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Doppelpass ohne den großen Grantler

Doppelpass ohne den großen Grantler

Udo Lattek, einer der erfolgreichsten Fußballtrainer aller Zeiten, ist zur festen Institution beim "Doppelpass", dem sonntäglichen Talk über den Spitzenfußball in Deutschland beim Fernsehsender Sport 1 geworden. Ausgerechnet zu seiner letzten Sendung am vergangenen Sonntag erschien der notorische Grantler zu spät.

München. Das Schlusskapitel muss ohne Anfang auskommen: Udo Latteks Flugzeug hatte Verspätung. So kam der 76-Jährige nicht um 11 Uhr, sondern erst um 12.09 Uhr zur Live-Sendung "Doppelpass" ins Münchner Hotel. Latteks Stammplatz am Ende des Tisches blieb so lange leer. Fest zugeteilt - wie bisher - wird er in naher Zukunft nicht mehr werden. Moderator Jörg Wontorra baute aber vor: "Udo, du bist immer ein gern gesehener Gast." Dass er das bei Wontorra und auch beim Sender war, als zuverlässiger Lieferant oft exklusiver und konträrer Meinungen zu den oft weichgespülten Kommentaren mancher Gäste, darf als sicher gelten. "Ich kann mir leisten, das zu sagen, weil ich auf niemand Rücksicht nehmen muss", schob er seinen Kommentaren schon mal hinterher. Trainer oder Manager von Vereinen haben schon mal ein Problem mit der Außendarstellung, wenn über ihre Schützlinge oder die Gründe der Misserfolge ihrer Arbeitgeber gesprochen und Fehlleistungen bis ins letzte Detail seziert werden. Ein Querdenker war Lattek schon als Trainer. Er wird wissen, dass er es leichter hatte als die Generation seiner Nachfolger, die heute die sportlichen Geschicke der Bundesligavereine lenkt. Als Lattek, dessen Erfolge als Spieler sich in überschaubarem Rahmen bewegen, mit Bayern München 1970 den ersten großen Club übernahm, war die Medienlandschaft im Vergleich zum Status quo geradezu ein Streichelzoo. Die Privaten gab es noch nicht, das Öffentlich-Rechtliche kam brav daher, der aggressive Journalismus war dem Boulevard vorbehalten - und den gab es nur in gedruckter Form. Lattek hat die Entwicklung der Vielfalt der Medien erlebt, er ist ihren Regeln aber nicht anheim gefallen. Als es ans Eingemachte ging, mit der Hinzunahme des Internets, den sozialen Netzwerken, der Omnipräsenz durch zig Fernsehkanäle und private Plattformen, die das Gras wachsen hören und die jeden Fehltritt auflisten, da war er schon Privatier. Aber auch Sympathisant. Von Bayern München beispielsweise. Was ihn aber nicht davon abhielt, Uli Hoeneß in seinem Fernseh-Wohnzimmer im Doppelpass rüde anzugehen. Da fielen schon mal Sätze wie "Du teilst aus, kannst aber nichts einstecken" oder "Ich bin nicht dein Angestellter, ich leiste mir meine eigene Meinung und tue die auch kund." Da mag sich mancher Zuschauer die Hände gerieben haben. Frei nach dem Motto: "Endlich sagt dem mal einer die Meinung." Nun lag Lattek beileibe nicht immer richtig. Wie Hoeneß auch, der unter ihm Spieler war, hat er während seiner gesamten Laufbahn polarisiert. Wie sagte einer der Zuschauer gegen Ende der Sendung: "Solche wie dich gibt es heute nicht mehr." wir
Udo Lattek Geboren am: 16. Januar 1935 Geburtsort: Bosemberg (Ostpreußen) Stationen als Spieler: u. a. Leverkusen, Osnabrück Stationen als Trainer: (u. a.) Assistenztrainer DFB (1965 - 70), Bayern München (bis 1975), Borussia Mönchengladbach (bis 1979), Borussia Dortmund (bis 1981) FC Barcelona (bis 1983), Bayern München (bis 1987), Köln (1991), Schalke 04 (1992-93), Borussia Dortmund (2000) Größte Erfolge: Europapokal der Landesmeister (1974), Uefa-Pokalsieger (1979), Europapokal der Pokalsieger (1982), acht Mal deutscher Meister, drei Mal Pokalsieger red