Drei Ex-Trierer im Dress von Alemannia Aachen

Fußball : „Das fühlt sich nicht wie Regionalliga an“

In der vierthöchsten Liga haben sie allesamt auch schon für die Trierer Eintracht gespielt. Für Alemannia Aachen auf gleichem Niveau aufzulaufen, ist aber noch mal eine andere Hausnummer. Das erfuhren Robin Garnier und Matti Fiedler selbst bei einem Testspiel mitten in der Eifel.

Gelöst war die Stimmung unter den Schwarz-Gelben nach dem Vorbereitungsspiel auf der Sportanlage an der Mehlener Straße in Gondenbrett: Im vorletzten Test der Sommerserie gewann das von Fuat Kilic trainierte Team am Dienstagabend gegen die Sportvereinigung 07 Elversberg mit 1:0 – und hat damit vor dem finalen Test am Freitag, ab 19 Uhr, im luxemburgischen Lipperscheid gegen das vom Rivenicher Dino Toppmöller trainierte belgische Zweitligateam von Excelsior Virton in der Testphase weiter eine weiße Weste. „Die Euphorie wächst schon wieder spürbar in Aachen“, hat Robin Garnier (25) ausgemacht. Genauso wie seine Teamkollegen Matti Fiedler (23) und der beim Spiel gegen Elversberg wegen Wadenproblemen fehlende Vincent Boesen (20) hat er eine Trierer Vergangenheit. So sehr sich auch Mittelfeldantreiber Garnier bei der Eintracht wohlgefühlt hat und das Geschehen beim Rheinland-Pfalz/Saar-Oberligisten nicht zuletzt aufgrund seines hier kickenden Bruders Tim immer noch aufmerksam verfolgt, so genau weiß er um die Unterschiede zu Eintracht und auch den Stuttgarter Kickers, für die er in der 2017/18er Runde im Einsatz war: „Überall sieht man Aufkleber und Menschen, die in Alemannia-Klamotten unterwegs sind. Das fühlt sich eigentlich nicht wie Regionalliga an.“ Selbst zum Test ins gut 100 Kilometer entfernte Örtchen Gondenbrett unweit von Prüm begleiteten rund 100 Fans den West-Regionalligisten, der nach Platz sechs in der vergangenen Saison gerne weiter vorne mitspielen würde. Mit forschen Ansagen hält sich Coach Kilic, dessen direkte und engagierte Art im Umfeld des früheren Bundes- und langjährigen Zweitligisten sehr gut ankommt, aber zurück, zumal die Konkurrenz mit anderen ambitionierten Traditionsvereinen wie Rot-Weiß Essen und Rot-Weiß Oberhausen und den Drittligaabsteigern Fortuna Köln und den Sportfreunden Lotte groß ist.

Vielmehr ist Kilic „einfach froh, dass wir nicht wie vor einem Jahr vor einem fast kompletten Neuaufbau stehen, sondern sogar unsere Mannschaft halten und sie sinnvoll verstärken konnten“.

Das bis 2016 (Fiedler) beziehungsweise 2017 (Garnier und Boesen) in Trier aktive Trio will er „nicht explizit herausheben“, lässt aber durchblicken, dass er die sportlichen und menschlichen Qualitäten von ihnen schätzt. Einzig durch Verletzungen wurden sie in den meisten Fällen in der zurückliegenden Spielzeit gestoppt und haben sich bereits einen guten Ruf am Tivoli erworben. Geplagt durch langwierige Bandscheiben- und Schambeinverletzungen kam Fiedler, der genauso wie Garnier nebenbei noch Sportmanagement studiert, vor zwei Jahren nach einer längeren Pause zur Alemannia: „Der Verein hatte noch an dem Insolvenzverfahren zu knabbern. Auch jetzt ist es noch nicht so, dass man hier das verdienen kann, wie etwa in Elversberg oder Saarbrücken. Es gibt aber einfach viele Leute in Aachen, die sich rührend um den Verein kümmern.“ Während Verteidiger Fiedler im rund 70 Kilometer entfernten Köln wohnt und besonders dem Ligastart am Samstag, 27. Juli, in seiner Geburtsstadt Wuppertal entgegenfiebert, leben Garnier und Boesen in einer Wohngemeinschaft mitten in Aachen. Boesen kam über die Station 1. FC Nürnberg II, wo er in der Regionalliga Bayern spielte, in die Kaiserstadt. Der aus dem SV Dörbach hervorgegangene Boesen ist „überzeugt davon, dass ich mich auch in Aachen menschlich und sportlich wieder ein gutes Stück weiterentwickeln kann“.

Vor vergleichsweise großer Kulisse zu spielen – in der vergangenen Saison lag der Zuschauerschnitt bei knapp 5200 – verspürt Boesen weniger als Druck, sondern eher als Ansporn. Und der dürfte am 10. Augut besonders hoch sein: Zum DFB-Pokalspiel gegen Bundesligist Bayer 04 Leverkusen werden nämlich rund 30 000 Besucher erwartet.