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Enttäuschte Hoffnungen nach Training im Esszimmer bei Trierer Ruderern

Rudern : Enttäuschte Hoffnungen nach Training im Esszimmer

Johannes Thein hat seinen Platz im deutschen Leichtgewichts-Doppelvierer bei der für Anfang September geplanten U-23-Europameisterschaft gesichert. Annika Elsen und Katharina Bauer fahren aber nur als Ersatzleute nach Duisburg.

Bei Johannes Thein hat alles gepasst: „Der Doppelvierer ist mein Wunschboot“, sagt der 21-Jährige. Dabei spielt natürlich auch eine Rolle, dass das größte deutsche Skullboot (jeder Ruderer hat zwei sogenannte Skulls statt nur einen Riemen) bei der U-23-EM am 6. und 7. September in Duisburg in der Leichtgewichtsklasse gute Medaillenchancen hat. Bei der finalen Zusammensetzung der nicht-olympischen Bootsklassen Ende vergangener Woche sicherte sich der Sportler der Rudergesellschaft Trier (RGT) seinen Platz endgültig. Schon bei der internen und coronabedingt bisher einzigen Leistungsüberprüfung hatte er als siebtbester Leichtgewichts-Skuller gezeigt, dass an ihm kein Weg vorbei geht. „Es lief gut“, sagt Thein zum verlängerten Wochenende in Köln, bei dem die Bootsbesatzungen durch Testfahren in unterschiedlichen Konstellationen final festgelegt wurden.

Das können Annika Elsen und Katharina Bauer nicht sagen. Beim Duo des RV Treviris Trier (RVT) sitzt die Enttäuschung tief. Es hatte fest mit einem Start bei den U-23-Europameisterschaften der Ruderer gerechnet. Mit dem siebten Platz im Zweier bei der Leistungsüberprüfung in Hamburg schien ihr Weg in den Achter oder sogar Vierer geebnet. Doch bei der Mannschaftsbildung, die für die olympischen Bootsklassen in Leipzig stattfand, wurden sie nicht berücksichtigt. Bauer und Elsen gehören Anfang September zwar zum Nationalteam, allerdings nur als Ersatz. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie wirklich zum Einsatz kommen, weil sich eine andere Riemen-Ruderin ausfällt, sei gering, meint Elsen: „Jetzt passt ja jeder besonders auf, sich nicht mehr zu verletzten oder zu erkälten.“

Weshalb sitzt das RVT-Duo auf der Ersatzbank? Letztendlich mussten sie vermeintlich stärkeren Athletinnen Platz machen, die auf dem Ruder-Ergometer bessere Ergebnisse erzielt hatten. Beim Deutschen Ruderverband (DRV) werde für die Großboote viel auf rein physische Leistung gesetzt, erklärt Benedikt Schwarz. Der rheinland-pfälzische Landestrainer betreut am beim RVT-Ruderhaus angesiedelten Stützpunkt nicht nur Elsen und Bauer, sondern auch Thein. Erfolg habe der DRV mit diesem Konzept in den vergangenen Jahren aber nicht unbedingt gehabt, merkt Schwarz kritisch an.

Katharina Bauer und Annika Elsen wollen trotz des Rückschlags beim in den kommenden drei Wochen anstehenden Nationalmannschafts-Trainingslager wieder so richtig Gas geben. „Jetzt erst recht!“, gibt sich Bauer kämpferisch. Sie wollen zeigen, dass sie zu Unrecht nur Ersatz sind und den EM-Zweier mit der Berliner Hannah Reif und Lena Sarassa aus Krefeld ein bisschen ärgern.

Besonders ärgerlich ist die Situation für Bauer und Elsen, weil sie sich nach dem Abitur in diesem Jahr auf den Sport konzentrieren wollten. Statt direkt zu studieren absolvierten sie bis Mai ein Freiwilliges Soziales Jahr im Sport an der Europäischen Sportakademie (Elsen) und am Max-Planck-Gymnasium (Bauer) in Trier. „Das war toll, weil viel aufs Training abgestimmt war“, lobt Elsen die Bedingungen.

 Die Trierer Ruderer Katharina Bauer (rechts), Annika Elsen (links) und Johannes Thein (Mitte) haben sich für die U-23-Europameisterschaft Anfang September in Duisburg qualifiziert.
Die Trierer Ruderer Katharina Bauer (rechts), Annika Elsen (links) und Johannes Thein (Mitte) haben sich für die U-23-Europameisterschaft Anfang September in Duisburg qualifiziert. Foto: Holger Teusch
 Johannes Thein von der Rudergesellschaft Trier startet am ersten September-Wochenende im deutschen Leichtgewichts-Vierer bei der U-23-Europameisterschaft 2020 in Duisburg.
Johannes Thein von der Rudergesellschaft Trier startet am ersten September-Wochenende im deutschen Leichtgewichts-Vierer bei der U-23-Europameisterschaft 2020 in Duisburg. Foto: Holger Teusch
 Johannes Thein von der Rudergesellschaft Trier startet am ersten September-Wochenende im deutschen Leichtgewichts-Vierer bei der U-23-Europameisterschaft 2020 in Duisburg.
Johannes Thein von der Rudergesellschaft Trier startet am ersten September-Wochenende im deutschen Leichtgewichts-Vierer bei der U-23-Europameisterschaft 2020 in Duisburg. Foto: Holger Teusch

Zu Beginn des Corona-Lockdown verlagerten Bauer, Elsen und Thein ihr Training nach Hause. „Ich konnte zum Glück im Wintergarten trainieren“, erzählt der 21-Jährige Thein von den guten Bedingungen bei seinen Eltern in Wasserliesch. Für Bauer mussten Ruder-Ergometer, Gymnastikmatte und Hanteln in einem Kellerraum aufgestellt werden. Elsen konnte das Esszimmer ihrer Eltern zum Trainingsraum umfunktionieren. Gefehlt hat allen aber das Training auf dem Wasser, das lange Zeit auch nicht im Einer erlaubt war.