorhaben nicht doch noch umzusetzen.

München. Die silberne Kette mit dem kleinen Zweierbob-Anhänger baumelt um den Hals von Sandra Kiriasis, als sie die entscheidenden Worte ausspricht. "Ich baue auf das Motto: Ein guter Wein wird gut im Alter", sagt die 37-Jährige. Die "Grande Dame" des deutschen Bobsports weiß vor dem Start in die vorolympische Saison am Freitag in Lake Placid (USA) genau um ihre spezielle Situation. Ihr im Vergleich zur Konkurrenz fortgeschrittenes Alter hält sie aber nicht davon ab, den zehnten Gesamtweltcup-Sieg in Angriff zu nehmen. Im Gegenteil.
Die Entthronung im vergangenen Winter nach neun Titeln in Folge hat Kiriasis schon lange abgehakt. Von der "magischen Zehn" will die gebürtige Dresdnerin zwar "nichts hören. Es waren ja auch schon die magische Drei bis Neun", sagt sie lachend. Hinnehmen aber würde sie ein Jahr vor dem krönenden Abschluss in Sotschi die Bob-Krone sicherlich. "Es ist einfach schön, zu gewinnen und oben zu stehen", sagt sie mit Blick auf die letzten zwölf Jahre mit vier WM-Titeln. Denn dieses Gefühl hatte Kiriasis viel zu lange nicht mehr.
Die Erfahrung ausspielen


Drei zweite, zwei dritte Plätze, im Gesamtklassement Rang drei lautete die durchwachsene Bilanz im letzten Winter. Bereits nach dem "so was von blöden" siebten Platz im dritten Saisonrennen in Winterberg musste sich Kiriasis vom Traum des zehnten Serien-Titels verabschieden. In Gesamtweltcup-Siegerin Cathleen Martini (Oberbärenburg) und der zweitplatzierten Anja Schneiderheinze (Winterberg) ist die Konkurrenz im eigenen Lager inzwischen immens. Kiriasis hofft in diesem Jahr daher auf die anspruchsvollen Bahnen wie etwa in Lake Placid. Denn dort konnte sie mit WM-Silber zum Saisonabschluss den vergangenen Winter ein wenig entschädigen.
"Ich bin schon ein altes Mädchen", sagt die routinierte Sportsoldatin: "Deshalb muss ich mit den Erfahrungen an den Lenkseilen meine schwachen Startzeiten wettmachen." Auf Kursen wie der ruppigen Olympiabahn von 1980 und den weiteren Übersee-Stationen in Park City und Whistler ist das einfacher als auf den vergleichsweise leichteren Bahnen in Europa.
Kribbeln in "Fingern und Po"


Lust und Motivation haben ohnehin kein bisschen gelitten. Auch diesen Sommer quälte sich Kiriasis im Sprint- und Krafttraining. Zwar könne sie ihrem Körper "nicht mehr ganz so hohe Umfänge antun", sagt sie: "Das bewusste Training aber ist perfekt, um mein Niveau zu halten." Dass mit der in der vorigen Woche an der Bandscheibe operierten Petra Lammert Kiriasis\' Hauptanschieberin die ganze Saison lang ausfallen wird, war zunächst ein kleiner Schock. Auch mit Berit Wiacker aber kann Kiriasis wieder zur Sieg-Fahrerin werden: "Es kribbelt jetzt schon in Fingern und Po."

Für Bundestrainer Christoph Langen ist die Sache sowieso klar. "Jeder, der bei uns im Weltcup startet, muss die Chance haben zu gewinnen", sagt er. Der 50-Jährige glaubt an Kiriasis genauso wie an die beiden weiteren Pilotinnen. Und was nach der ersten sieglosen WM seit 13 Jahren beim Saisonhöhepunkt in St. Moritz heuer das Ziel ist, muss der Chefcoach nicht extra erklären. Kiriasis will die Initialzündung nicht wie im Vorjahr erst bei der WM finden. Denn auch wenn sie nicht "magisch" ist, sagt die 43-malige Weltcup-Siegerin: "Schön wäre die Zehn schon. Und vielleicht auch die Elf. Und die Zwölf ..."