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Europa League der Gegensätze

Europa League der Gegensätze

Fußball: Ex-Trierer spielen international - vor rund 50 000 Fans in Schottland und ein paar Hundert Zuschauern in Luxemburg.

 Der Wiltinger Jakob Dallevedove (rechts) ist heute bereits zum elften Mal für Fola Esch im Europapokal-Einsatz. Ex-Eintrachtler Max Watzka (links) tritt mit Niederkorn im vollbesetzten Glasgower Ibrox Park an. Fotos: Jeff Lahr, Gerry Schmit/Tageblatt
Der Wiltinger Jakob Dallevedove (rechts) ist heute bereits zum elften Mal für Fola Esch im Europapokal-Einsatz. Ex-Eintrachtler Max Watzka (links) tritt mit Niederkorn im vollbesetzten Glasgower Ibrox Park an. Fotos: Jeff Lahr, Gerry Schmit/Tageblatt Foto: Jeff Lahr (g_sport

Niederkorn/Esch Höhepunkt der Karriere? Spiel des Lebens? Mit solchen Superlativen kann Max Watzka nichts anfangen. Doch klar ist: Für den 31-jährigen Mittelfeldspieler des luxemburgischen Erstligisten Progrès Niederkorn steht ein "absolutes Highlight" an. Heute Abend gastiert er mit seinem Club im Hinspiel der ersten Qualifikationsrunde zur Fußball-Europa-League beim schottischen Rekordmeister Glasgow Rangers vor womöglich mehr als 50 000 Zuschauern im Ibrox Park. "Ich habe mit Kickers Offenbach schon mal vor 35 000 Zuschauern in Köln gespielt. Ich habe unseren jungen Spielern gesagt, sie sollen die Atmosphäre aufsaugen, aber keine Angst haben", sagt Watzka, der den Ibrox Park bislang auch nur vom Fernsehbildschirm her kennt.
Watzka dürfte vielen Eintracht-Fans noch ein Begriff sein. In der Regionalliga-Saison 2012/13 absolvierte er für Trier 29 Partien. Danach ging der gebürtige Leipziger in die Regionalliga Nordost zu Viktoria Berlin, wo er dreieinhalb Jahre blieb. "Ich bin damals zur Viktoria, weil ich näher bei der Familie sein wollte. Ich habe mich in Berlin wohlgefühlt, bis ich mich zu Beginn der vergangenen Saison mit dem Trainer überworfen habe", berichtet Watzka. Deshalb der Wechsel in der Winterpause nach Niederkorn. "Die Spiele jetzt gegen die Rangers sind natürlich Gesprächsthema Nummer eins bei uns in der Kabine. Jeder will spielen. Der Konkurrenzkampf im Training ist groß", sagt Watzka, der von einem passablen Resultat der Niederkorner überzeugt ist: "Ich traue uns zu, nicht unterzugehen. Im DFB-Pokal haben Viertligisten ja auch immer schon für Überraschungen gegen Erstligisten gesorgt."
Den Abstieg seines Ex-Clubs Eintracht Trier hat er besorgt mitverfolgt: "Das tut schon sehr weh, wenn man das Potenzial in Trier und im Verein sieht. Leider erlebt man immer wieder das Abrutschen von Traditionsvereinen. Doch Mut macht, dass mehrere von ihnen auch wieder die Wende schaffen."
Im Europapokal hat der aus Wiltingen stammende und dort lebende Jakob Dallevedove für den CS Fola Esch schon einige Male gespielt. Der 29-jährige Mittelfeldakteur geht in seine achte Saison bei den Südluxemburgern, die unter Trainer Jeff Strasser in der zurückliegenden Saison in der BGL-Ligue Dritter wurden.
Auf internationalem Parkett durfte der bei Eintracht Trier ausgebildete und später bei Schalke 04 II und dem FC 04 Ingolstadt II (dort auch ein Zweitligaspiel) aktive Dallevedove für die Fola bislang gleich vier Mal gegen den kroatischen Topclub Dinamo Zagreb ran, traf außerdem auf die Schweden von IF Elfsborg und IFK Göteborg. Im vergangenen Jahr gab es gar einen 1:0-Heimsieg gegen den FC Aberdeen, wegen des 1:3 in Schottland schied man aber aus. Heute, ab 19.30 Uhr, kommt es nun zum Duell mit den Moldawiern vom FC Milsami. "Vom Namen her ist der Gegner vielleicht nicht attraktiv, er wird aber sehr schwer zu bespielen sein", warnt Dallevedove. Vor zwei Jahren trumpften die Kicker aus dem 34 000-Einwohner-Städtchen im Südosten Europas groß auf, schalteten die Bulgaren von Ludogorez Rasgrad aus und scheiterten später nur knapp an den Franzosen vom AS St. Etienne. Diesmal hat die Fola im Europacup endlich einen richtigen Heimvorteil: Das Stadion Émile Mayrisch auf dem Escher Galgenberg ist mit 500 Schalensitzen auf der Gegengeraden in den vergangenen Monaten aufgepeppt worden. Nun hat die Uefa grünes Licht gegeben; zumindest für das (wenig zuschauerträchtige) Duell mit den Moldawiern muss die Fola nicht in ein anderes Stadion ausweichen. "Das erhöht den Reiz für dieses Spiel natürlich nochmal", lässt Dallevedove mit Vorfreude durchblicken.
Mehr als ein paar Hundert Zuschauer dürften aber wohl kaum kommen. Sein Vertrag bei der Fola, mit der er 2013 und ´2015 luxemburgischer Meister wurde, läuft noch mindestens ein Jahr. Auch darüber hinaus kann er sich ein Engagement beim Traditionsverein im Großherzogtum vorstellen: "Der Club entwickelt sich stetig weiter. Ich fühle mich hier sehr wohl. Außerdem ist Jeff Strasser ein guter und ehrgeiziger Trainer. "
Die Europa-League-Ansetzungen mit luxemburgischer Beteiligung am heutigen Donnerstag im Überblick:
19 Uhr: FK Zira (Aserbaidschan) - FC 03 Differdingen; 19.30 Uhr: CS Fola Esch - FC Milsami (Moldawien), 20.45 Uhr: Glasgow Rangers (Schottland) - FC Progrès Niederkorn.