| 18:45 Uhr

Ballgeflüster: Dortmunder Debakel
Viel zu blaue Augen

„Deine blauen Augen machen mich so sentimental“, sang Annette Humpe mal bei „Ideal“. Das war zu einer Zeit, als der deutsche Rekordmeister 1. FC Nürnberg hieß, in Tschernobyl noch eifrig Strom produziert wurde und sich Peter Stöger, 15-jähriger Jugendspieler beim Favoritner AC in Wien, keine Gedanken über seinen Job machen musste.
Andreas Feichtner

Die frühen 80er sind lange vorbei. Stöger ist längst Bundesliga-Trainer, noch in Dortmund. In dieser Saison ist er Serientäter: Kein Sieg in 14 Ligaspielen beim 1. FC Köln. Dann elf Bundesliga-Partien als BVB-Trainer ohne Niederlage. Das ist keine schlechte Rückrundenbilanz in der Liga (Europa vergessen wir mal an dieser Stelle) – aber am Karsamstag ging nicht nur die Serie kaputt, sondern wohl auch Stögers Perspektive beim Verein. Wenn der Österreicher nach dem 0:6-Debakel bei Bayern München ganz unsentimental davon spricht, mit „anderthalb blauen Augen davongekommen zu sein“, dann sagt das einiges über das Auftreten des einstigen Bayern-Verfolgers aus. Ein FC Bayern, der in der ersten Halbzeit kurzen Prozess mit dem alten Rivalen macht, der in jeder Hinsicht überlegen ist – und der es beim 6:0 noch gnädig macht. Wohl auch, weil für die Bayern bereits morgen das Champions-League-Viertelfinale ansteht. Stöger nimmt sich nach der Selbstaufgabe seines Teams nicht von Kritik aus. Er dürfte eines der „Räder“ sein, an denen der BVB drehen wird.

a.feichtner@volksfreund.de