Ein Schlag, ein Wackler und eine Abkühlung

Ein Schlag, ein Wackler und eine Abkühlung

Erfrischung gefällig? Dann rauf aufs Wasser! Rudern scheint die richtige Sportart für heiße Sommertage. Eine Abkühlung ist immer in Reichweite. Mit Mosel und Saar liegen traumhafte Wassersportreviere vor der Haustür. Aber bis der Anfänger scheinbar mühelos übers Wasser gleitet und die Landschaft aus der Flussperspektive genießen kann, ist jede Menge Geduld beim Üben notwendig.

Trier. Ich wundere mich. So will mein Trainer mit mir ins Ruderboot steigen? Benedikt Schwarz steht mit langer Jeans und Hemd im Bootshaus des Rudervereins Treviris Trier. Ich hatte ihn doch gewarnt: Dass ich kein Naturtalent bin, hatte ein spontaner Ruder-Versuch vor einigen Jahren bereits gezeigt.
Bene, wie der Trainer der Deutschen U-19-Meisterinnen Lena Klemm und Michelle Lauer von seinen Schützlingen gerufen wird, eröffnet mir: "Du ruderst im Einer." Ups, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war davon ausgegangen, dass Bene als Steuermann mit im Boot sitzt und im Notfall eingreifen kann. Diese Vorgehensweise sei bei nur einem Schüler schwierig, erklärt der Treviris-Übungsleiter. Er werde mich zunächst am Steg festhalten. Puh!sport im sommer die reportage


Bene drückt mir zwei lange Stangen in die Hand. Die Ruder. Falsch: Skulls. Es gibt auch noch sogenannte Riemen, die mit beiden Händen bedient werden. In einem Riemenboot, wie dem Achter, muss man also immer mindestens zu zweit rudern. Aber ich bekomme ja Einzelunterricht.
Bene hat für mich den neuen Lehr-Einer ausgesucht. Schnittig ist anders. "Der ist nicht so kippelig", macht mir mein Trainer Mut. Das Boot ist wie die Rennboote aus Carbon gefertigt. Holzboote seien heutzutage eher Liebhaberstücke, für die schon einmal fünfstellige Eurobeträge hingeblättert werden, erklärt Bene. Kunststoffboote seien leichter, steifer und in Anschaffung und Unterhalt günstiger. Trotzdem: Wir tragen ein mehrere Tausend Euro teures Boot zum Steg.
Nun wird es ernst. Die erste Hürde: ins Boot einsteigen. Bene zeigt auf eine kleine schwarze Fläche vor dem sogenannten Rollsitz: "Den rechten Fuß hier hin stellen, mit der rechten Hand den Skull festhalten, dann mit dem linken Fuß aufs Stemmbrett." Ich bekomme eine Ahnung, wie wackelig ein halb so breiter Renn-Einer sein muss. Aber geschafft! Ich sitze und halte unbeholfen die Enden der Skulls in den Händen, während Bene das Boot vom Steg aus festhält.
Er lässt zum Glück nicht los. "Leg die Ruderblätter flach aufs Wasser. Das ist wie Stützräder", sagt er.
Nun geht es ans eigentliche Rudern. Aber immer schön durch Bene mit dem Steg verbunden. Was so einfach aussieht, gestaltet sich ganz schön kompliziert. Denn die Enden der Skulls überlappen sich. Man kann sie nicht nebeneinander von vorne nach hinten führen. "Den Steuerbord-Skull hältst du über dem Backbord-Skull", erklärt Bene.
Das wäre ja noch einfach. In der Ausgangsposition, der sogenannten "Auslage", müssen die Ruderblätter aber mit ausgestreckten Armen so gedreht werden, dass sie senkrecht zur Wasseroberfläche stehen. So werden sie durchs Wasser gezogen, das Boot bewegt sich vorwärts. In der sogenannten "Rücklage" werden die Blätter aus dem Wasser gehoben, wieder um 90 Grad gedreht und es geht zurück zur Ausgangsposition.
Ich muss jedes Mal rechts und links schauen, ob die Skulls in der richtigen Position stehen. Benes Tipp hilft: Wenn das Ruderblatt senkrecht zur Wasseroberfläche steht, Handgelenke strecken. Vor dem Nach-vorne-Führen Handgelenke überstrecken und so das Blatt drehen. Beim Beginn des neuen Zuges muss man das Handgelenk dann nur noch abklappen. Die Blätter sind dann automatisch in der richtigen Position.
Von Automatismen merke ich beim Üben in der nächsten halben Stunde nichts, aber Bene scheinen meine Fortschritte zu genügen. Ich soll das Gelernte ausprobieren, ohne von ihm am Steg festgehalten zu werden. Das Problem: Ich soll gegen den Strom rudern und muss deshalb erst wenden. Um es kurz zu machen: Als ich registriere, dass ich mich der Schifffahrtsrinne nähere, verfalle ich in leichte Panik. Die Mosel ist kein Kinderspielplatz. Mein Fehler: Ich lasse die Skulls kurz los. Dann geht es ganz schnell: Die "Stützräder" hängen locker im Wasser, das Boot, das nicht kippelig sein soll, wird total kippelig, ich verliere das Gleichgewicht und darf mich nach der schweißtreibenden Lehrstunde über eine Abkühlung freuen - tue es aber nicht.
"Das passiert Erwachsenen meist ein paarmal", beruhigt mich Bene, als wir das Boot am Steg trockenlegen. "Kindern fällt es leichter, das Gleichgewicht zu halten." Benes Angebot für einen zweiten Versuch lehne ich trotzdem ab. Ein anderes Mal gerne wieder, drohe ich Bene an, während ich das Boot säubere (auch das gehört zum Rudern). Die Perfektion eines Achter-Weltmeisters Richard Schmidt werde ich zwar nie erlangen, aber vielleicht reicht es ja irgendwann für eine Wanderruderfahrt die Mosel entlang.
Rudervereine in der Region: Bernkasteler Ruderverein, Postfach 1353, 54463 Bernkastel-Kues, Internet: www.bernkasteler-ruderverein.de , E-Mail: brv@bernkastel-kues.de Ruder und Kanu Verein Konz, Raymond Schirra, Im Canet 6, 54329 Konz, Telefon 06501/150309, E-Mail: raymond-schirra@mpg-trier.de Saarburger Ruderclub, Postfach 1312, 54433 Saarburg, Telefon 06581-3021, Internet: www.saarburger-ruderclub.de Ruderclub Traben-Trarbach, Georg Huesgen, Internet: www.rctt.de , E-Mail: rudern@rctt.de Rudergesellschaft Trier, An der Jugendherberge 3, 54292 Trier, Telefon 0651/145465, Internet: www.rgtrier.rowing.de Ruderverein "Treviris" Trier, Luxemburgerstraße 81, 54294 Trier, Telefon 0651/9926750, Internet: www.treviris.de , E-Mail: info@treviris.de Rudergesellschaft Zeltingen, Stefan Schömann-Finck, Weingartenstraße 62, 54492 Zeltingen, Telefon: 06532/2575, E-Mail: rgzeltingen@aol.com (Quelle: Ruderverband Rheinland) Regatten in der Region: Zwei Regatten gibt in diesem Jahr auf der Mosel. Tradition hat die Langstreckenregatta "Um den grünen Moselpokal", die am 24. September zum 62. Mal in Bernkastel-Kues durchgeführt wird. Mit mehr als 200 Booten und rund 1000 Teilnehmern ist die von RG Zeltingen und RV Bernkastel ausgerichtete Veranstaltung die größte Regatta in Rheinland-Pfalz. Der RV Treviris Trier richtet am 1. und 2. Oktober die südwestdeutschen Meisterschaften in Kombination mit seiner Herbstregatta aus. Die Strecken sind deutlich kürzer als in Bernkastel-Kues und befinden sich auf dem linksseitigen Oberstau der Mosel in Höhe des Schlosses Monaise. teu