Eine Sache von Zentimetern

Zum dritten Mal gastiert die Show Gymmotion am 30. November in der Arena Trier (Beginn: 20 Uhr). Die Leitung liegt bei Harald Stephan. Der 46-Jährige hat eine spannende Vita. Einst brach er kurz vor Schluss sein Studium ab, um ins Künstlergeschäft einzusteigen. Später war er Tänzer und Choreograph bei DJ Bobo.

Trier/Heppenheim. Harald Stephan ist Komponist, Tänzer, Regisseur und Choreograph. Er ist seit 25 Jahren hauptberuflich im Showbiz tätig. Seit zehn Jahren verantwortet er Gymmotion. Der Heppenheimer spricht im Interview mit TV-Redakteur Mirko Blahak über gefährliche Vorführungen, ein unvergessliches Erlebnis in Albanien und Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel. Wie übersetzen Sie Gymmotion? Stephan: Der Begriff hat für mich eine künstlerische Bedeutung. Wir wollen eine Mischung aus Theater, Musical, sportlichen Höchstleistungen und Varieté bieten. Wie viel Aufwand steckt hinter der Produktion? Stephan: Die Licht- und Tontechnik wird in zwei Sattelzügen transportiert. Für die Dekoration und die Sportartistengeräte gibt es einen weiteren Sattelzug. Hinzu kommen ein Hotelbus, ein Tourneebus und drei Vans. Die Crew muss innerhalb von vier, fünf Stunden das gesamte Setup auf- und abbauen. Die Lichttechnik hat ein Ausmaß von 25 mal 20 Metern und ist komplett computergesteuert. Da jede Halle von der Akustik anders ist, werden an jedem Veranstaltungsort Messungen vorgenommen. Die Ergebnisse landen in einem Tonstudio, das dann den optimalen Klang ermittelt. Die choreographischen Vorbereitungen für eine Gymmotion-Tournee nehmen etwa ein Jahr in Anspruch. Die Show für das nächste Jahr wird bereits seit etwa zwei Monaten entworfen. Ab wann stehen Ihnen die Künstler im Vorfeld zur Verfügung? Gibt es ein Trainingslager für alle? Stephan: Sie kommen erst einen Tag vor Tourneestart alle zusammen. Dann müssen wir in kurzer Zeit alle Puzzlestücke, also die einzelnen Showelemente komplett zu einer Gesamtchoreographie zusammensetzen. Auftakt der Tournee 2012 ist am 30. November in der Arena Trier. Haben Sie Lampenfieber? Stephan: Auf jeden Fall! Die Ansprüche werden höher. Auch meine Ansprüche steigen. Man kann das Rad nicht neu erfinden. Aber es gibt immer Verbesserungsvorschläge. Vor einer halben Stunde noch saß ich im Tonstudio und dachte: Vielleicht hätte man dies oder das noch ändern können. Aber irgendwann muss man sagen: Wir akzeptieren es so, wie es ist. Welcher Programmpunkt ist Ihr persönlicher Favorit? Stephan: Das ist schwer zu sagen. Ich freue mich auf die sensationellen Athleten der japanischen Universität Kokushikan. Es ist selten, dass Männer Rhythmische Sportgymnastik betreiben. Bei ihrer Bodenartistik-Show vollführen sie teilweise nur ein bis zwei Zentimeter voneinander entfernt Doppel-Salti. Das ist richtig gefährlich. Sie trainieren acht Stunden am Tag. Insgesamt gibt es neun Tournee-Vorstellungen in acht Städten an neun Tagen hintereinander. Stoßen die Beteiligten da an Grenzen? Stephan: Wir haben einen Physiotherapeuten dabei, der die Athleten jeden Tag von morgens bis abends betreut. Es werden schon Grenzen erreicht. Solch eine Tournee darf höchstens zehn, elf Termine umfassen, damit wir jedes Mal Höchstleistungen abrufen können. Sie sind gelernter Maschinenschlosser. Später haben Sie ihr Kunststofftechnologie-Studium kurz vor dem Abschluss geschmissen, um ins Showgeschäft zu gehen. Schuld war Ihr damaliger Mathe-Professor … Stephan: … Ja. Während des Studiums habe ich gemerkt, dass es mich woanders hinzieht. Zu dem Professor hatte ich einen guten Kontakt. Irgendwann sagte er: "Lebe deinen Traum oder träume dein Leben lang." Dann habe ich ein halbes Jahr ins Showgeschäft reingeschnuppert und den Wechsel beschlossen. Am schwersten war das für meine Eltern: Der Sohn hört kurz vor der Diplomarbeit auf und will etwas machen, was nicht greifbar ist. Als die Erfolge eingetreten sind, waren sie aber doch stolz auf mich. Sie waren zwischen 1994 und 1998 Tänzer und Choreograph bei Popmusiker DJ Bobo. Was hat in dieser Zeit bleibenden Eindruck hinterlassen? Stephan: Wir haben damals in Tirana erstmals eine Show in Albanien gemacht - vor 120 000 Fans. Da hörte ich mein Herz schlagen. Ich war stolz, dort stehen und so etwas erleben zu dürfen. Sie sind seit 25 Jahren im Showgeschäft gefragt. Wer nutzt sein Vielfliegerprogramm mehr: Sie oder der in Ihrem Wohnort Heppenheim geborene Sebastian Vettel? Stephan: Sebastian reist wesentlich mehr als ich. Früher war mein Miles&More-Konto ohne Ende voll. Inzwischen mache ich aber viele Termine in meiner Firma. Es gibt Telefon- und Videokonferenzen. Früher ist man zu einem Zwei-Stunden-Meeting nach Budapest geflogen. Heute macht man eine Skype-Runde. Was ist Ihre (bisherige) turnerische Höchstleistung? Stephan: Ich war mal deutscher Vizemeister im Jahn-Neunkampf. Das ist ein Mehrkampf mit je drei Turn-Leichtathletik- und Schwimmdisziplinen. blExtra

 Harald Stephan.Foto: privat
Harald Stephan.Foto: privat

Auszug aus dem Gymmotion-Programm: Kokushikan: Athleten der japanischen Uni zeigen eine Mischung aus Rhythmischer Sportgymnastik, Akrobatik und Turnen. Yuriy Ovsyannikov: Gleichgewichtskünstler, Handstand-Darbietung "Flame". Die Kanakovs: Kür am Russischen Barren (fünf Meter lange, elastische Glasfieberstange). Inspire: Sportakrobatik dreier Nationalteams. T-Beam: Kür mehrerer Sportler auf drei zu einem Doppel-T zusammengestellten Balken. Tricking mit der finnischen Formation Unito. Rhythm Rope Skipping: Kombination aus Seilspringen und Rhythmischer Sportgymnastik. Robert Maaser: Multitalent, bekannt aus der RTL-Fernsehshow "Supertalent". Mehr Informationen zum Programm: www.gymmotion.org Eintrittskarten: Tickets kosten zwischen 19 und 30 Euro. Erhältlich sind sie im Vorverkauf unter anderem in den TV-Service-Centern Trier, Bitburg und Wittlich, am TV-Ticket-Telefon (0651/7199-996) oder unter www.ticket.volksfreund.de