EM-Experten-Kolumne

Das Spiel gegen Polen hat mich nicht begeistert. Es ist deutlich geworden, dass dem deutschen Team noch vieles fehlt. Meiner Meinung nach gibt es zwei große Baustellen im Team: Die eine betrifft die Außenverteidiger.

Höwedes ist auf rechts der falsche Mann, in der Offensive fehlt ihm im letzten Drittel vor dem gegnerischen Tor deutlich die Technik, die Präzision und auch die Schnelligkeit.

Jonas Hector hat es auf der linken Seite zwar besser gemacht als Höwedes auf rechts, aber auch er ist in meinen Augen nicht die optimale Besetzung auf dieser Position. Er ist kein technisch-versierter und agierender Spieler - aber genau solche Außenverteidiger braucht man, wenn man als Team hochverteidigen und über außen für Torgefahr sorgen will.

Für Höwedes muss im nächsten Spiel dringend Joshua Kimmich auf der rechten Seite ran. Er ist schnell, dribbelstark und hat mit 1,76 Metern die perfekte Größe für die Außenverteidiger-Position. Ansonsten ist die Abwehr mit Mats Hummels und Jérôme Boateng weltklasse besetzt, genau wie die Sechser Khedira und Kroos.

Die zweite Baustelle des Teams liegt in der Offensive. Boateng hat recht, wenn er sagt, dass von den offensiven Kräften deutlich mehr kommen muss. Bei uns würde man sagen: Die müssen da vorne mal die Finger aus der Nase nehmen. Mesut Özil zum Beispiel hat viel zu wenig gezeigt gegen Polen.

Bei ihm fehlt mir die Körperspannung. Wenn ein Ball mal nicht bei ihm ankommt, bleibt er stehen, läuft oft nicht zurück. Wenn er so weitermacht, reicht es für ihn niemals zum Weltstar.

Auch Mario Götze hat mich nicht überzeugt. Er ist auf der "falschen Neun" verloren. Diese Position kann in der Weltspitze nur Lionel Messi spielen, denn nur er besitzt die notwendige Schnelligkeit und Spielintelligenz. Götze dagegen scheint in den letzten zwei Jahren bei Bayern München vergessen zu haben, auf welcher Position er eigentlich zu Hause ist - im Mittelfeld oder doch im Sturm. Mein Eindruck ist auch, dass es ihm an Fitness fehlt.

Ich finde, dass Mario Gomez gegen Nordirland eine Chance von Beginn an verdient hat. Ich würde für den Sturm zwar Klaus Toppmöller nehmen, aber der kann ja nicht mehr spielen. So müssen wir halt mit Mario Gomez vorlieb nehmen. Der bindet mit seiner Statur gegnerische Abwehrspieler und schafft auf diese Weise Räume für die Mitspieler.

Edgar Schmitt (53) aus Dudeldorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm) hat jahrelang in der Fußball-Bundesliga gespielt. Unter anderem war er für Eintracht Frankfurt und den Karlsruher SC aktiv. Für die Badener erzielte er beim 7:0-Sieg im Uefa-Pokal über den FC Valencia im Jahr 1993 vier Tore, was ihm den Spitznamen "Euro Eddy" einbrachte.

In der täglichen TV-Experten-Kolumne schreiben Klaus Toppmöller, Paul Linz, Philipp Wollscheid, Jeff Strasser, Sven Voss, Herbert Fandel und Edgar Schmitt abwechselnd über die EM 2016. Hier geht es zu allen Beiträgen.