Erst an den Herd, dann auf die Schanze

Erst an den Herd, dann auf die Schanze

Zum ersten Mal seit dem historischen Vierfach-Triumph von Sven Hannawald 2001/2002 wird ein deutscher Skispringer zumindest als Geheimfavorit auf den Gesamtsieg bei der internationalen Vierschanzentournee gehandelt. TV-Mitarbeiter Jürgen C. Braun sprach wenige Tage vor dem Start der Tournee mit dem derzeit besten deutschen Springer, Severin Freund.

Baden-Baden/Oberstdorf. Im vergangenen Jahr fielen schon einige der Mitfavoriten auf den Gesamtsieg beim ersten Springen aussichtslos zurück. Welche Bedeutung kommt Ihrer Meinung nach in diesem Jahr dem Auftakt-Wettbewerb in Oberstdorf zu?
Freund: Der Terminplan der Tournee ist in diesem Jahr, den Wochenenden geschuldet, ziemlich ungewöhnlich. Das Springen am Sonntag kann schon vorentscheidend sein für den gesamten Tournee-Verlauf. Das hat zur Folge, dass es schon bei der heutigen Qualifikation richtig ernst wird. Nur einen Tag nach dem zweiten Weihnachtstag heißt es also volle Konzentration auf den frühen Saison-Höhepunkt.

Sie sind derzeit Vierter im Gesamt-Weltcup. Noch nie in den vergangenen Jahren stand ein Athlet des DSV so gut im internationalen Ranking vor dem Saison-Highlight wie Sie jetzt. Wie sehen Sie selbst Ihre Ausgangsposition?
Freund: Ich bin einer von vielen, die vorn gehandelt werden. In diesem Jahr haben wir so viele potenzielle Siegkandidaten wie lange nicht mehr. Seit etlichen Jahren hieß es doch immer nur Schlierenzauer, Ammann, Kofler und vielleicht noch der eine oder andere Überraschungs-Norweger. Aber in diesem Jahr ist die Dichte an der Spitze unheimlich hoch. Wir sollten aus unserem Team auch Richard Freitag nicht vergessen. Der hat immerhin eine der beiden Tournee-Generalproben in Engelberg gewonnen.

Die Witterung ist für die Jahreszeit ungewöhnlich warm. In Garmisch hat man angeblich schon einen Plan B in der Tasche, für den Fall, dass man nicht rechtzeitig genügend Schnee aus den umliegenden Eishallen herankarren kann. Beunruhigt Sie das?
Freund: Es trägt nicht gerade zur Gelassenheit in der Vorbereitung bei. Die Organisatoren des Neujahresspringens von Garmisch haben sich angeblich schon für den unwahrscheinlichen Fall der Fälle, dass dort nicht gesprungen werden kann, mit Innsbruck gedanklich ausgetauscht. Das ist ja die dritte Station der Tournee. Aber der Wettbewerb heißt nun einmal Vierschanzen-Tournee, und es sollte auf jeden Fall auch auf vier Schanzen gesprungen werden, wenn es irgendwie machbar ist.

Zwischen Oberstdorf und Garmisch liegen in diesem Jahr zwei Ruhetage. Wie wird das DSV-Team diese ungewöhnliche Freizeit verbringen?
Freund: Viele von uns wohnen ja in der alpenländischen Region. Da böte es sich an, sich unter Umständen für zwei Tage aus dem Zirkus auszuklinken, um etwas Abstand zu gewinnen. Wir werden das kurzfristig entscheiden.

Wie haben Sie Weihnachten als letzten Ruhepol vor dem Tournee-Start am Samstag verbracht?
Freund: Meine Freundin und ich haben Weihnachten gemeinsam und ganz geruhsam gefeiert. Nur wir beide. Ich habe dieses Jahr selbst gekocht und am Herd gestanden.jüb

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