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Eishockey: Leidenschaftlicher Sammler - Bitburgs Neuzugang Sean Broderick im Porträt

Eishockey: Leidenschaftlicher Sammler - Bitburgs Neuzugang Sean Broderick im Porträt

Er sammelt leidenschaftlich Original-Trikots von Stars aus der NHL, seit kurzem steht er in seiner neuen Wahlheimat zudem für die Eifel-Mosel Bären im Tor: Der Amerikaner Sean Broderick (38) über ein Hobby, das ins Geld gehen kann, und den „besten Teamsport der Welt“.

Mit über einer Million US-Dollar lässt sich sicher ordentlich haushalten. Bei nicht allzu luxuriösem Dasein reicht sie für Jahrzehnte, vielleicht für ein ganzes Leben. Oder nur für ein einziges getragenes Eishockey-Trikot: 1972 bescherte Paul Henderson seinen Kanadiern im entscheidenden Spiel das Siegtor gegen die UdSSR. Und zwar in exakt jenem Trikot, das vier Jahrzehnte später für eben den Millionen-Betrag versteigert wurde. Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten. Rekordsumme!

Sean Broderick kennt die Geschichte, natürlich. Nicht nur, weil er selbst Trikots sammelt, "match worn", also von NHL-Profis in Spielen getragen. Aber nicht in dieser Preisklasse, versteht sich. Für den 38-jährigen Amerikaner, den es im Sommer mit seiner Familie beruflich in die Eifel gezogen hat, ist Eishockey mehr als nur Ausgleichssport, mehr als ein Hobby. Es ist die große Leidenschaft.

An sechs Tagen in der Woche zieht's Broderick aktuell in die Eishallen der Region - aufs Eis oder an die Bande: Zweimal die Woche Training mit den Eifel-Mosel Bären, zudem fährt er seinen zehnjährigen Sohn zum Training nach Luxemburg ("Er ist Goalie, genau wie ich"), am Wochenende stehen Spiele an. In seinem zweiten Spiel als Bitburger Torwart gab es für Broderick und Kollegen ein überraschendes 7:1 im Spitzenspiel bei den Frankfurter Löwen (siehe Bericht unten).

"Nur montags bin ich nicht in der Eishalle", sagt Broderick. Beim Termin in der Eishalle Bitburg braucht er nur kurz, um warm zu werden. Spätestens, wenn er die - auf Wunsch des TV-Reporters - mitgebrachten Trikots auspackt, drei aus seiner Sammlung, da spürt man Brodericks Passion für den Sport und die Historie. "Das hier ist ein Trikot von Patrick Roy, meinem Lieblingsspieler", sagt Broderick. "Ich habe ihn mal getroffen, als ich 12 war." Das bleibt hängen. Roy war jahrelang Goalie bei den Montréal Canadians, dreimal gewann er die Vezina-Trophäe, die Auszeichnung für den besten Torwart der NHL. Das ist die Bedingung, um bei Broderick in der Trikotsammlung zu landen: bitte nur Torhüter, nur Vezina-Gewinner. "Zwei fehlen mir noch aus den letzten 35 Jahren." Das Trikot von Patrick Roy war für ihn ein Muss. "Schau mal, die Naht", sagt er. "Das Trikot wurde im Spiel aufgeschlitzt, dann wieder genäht."

Eishockey verbindet. Deutsch spricht Broderick zwar noch nicht, das erschwert die Absprachen gelegentlich. "Ich bin der einzige Amerikaner im Team. Im ersten Spiel habe ich wegen der Sprachbarriere ein Tor kassiert." Da hatte es ein Missverständnis mit einem Abwehrspieler gegeben. Für Broderick war es das erste Spiel nach jahrelanger Pause. Früher hatte er unter anderem bei den Dayton Bombers und den Oklahoma City Blazers im Tor gestanden. Nicht in der NHL, der Eliteliga, aber doch als Profi.<EA>Broderick hat Glück, dass er mit seiner Familie in der Nähe von Bitburg lebt - so hat er es nicht weit bis zur nächsten Eishalle. "In den USA gibt es schon deutlich mehr Hallen. Aber auf dem Eis ist es überall ähnlich: Eishockey ist für mich der beste Teamsport, den es gibt. Er ist schnell, toll zum Zuschauen und 99 Prozent der Spieler sind einfach die nettesten Menschen, die es gibt."
Und mit seinem Hobby schafft er sich auch immer größeres Wissen drauf. "Man lernt immer was über die Spieler: Was waren das für Typen, wie ticken die? Ich habe auch viel darüber gelernt, wie sich das Spiel in den Jahrzehnten verändert hat."

Oder auch nur der Stoff. Broderick packt ein altes Trikot von Jacques Plante aus. "Er war der Erste, der in der NHL eine Maske trug". Das Trikot ist deutlich kleiner als die anderen. "Das ist damals eingelaufen - es ist ja auch aus Wolle."
Sein ältestes Sammlerstück ist dabei kein Trikot, sondern ein Stock von 1939. "Mein ältestes Trikot ist aus dem Jahr 1957." Über Auktionen, Sammlerbörsen, Kontakte kommt er an die Lieblingsstücke. Wenn es denn das Budget zulässt. Man könne für 100 oder 200 Dollar ein Original-Trikot bekommen. Aber nach oben gibt es kaum Grenzen. Für ausgewählte Trikots von Eishockey-Superstar Wayne Gretzky wurden schon häufiger sechsstellige Beträge bezahlt. "Allein fast 300000 Dollar für das Trikot, in dem er sein 500. Tor in der NHL erzielt hat", sagt Broderick. Für seine Sammlung wäre das nichts, nicht nur wegen des Preises. Ist ja kein Goalie.