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Die Kunst, sich noch mal aufzuraffen

Um sich auf die Duathlon-Langdistanz-Weltmeisterschaften im schweizerischen Zofingen vorzubereiten, hat Irmgard Lütticken den Nürburgringlauf mit seinen vielen Steigungen genutzt. Mit Erfolg: In der Eifel hat sie nebenbei die Wertung in ihrer Altersklasse W 50 gewonnen. TV-Foto: Holger Teusch
Um sich auf die Duathlon-Langdistanz-Weltmeisterschaften im schweizerischen Zofingen vorzubereiten, hat Irmgard Lütticken den Nürburgringlauf mit seinen vielen Steigungen genutzt. Mit Erfolg: In der Eifel hat sie nebenbei die Wertung in ihrer Altersklasse W 50 gewonnen. TV-Foto: Holger Teusch
Zofingen/Bitburg. Duathlon ist eine Sportart wie gemacht für Irmgard Lütticken vom Verein Tri Post Trier. Bei den Langdistanz-Weltmeisterschaften in Zofingen in der Schweiz siegte die 51-Jährige aus Bitburg in ihrer Altersklasse. Holger Teusch

Zofingen/Bitburg. Es ist kein ungewöhnliches Bild: Nach manchem Zehn-Kilometer-Volkslauf in der Region stehen die Sportler zusammen und diskutieren über die Ergebnisse. Manche setzen sich nach der Anstrengung auch einfach auf den Boden. Ein bisschen so ging es auch Irmgard Lütticken beim Powerman-Duathlon in Zofingen in der Schweiz. Nur, dass die 51-Jährige nach dem ersten knapp zehn Kilometer langen Lauf auch schon 150 Kilometer Fahrrad gefahren war.
"Als ich in der zweiten Wechselzone war, hätte ich auch sitzen bleiben können", sagt Lütticken. Natürlich sei sie müde gewesen. Aber genau das sei ja die Kunst beim Duathlon: Nach jeder Teildisziplin gegen die Erschöpfung anzugehen, sich noch einmal aufzuraffen für den nächsten Abschnitt.
Das gelang Lütticken bei ihrer sechsten Teilnahme am weltweit wohl populärsten Ausdauerzweikampf erneut hervorragend. "Da war kein Gedanke ans Aufgeben. Sondern der Wille, auch die nächsten 30 Laufkilometer zu schaffen. Man ist ja da, um im Ziel anzukommen", erklärt die in Wittlich aufgewachsene Winzertochter.
Von Anfang an hatte sie in ihrer Altersklasse W 50 (Geburtsjahrgänge 1960-64) in Führung gelegen. Schon nach dem ersten Lauf, bei dem rund 250 Höhenmeter überwunden werden mussten, hatte Lütticken fast fünf Minuten Vorsprung. Auf der Radstrecke baute sie ihre Führung auf die Niederländerin Monique Haans auf fast eine halbe Stunde aus. Beim abschließenden 30-Kilometer-Lauf mit mehr als 500 Höhenmetern und zu 70 Prozent über Waldwege blieb sie als einzige W-50-Starterin unter drei Stunden. Der Altersklassensieg und damit der Weltmeistertitel war nach 8:39,49 Stunden perfekt.
Lüttickens schwächste Disziplin waren die Wechsel. Nur dort verlor sie jeweils ein paar Sekunden. Lütticken: "Mein Training war nicht perfekt. Was vor allem gefehlt war, war die Tempohärte."
Bei den Laufwettkämpfen in der Region hat sich die Ausdauersportlerin, die den Marathon auch schon unter 3:30 Stunden gelaufen ist, in den vergangenen Jahren rar gemacht. 2014 startete Lütticken nur beim Nürburgringlauf (W-50-Siegerin über 24,4 Kilometer in 1:59,07 Stunden). Das war der ultimative Test vor dem Powerman in Zofingen.
"Lust auf Crossläufe hätte ich schon", sagt Lütticken. Mehrfach hat sie bereits die Mosel-Crosslauf-Serie gewonnen. Dem stehen aber zwei Dinge im Weg: Chronische Fußprobleme und ihre Radsportgruppe in Bitburg, die zu den Zeiten der Laufwettkämpfe ihre Wochenendausfahrten unternimmt.
Bei Läufen in der Region wird man die Ernährungswissenschaftlerin beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Bitburg deshalb in nächster Zeit wohl nicht sehen. Eher bei der Weinlese in Wittlich.