Ex-Nationalspieler Günter Herrmann aus Trier feiert 80. Geburtstag

Fußball : Einmal kräftig pusten: Trierer Nationalspieler feiert 80. Geburtstag

Günter Herrmann absolvierte neun Länderspiele. In der Bundesliga erlebte er turbulente Zeiten. Als Gastronom bewirtete er Roger Moore.

Kürzlich, als Günter Herrmann vor dem Fernseher saß, kamen noch mal ganz viele Erinnerungen hoch. Nordirland gegen Deutschland – so lautete vor eineinhalb Wochen nicht nur die Begegnung in der aktuellen Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft 2020. Am 26. Oktober 1960 gab der Trierer Herrmann gegen die Nordiren sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft: „Damals ging es um die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1962. Es war nicht einfach in Belfast vor 35 000 begeisterten Zuschauern. Die Nordiren gingen vehement drauf. Man hatte kaum Zeit, den Ball anzunehmen.“ Der Rahmen – damals nicht anders als heute.

Der TV erreichte Herrmann jüngst telefonisch in seiner Schweizer Wahlheimat im Wallis, um ihm nachträglich zum 80. Geburtstag zu gratulieren, den er Anfang des Monats gefeiert hat. Der Trierer wuchs am Stockplatz auf. Er spielte von der Jugend an bis 1958 für Eintracht Trier, wechselte dann zum Karlsruher SC. Als die Bundesliga 1963 startete, ging’s weiter zum FC Schalke – und Herrmann schlidderte direkt ohne Zutun in einen legalen Betrug. Ablösesummen waren damals auf 50 000 D-Mark gedeckelt. Für diese Summe wollte der KSC den begehrten Herrmann aber nicht ziehen lassen. Letztlich wurden 100 000 Mark bezahlt, weil es einen Reservisten on top gab. Offiziell kosteten aber beide Spieler je 50 000 Mark. Die Mauschelei blieb nicht unbemerkt – Schalke und Karlsruhe starteten mit je vier Minuspunkten, doch der Deutsche Fußball-Bund musste sie Strafe im Herbst wieder kassieren.

Viel Bohei um wenig, findet Herrmann im Rückblick. „Vier Jahre später, 1967, kostete ich beim Wechsel zurück nach Karlsruhe schon 300 000 Mark. Und selbst das war ja wenig im Vergleich zum Fußball-Geschäft von heute, wo es um Milliarden geht.“

Schalke war schon damals ein heißes Pflaster. Zu seiner Zeit bei den Königsblauen betrieb Herrmann unter anderem in Gelsenkirchen eine Espresso-Bar. „Da war immer viel los. Vor den Spielen kamen Busse mit Schalke-Fans aus dem Sauerland. Die Leute haben sich an der Bar warmgemacht fürs Spiel.“ In Zeiten, in denen es nicht lief, ging aber auch schon mal Inventar zu Bruch.

Ein Trierer im Nationaltrikot: Günter Herrmann als 20-Jähriger. Foto: privat

Herrmann war ein Ballverteiler. Einer wie heute Toni Kroos. Die Bundesliga verfolgt er von der Schweiz aus. 1968 wechselte er vom KSC zum FC Sion, wo die Karriere 1975 endete. Er blieb danach in der Alpenrepublik.

Verbindungen nach Trier und zur Eintracht hat er keine mehr. Der Fußball steht längst nicht mehr im Mittelpunkt des 80-Jährigen. Der Grund: Vor rund eineinhalb Jahren erlitt seine aus der Schweiz stammende Frau einen Schlaganfall – seitdem kümmert er sich um die Pflege. Die beiden verließen ihr Chalet in Crans-Montana und zogen ins Tal der Rhone.

Dass er seiner Frau so gut es geht unter die Arme greift, ist für Herrmann eine Selbstverständlichkeit. Schließlich habe sie ihn auch immer unterstützt, beispielsweise in den 20 Jahren, als sie in Crans-Montana das Restaurant „La Bistro“ führten. „Wir hatten das Restaurant liebevoll eingerichtet. Jeder Tisch, jeder Sitzplatz sah anders aus. Wie in einem Museum“, berichtet Herrmann, der auch von prominenten Gästen spricht. Schauspieler Roger Moore etwa sei dagewesen. Oder Fußball-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus.

Insgesamt bestritt Herrmann neun Länderspiele. „Trainer Sepp Herberger stand auf den Spielertypen, den ich verkörpert habe. Doch ich war ein fauler Hund. Ich hätte wahrscheinlich ein paar Länderspiele mehr machen können“, sagt Herrmann. In der Vorbereitung auf die WM 1962 in Chile habe jeder Auswahlspieler Hanteln und Seile nach Hause geschickt bekommen. „Ich habe sie nie genutzt. Nur mein Schwager hat sie ausprobiert“, sagt Herrmann.

Foto: privat

Heute ist der 80-Jährige alles andere als faul: „Jeden Morgen mache ich eine Stunde Fitness. Zum Glück habe ich keine Probleme mit den Knien. Als Fußballer hatte ich nie eine schwere Verletzung.“

Auch wenn er bei der WM 1962 kein Spiel bestritt, hat der Trierer bleibende Erinnerungen an das Weltturnier unter schwierigen Bedingungen. „Auf dem Hinweg waren wir 30 Stunden unterwegs. Untergebracht waren wir in einer Kaserne des Militärs.“

Trikots, Zeitungsartikel – Erinnerungen an seine Zeit als Fußballer hat Herrmann nicht gesammelt. Stattdessen galt sein Interesse Antiquitäten, unter anderem Meißner Porzellan. „Ich erinnere mich an ein Spiel mit Schalke in Nürnberg. Die Eltern eines Freundes wohnten in Prag. Mein Kumpel fuhr uns mit einem VW-Bus hinterher. Nach dem Spiel sind wir dann nach Prag gefahren, um einen Keller auszuräumen.“

In Kürze wird Herrmann eine kleine Party im Nachgang zu seinem 80. Geburtstag schmeißen: „30 bis 40 Leute werden kommen.“ Also alles in einem gediegenen Rahmen. Kein Vergleich zu dem, was sich aus Anlass seines 50. Geburtstags zugetragen hatte. Herrmann: „Damals wurde in Crans-Montana ein Spiel zwischen den Alten Herren Sion und einem deutschen Team organisiert.“ Mit dabei in der DFB-Auswahl unter anderem: Gert Dörfel, Hans Tillkowski, Horst Szymaniak, Otto Luttrop und Timo Konietzka.

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