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Ein Vorbild in jeder Hinsicht

Michael Rohr beendet seine Karriere als aktiver Fußballer dort, wo er schon immer gekickt hat: Bei der Mosella in Schweich. TV-Foto: Sebastian Schwarz
Michael Rohr beendet seine Karriere als aktiver Fußballer dort, wo er schon immer gekickt hat: Bei der Mosella in Schweich. TV-Foto: Sebastian Schwarz
Schweich. Auf Michael Rohr sind schon viele Lobeshymnen gesungen worden. Zu seinem Abschied beim letzten Heimspiel wurden sie sogar in einer 15-seitigen Laudatio zu Papier gebracht, die Torwart Harald Emmrich initiiert hatte. Willi Rausch

Schweich. Die Bandbreite der Laudatoren ist wohl einzigartig: Von allen Trainern, die in Schweich wirkten, über seine Mitspieler, viele Akteure gegnerischer Vereine, deren Trainer und sogar einige Schiedsrichter reicht die Liste derer, die Michael Rohr, genannt "Michi, die Grätsche", für die Zukunft alles Gute wünschen. Der 31-Jährige, der seit seinem sechsten Lebensjahr immer nur für die Mosella gekickt hat, zieht sich als aktiver Fußballer zurück.
Die Mosella ohne den Namen Rohr ist nicht vorstellbar. Mit Tobias ist noch einer da, der die Fahne der Dynastie hochhält. Es begann mit Johannes Rohr unmittelbar nach dem Krieg, gefolgt von Josef Rohr, dem Vater der drei Fußballer Johannes, Michael und Tobias, von denen zuerst Johannes und jetzt auch Michael ihre Karriere beendet haben.
Drei Bänderrisse



Die Gründe für den zeitigen Abbruch der Laufbahn liegen in der Verletzungshäufigkeit der letzten Jahre ("Ich hatte in kurzer Folge drei Bänderrisse") und in der privaten und beruflichen Lebensplanung. Michael, verheiratet mit Tina, hat sich als Diplom-Ingenieur im Landschaftsbau selbstständig gemacht. "Fußball bleibt für mich die schönste Nebensache der Welt, aber ich muss auch an die Zukunft denken", sagt Rohr, der "meinem Verein in irgendeiner Funktion erhalten bleiben wird."
Ein angenehmer Zeitgenosse war der langjährige Mannschaftskapitän für seine eigenen Mitspieler. "Ein Vorbild an Einsatz und Willen, ein echter Leitwolf und die Integrationsfigur schlechthin", nennt sein letzter Trainer Hans Schneider die herausragenden Eigenschaften des kernigen Mittelfeldspielers.
Das unterstreichen auch seine Gegner. Welche Bedeutung er in ihren Augen hat, zeigen Aussagen wie die des Föhreners Jochen Conrad: "Er war mit mehreren Stichen am Kopf genäht worden. Wir dachten, er spielt nicht. Zu früh gefreut. Er spielte und erzielte ein Tor. Womit? Mit dem Kopf."
Die Bewertungen seiner Leistungen und seiner Person reichen von "als Gegenspieler war er eine Qual" über "hart, aber immer fair" bis zu "der Marc von Bommel von Schweich". Mit den Schiedsrichtern musste er sich über die Jahre arrangieren. Ehrgeiz und unbedingter Siegeswille harmonieren nicht unbedingt mit Zurückhaltung auf allen Ebenen. Referee Arndt Collmann: "Seine Leidenschaft für den Fußball zeigte sich auch in seiner robusten, jedoch nie groben Spielweise, die mich vor allem in früheren Jahren das ein oder andere Mal zwang, ihm Gelb zu zeigen. Froh bin ich darüber, dass ich ihn nie vom Platz stellen musste. Er gab mir aber immer das Gefühl, respektiert zu werden."
Welchen Wert er für seinen Club hatte, besagen auch die Schlussworte vom Ex-Mehringer Johannes Hein ("Von der Sorte gibt es nicht viele") und Markus Pull (SG Osburg/Thomm): "Er war das Gesicht der Mosella des letzten Jahrzehnts."