Eine Saison zum Säen, nicht zum Ernten

Eine Saison zum Säen, nicht zum Ernten

Wie im Vorjahr bestreitet der 1. FC Kaiserslautern auch in diesem Jahr das Eröffnungsspiel der zweiten Fußball-Bundesliga. Doch nach Aufsteiger MSV Duisburg zur Saison 2015/2016 erwartet die Pfälzer morgen (20.30 Uhr, Fritz-Walter-Stadion) mit Bundesliga-Absteiger Hannover 96 ein Schwergewicht des Unterhauses. Der TV-Check der "Roten Teufel" vor dem Saisonstart.

Kaiserslautern. Nach einer der turbulentesten Spielzeiten der gesamten Vereinshistorie mit personellen Neubesetzungen des operativen Geschäftes in Aufsichtsrat und Vorstand, mit zwei Trainerwechseln, einem enttäuschenden zehnten Platz in der Abschlusstabelle und personellem Aderlass im Kader steht der Pfälzer Zweitligist vor einem völligen Neubeginn.
Was ist realistisch, wie weit ist der FCK 2016/2017 schon und auf was muss sich das Umfeld des Betzenbergs einstellen?
Personal I: Mit Torwart Marius Müller sowie den Feldspielern Chris Löwe, Jean Zimmer, Ruben Jenssen, Markus Karl, und kurzfristig auch dem isländischen EM-Helden Jon Dadi Bödvarsson haben die Lauterer quasi eine halbe Stammformation verloren. Gesetzt gelten als Führungskräfte nach dem Relaunch des Ex-Bundesligisten der neue Keeper André Weis (kam vom Zweitliga-Absteiger FSV Frankfurt) und der Bundesliga-erfahrene Christoph Moritz (Schalke, Mainz). Empfohlen hat sich mit couragierten Auftritten Stürmer-Neuzugang Osayamen Osawe vom Drittligisten Hallescher FC.
Personal II: Zum Saisonstart ist das Gesicht der Lauterer Zweitliga-Elf bestenfalls in Konturen gezeichnet. Das Transferfenster ist bis 31. August geöffnet. "Wir sind permanent in Gesprächen und beobachten aussichtsreiche Kandidaten" sagte Sportdirektor Uwe Stöver gestern und kündigte "bis zu vier" neue Akteure für verschiedene Positionen an. Erst dann könne man ein seriöses Saisonziel ausgeben. Dennoch: "Wir wollen nicht noch einmal Zehnter werden." Ausgeliehen oder verkauft werden sollen Torwart Zlatan Alomerovic, sowie die Feldspieler Michael Schulze, Erik Wekesser, Manfred Osei Kwadwo und der Luxemburger Maurice Deville.
Der Trainer: Dass Tayfun Korkut morgen in seinem ersten Pflichtspiel für seinen neuen Club auf seinen Arbeitgeber-Vorgänger trifft, ist für den 42-Jährigen "reizvoll, aber ein Nebeneffekt". Das "verordnete Sabbatjahr" nach seinen 16 Monaten an der Leine sieht er als "lehrreich in vielen Beziehungen".
Aber nicht seine Person, sondern der Verein stehe "über allem", Korkut will mit mutigen Vorwärtsaktionen, mit Dominanz und frühem Pressing den neuen FCK wieder zu verlorener Heimstärke führen. Der Fußball-Verwaltungsstil, den sein Vor-Vorgänger Kosta Runjaic zu manifestieren versucht hat, soll ebenso Geschichte sein wie das Fünfstück-Credo des steten 4-4-2-Spielsystems.
Das Umfeld: Vielen Fans rund um den FCK fehlen die Geduld, Weitsicht und mitunter auch die Einsicht in die Notwendigkeiten. Gerade Letzteres wird in diesem Jahr gefragt sein wie selten zuvor. Fußball-Romantik und Aufstiegsträume mögen gut fürs persönliche Wohlbefinden sein, ändern aber nichts an den Gegebenheiten. Hinter den Kulissen zieht der neue "Teufelsrat" seit ein paar Wochen seine Strippen. Einflussreiche Leute aus Politik, Wirtschaft und ein Medienprofi mit einem großen Netzwerk und Kontakten zu einflussreichen Entscheidungs-Bereichen.
Die TV-Prognose: Wohin der Weg der neuen Mannschaft unter neuem Trainer und neuen Entscheidungsträgern führen kann, wird sich erst zur Winterpause zeigen. Fakt ist: Die Pfälzer müssen ihr größtes Manko, ihre Abschlussschwäche, abstellen, um auf Dauer eine feste Größe im oberen Tabellendrittel zu werden. Derzeit mehr einzufordern, wäre vermessen. Prämisse wird sein, sich nach unten abzusichern. Gelingt dies, können neuer Schwung und konkrete Erfolgserlebnisse die Basis für mittelfristig bessere Zeiten sein. Fazit des TV-Checks: Die neue Saison ist zum Säen da, nicht zum Ernten.Extra

Fakten und Zahlen rund um den FCK 2016/2017Lizenzspieler-Etat: 11 Millionen Euro Etat des Gesamtvereins: 35 Millionen Euro Geplanter Zuschauerschnitt: 26 800 Verkaufte Tickets für das Heimspiel gegen Hannover: 33 800, erhofft werden 40 000 Kapitän: Daniel Halfar (wie bisher)

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