"Ein Verein ist kein Steuereintreiber"

Sülm · Anfang des Jahres berichtete der TV über die Probleme von Sportvereinen, ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden. Aus den Reaktionen, die uns seitdem erreichten, wird deutlich, dass auch die Finanzierung der Vereinsarbeit Kopfzerbrechen bereitet. Die Herausforderungen zeigt der TV am Beispiel der DJK Eintracht DIST.

Sülm. Die Angebotspalette ist breit. Sie reicht von Fußball, Tanzen und Eltern-Kind-Turnen bis zum Angeln. Die DJK Eintracht DIST hat knapp 620 Mitglieder. DIST - das sind die Anfangsbuchstaben der Ortsgemeinden Dahlem, Idenheim, Sülm und Trimport in der Nähe von Bitburg.
"Der Verein ist fast wie ein Kleinunternehmen zu führen", sagt Kassenwart Udo Schilz. Die Anforderungen an Sportvereine sind gewachsen. Die "Kundschaft" ist anspruchsvoller geworden, gleichzeitig schwinden Finanzierungsmöglichkeiten.
"Die Kernfrage lautet: Wie bekomme ich mit den zur Verfügung stehenden Mitteln ein attraktives Angebot gestemmt", sagt Schilz.
Ein wichtiges Kriterium sind gut ausgebildete Betreuer. Schilz: "Wir geben für unsere Trainer und Übungsleiter pro Jahr mehrere Tausend Euro aus." In der Summe ist das viel Geld. Ein einzelner Übungsleiter bekommt aber "nur" acht Euro pro Stunde, was lediglich einer Aufwandsentschädigung entspricht.
Dazu kommt die Anschaffung von Turn- und Sportgeräten sowie der Unterhalt mehrerer Sportstätten und eines Vereinsbusses. Kein günstiges Vergnügen, auch wegen gestiegener Energiekosten.
Angst vor höheren Beiträgen


Das Geld muss an anderer Stelle reinkommen. Doch die Einnahmequellen sprudeln keineswegs reich. Öffentliche Zuschüsse werden gekappt. Der Spendenbereitschaft sind Grenzen gesetzt. Bei den Mitgliedsbeiträgen sehen sich viele Vereine in einer Zwickmühle. Um Förderungen in Anspruch nehmen zu können, müssen sie einen Mindestbeitrag erheben. Manche Clubs scheuen sich jedoch davor, weil sie eine Abwanderung von Mitgliedern fürchten. Dabei beträgt der monatliche Mindestbeitrag gerade einmal vier Euro für Erwachsene und 2,50 Euro für Jugendliche.
Die DJK DIST erhebt diese Beiträge. Macht 66 Euro für eine Familie pro Jahr. 48 Euro sind es für einen Erwachsenen, 30 Euro für einen Jugendlichen. Durch die Mitglieder nimmt die DJK pro Jahr knapp 15 000 Euro ein. Änderungen sind wohl unausweichlich. Schilz: "An einer Erhöhung der Beiträge werden wir irgendwann nicht umhin kommen. Wobei das dann flächendeckend kommen müsste. Ein Verein alleine hätte es schwer, vorzupreschen."
Die DJK geht auch neue Wege. Sie vermietet zum Beispiel ihren Rasenplatz und ihr Sportlerheim vornehmlich an Jugendgruppen, die sich zu einem Trainingslager oder einer Ferienfreizeit in der Eifel eingebucht haben.
Wichtige Einnahmequellen - wie bei den meisten Vereinen - sind auch eigene Veranstaltungen: Sportfest, Waldfest, Jugendfußballturnier, Fastnacht. Doch die DJK gerät ins Grübeln, ob sich der Aufwand lohnt. Weil der Verein pro Jahr mehr als 17 500 Euro Umsatz im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb macht, muss er Umsatzsteuer zahlen. Das sind pro Jahr zwischen 2000 und 2500 Euro. Schilz: "Rechnen Sie mal um, wie viele Übungsleiterstunden wir damit finanzieren könnten?" Es sind etwa 300.
Wird eine Umsatzgrenze von 35 000 Euro überschritten, muss vom erzielten Gewinn auch Gewerbe- und Körperschaftssteuer gezahlt werden (rund 40 Prozent).
"Manchmal haben wir das Gefühl, nur fürs Finanzamt zu arbeiten. Es sieht solche Feste nur unter dem Einnahmen-Aspekt. Wir wollen als Verein aber kein Geld im klassischen Sinn verdienen. Für uns bedeuten die Veranstaltungen mehr. Dort können sich Abteilungen, Gruppen und Mannschaften präsentieren. Dort können Freundschaften und Partnerschaften zu Nachbarvereinen gepflegt werden", sagt Schilz, der nicht die Finanzbeamten, sondern die Gesetzgebung kritisiert.
Steuerberater muss helfen


Um heil durch den Dschungel von Paragrafen und Vorgaben zu kommen, braucht es Hilfe. Schilz: "Ohne Steuerberater geht\'s heute nicht mehr." Der seit sieben Jahren amtierende Kassenwart wünscht sich eine Entbürokratisierung, differenziertere Vorgaben für Klein- und Großvereine und darüber hinaus eine bessere Anerkennung des Engagements von Übungsleitern. In den Chor derer, die die vollzogene Erhöhung der steuerfreien Übungsleiterpauschale von 175 auf 200 Euro pro Monat loben, stimmt er nicht ein. "Auch für 200 Euro kommt kein Trainer", sagt Schilz. Viele Übungsleiter verrichten ihren Vereinsjob auf Minijob-Basis. Das wiederum kostet den Verein 30 Prozent des 450-Euro-Verdienstes an pauschalen Beiträgen zur Sozialversicherung - abzüglich des Steuerfreibetrags.
Der DIST-Vorsitzende Klaus Friedrich fordert ein Umdenken: "Ein gemeinnütziger Verein kann sich nicht als Steuereintreiber des Staates sehen. Unsere Hauptaufgabe liegt darin, den Kindern und Jugendlichen eine attraktive Alternative zur Spielekonsole zu bieten. Es ist schade, dass für die Büroarbeit so viele Stunden aufgewendet werden müssen, um gesetzliche Auflagen zu erfüllen. An der Basis sollten andere Maßstäbe angesetzt werden."
Extra

Die Finanzierung von Aufgaben in Sportvereinen ist ein weites und schwieriges Feld. Die Management-Akademie des Sportbunds Rheinland in Koblenz gibt einige Tipps, worauf Vereine achten sollten: Als Erstes: Finanzen genau kalkulieren und einen Jahreshaushaltsplan (mit Einnahmen und Ausgaben) aufstellen. Wichtig: Finanzen kontrollieren. Wird die Jahresplanung eingehalten? Wenn nicht, rechtzeitig gegensteuern. Mitgliedsbeiträge sollten als einzig kalkulierbare Größe im Finanzgerüst akzeptiert werden. Zur Gestaltung eines realistischen Beitrags sollten die Kosten pro Jahr und aktivem Mitglied ermittelt werden. Vereine dürfen sich nicht unter Wert verkaufen. Es lohnt sich, die Angebotspalette aufzuzeigen sowie Kosten und Leistung gegenüberzustellen. Viele Mitglieder wissen oft nicht, was Vereinssport wirklich kostet! Vereine sollten sich Gedanken über eine differenzierte Gestaltung der Mitgliedsbeiträge von kostenintensiven und weniger kostenintensiven Abteilungen machen. Als Faustregel gilt: Mitgliedsbeiträge sollten in einem Verein zwei Drittel bis drei Viertel des Jahreshaushalts abdecken. Einnahmen aus Zuschüssen, Spenden, Sponsoring und Veranstaltungen sollten im Finanzgerüst lediglich eine untergeordnete Rolle spielen, da die Einnahmen nicht klar kalkulierbar und meist nur mit erheblichem Aufwand zu erzielen sind. Auch mit angepassten und realistischen Mitgliedsbeiträgen sind Sportvereine konkurrenzfähig.

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