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Einzigartig: Mengelkoch gewinnt Schiedsrichterwahl als erste Frau

Einzigartig: Mengelkoch gewinnt Schiedsrichterwahl als erste Frau

Das ist eine Premiere: Johanna Mengelkoch aus Wasserliesch (Kreis Trier-Saarburg) ist als erste Frau in der Verbandsgeschichte zum "Schiedsrichter des Jahres" im Fußballverband Rheinland bestimmt worden. Die 24-jährige Maschinenbaustudentin strebt weiter nach oben.

Wasserliesch. Es hat eher Seltenheitswert, dass eine Frau ein Fußballspiel mit männlicher Beteiligung pfeift. Wenn, dann denkt der Fußballinteressierte zuerst an Bibiana Steinhaus. Die Frau, die es als Unparteiische sogar schon in die Bundesligen geschafft hat. Als Spielleiterin in der zweiten Liga und sogenannte vierte Offizielle in der ersten Liga.
Auch in der Region Trier sind die weiblichen Referees rar gesät: sechs Frauen stehen 120 Männern gegenüber. Johanna Mengelkoch ist eine von den sechs Damen. Gerade ist sie vom Fußballverband Rheinland (FVR) zum "Schiedsrichter des Jahres" gewählt worden. Mengelkoch ist die erste Frau, der dieser Titel zuteil wird. Nach ihrem Aufstieg in die Herren-Rheinlandliga in der vergangenen Saison empfahl sie sich für die Oberliga als Ersatzschiedsrichterin. Das war bisher noch keiner anderen Schiedsrichterin aus dem FVR gelungen. Nebenher kümmert sie sich um den Nachwuchs: Mengelkoch engagiert sich in der Förderung, in der sie Lehrgänge für junge Schiedsrichterinnen konzipiert.
Mit 15 Jahren griff Mengelkoch zum ersten Mal zur Pfeife. Sie wollte ihrem älteren Bruder Matthias, auch Schiedsrichter, nacheifern. "Da Matthias zunächst nicht so begeistert von meinem Vorhaben war, habe ich beim Fritz-Walter-Cup nachgefragt, wie ich Schiedsrichter werden kann. Das verlief sich zunächst im Sand, bis ich beim Arzt von einer Helferin gefragt wurde, ob ich nicht ein Mädchen aus Wasserliesch kennen würde, das Schiedsrichterin werden möchte. Damit war ich gemeint", berichtet Mengelkoch. Seitdem pfeift sie für den SV Wasserliesch-Oberbillig und wird auch von ihrem Bruder tatkräftig unterstützt.
Mengelkoch studiert Maschinenbau in Karlsruhe. Jedes Wochenende pendelt sie in die Heimat, um auf den Sportplätzen der Region unterwegs zu sein. Aber nicht nur dort. Inzwischen kommt Mengelkoch auch als Schiedsrichterassistentin in der ersten Frauenbundesliga zum Einsatz.
Viel Freizeit bleibt der jungen Frau angesichts des Studiums und Schiedsrichterjobs nicht. Wenn, dann prägt der Fußball auch die verbleibende Zeit. In der Damenmannschaft des KIT SC, eines Teams aus Karlsruhe, hält sie sich fit. "Es ist auch mal schön und hilfreich, das Spiel von der anderen Seite zu sehen", sagt die Studentin. Wobei sie zugibt: "Ich pfeife schon lieber die Spiele der Männer, denn dort ist die Stimmung ganz anders." Auch wenn es manchmal nicht so einfach sei, sich gegen 22 Männerköpfe durchzusetzen, die auch mal einen blöden Spruch auf Lager hätten.
Doch davon will sich Mengelkoch nicht aus der Ruhe bringen lassen. Ihr Ziel ist es, einmal in der zweiten Frauenbundesliga zu pfeifen. lb