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EM-Kolumne: Geflügelte Worte

EM-Kolumne: Geflügelte Worte

Es geht beim Fußball fast immer um das eine: Das Runde muss ins Eckige. Dabei ist es völlig egal, ob das Tor, der Treffer oder die Bude aus dem Gewühl heraus erzielt wurde, die Pille nach einer Bananenflanke im Kasten landete oder nach einer Kerze, ob mit der Birne oder der Pike erzielt, ob nach oder vor dem Pausentee, in der siebten und 70. Spielminute oder erst mit dem Schlusspfiff — Hauptsache, das Leder ist im Kasten, die Pflaume in die Maschen gepflanzt, die Pille versenkt.

Ob bei Fritz-Walter- oder Kaiserwetter. Schließlich will keiner ein müdes 0:0 sehen, die rote Laterne tragen, das Feld von hinten aufräumen müssen oder am Ende der Tabelle vor sich hindümpeln. Nein, es geht vielmehr darum, über die Flügel zum Erfolg zu kommen, das Spiel zu drehen, Tikitaka zu spielen, so, dass der Gegner keine Schnitte bekommt, den Mitspieler mit tödlichen Pässen mitten in die Gasse zu bedienen, Pässe, die zu überfallartigen Angriffen führen. Zum Tor. Zum Sieg. Zum Titel. Sprüche, Ausdrücke und Floskeln wie diese sind während einem Fußball-Großereignis wie der EM allgegenwärtig, egal ob vor den Fernsehern, den Leinwänden beim Public Viewing, am Stammtisch oder in den Medien. Die Fußballsprache beherrscht Deutschland. Noch bis zum Endspiel, egal, wer den Pott nach Hause holt. Deshalb kann ich jedem raten, dem all diese Floskeln und schiefen Bilder auf die Nerven und die Ohren gehen, den sie ärgern und dem sie missfallen: Hängen Sie die Schuhe oder die Töppen nicht vorzeitig an den Nagel, bleiben Sie am Ball bis zum 10. Juli, spielen Sie mit im Team der fußballverrückten Sprücheklopfer und leisten Sie sich kein Eigentor. Sonst stehen Sie am Ende im Abseits.

In der EM-Kolumne Oh, là, là! schreiben TV-Redakteure während der Europameisterschaft täglich über Themen rund um das Turnier in Frankreich.