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Ein Schwabe beißt sich durch

Ein Schwabe beißt sich durch

Jürgen Klopp kann am Samstag mit Borussia Dortmund deutscher Meister werden. Seine fußballerische Wiege stand im schwäbischen Ergenzingen, wo der heutige Bundesliga-Trainer schon als A-Jugendlicher Führungsqualitäten zeigte.

Rottenburg. An das Wochenende, an dem Jürgen Klopp erstmals Trainer wurde, kann sich sein früherer Jugendcoach Walter Baur bestens erinnern. Am Faschingssonntag vor gut zehn Jahren unterlag der FSV Mainz 05 in Fürth. Der heutige Dortmunder Star-Trainer wurde als Verteidiger von Eckhard Krautzun zur Pause ausgewechselt. In der zweiten Halbzeit debattierte Klopp am Spielfeldrand ausführlich mit Clubpräsident Harald Strutz. Am Rosenmontag war Krautzun entlassen und Klopp rief Baur an. "Rate mal, wer der neue Trainer in Mainz ist?", fragte er ihn. Der konnte das breite Grinsen durchs Telefon nicht sehen und riet ins Blaue hinein. "Seit zehn Minuten - ich", sagte Klopp.
Es war der Beginn einer Karriere, die Klopp am Samstag mit seinem bisher größten Triumph krönen könnte: dem Gewinn der deutschen Meisterschaft mit Borussia Dortmund. Der 43-Jährige, geboren in Stuttgart und aufgewachsen in Glatten im Schwarzwald, spielte als A-Jugendlicher und auch eineinhalb Jahre als Aktiver unter Baur beim TuS Ergenzingen. "Es gab fünf andere, die besser waren als ich", sagt Klopp heute über seine Zeit bei dem schwäbischen Dorfclub. "Er war als Jugendlicher mit seiner Persönlichkeit aber schon weiter als viele andere", meint Hermann Baur, der ihn als damaliger Spielleiter der A-Jugend verpflichtete. Klopp hat bis heute den Verdacht, dass ihn die Ergenzinger nur holten, weil sein Vater Norbert auch den Fahrdienst für einen zweiten Spieler namens Jürgen Haug mit übernehmen sollte, der ebenfalls zum TuS wechselte.
Doch Klopp war schnell Spielführer: Er überzeugte als Stürmer, er organisierte das Programm bei Weihnachtsfeiern und er setzte durch, dass sein Trainer Walter Baur die erste Mannschaft übernahm, als er ins Aktivenalter kam. "Ich hätte nie gedacht, dass er mal Profi wird, aber sein Ehrgeiz und seine Zielstrebigkeit haben sich ausgezahlt", sagt Baur.
Im Winter 1986 wechselte Klopp zum 1. FC Pforzheim, ehe er im Sommer darauf bei den Amateuren von Eintracht Frankfurt anheuerte. An einer Autobahnraststätte übergab ein Pforzheimer Oberliga-Funktionär den Ergenzingern die Ablöse in bar: 12 000 Mark.
Im Vereinsheim des TuS hängen heute zwar keine Bilder von Klopp, und in dem 4150-Einwohner-Stadtteil von Rottenburg werden keine Kirchenglocken läuten, wenn "Kloppo" mit dem BVB Meister wird. Aber die Ergenzinger haben ihren "Jürgen" nicht vergessen. Die Meisterschaft zum Greifen nahe - den Abstieg vor Augen: Im Duell zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund am Samstag (18.30 Uhr) könnten die Vorzeichen kaum unterschiedlicher sein. Dem BVB fehlt noch ein kleiner Schritt zum siebten Titelgewinn, die Gladbacher kämpfen um die letzte Möglichkeit, den dritten Abstieg zu vermeiden. Eine vorzeitige Entscheidung wollen die Gastgeber auf keinen Fall zulassen. "Ich habe keine Lust, dass der BVB bei uns den Titel holt. Das werden wir ihnen versauen", sagte Vizepräsident Rainer Bonhof. dpa